Slowakei Papst schickt umstrittenen Bischof Sokol in Rente

Er sympathisierte mit Faschisten und erzürnte die Slowaken mit seiner Spitzelvergangenheit - nun hat der Papst den umstrittenen Erzbischof Jan Sokol in den Ruhestand entlassen. Einen Rücktritt hatte Sokol stets abgelehnt, nun musste er diesen selbst anbieten - zu seinem 75. Geburtstag.


Bratislava - Papst Benedikt XVI. hat den heftig umstrittenen slowakischen Erzbischof Jan Sokol in den Ruhestand geschickt. Sokol hatte unter anderem mit offenen Sympathiebekundungen für das faschistische Kriegsregime, aber auch durch die Enthüllung seiner Spitzeltätigkeit für den kommunistischen Geheimdienst StB (die tschechoslowakische Staatssicherheit) für Aufsehen gesorgt.

Rücktrittsforderungen auch von kirchennahen Kreisen lehnte er aber beharrlich ab. Wie ein Sprecher der katholischen Bischofskonferenz der Slowakei am Samstag den Medien mitteilte, hat der Papst nun das gemäß kanonischem Recht zum 75. Geburtstag vorgeschriebene Rücktrittsangebot des umstrittenen Kirchenfürsten angenommen.

Sokol hatte in den 20 Jahren seiner Tätigkeit als Erzbischof immer wieder mit offenen Wahlempfehlungen in die slowakische Politik eingegriffen. Die größte Empörung riefen aber seine mehrfach bekundeten Sympathien für den faschistischen Ex-Diktator Jozef Tiso hervor. Der katholische Priester und Präsident des 1939 bis 1945 bestehenden NS-Vasallenstaates Slowakei hatte während des Zweiten Weltkriegs bis zu 70.000 Juden in deutsche Konzentrationslager deportieren lassen und wurde deshalb nach Kriegsende hingerichtet. Sokol zelebrierte trotzdem noch im Jahr 2008 eine Gedenkmesse für Tiso und lobte dessen Diktatur als "Zeit des relativen Wohlstands" für die Slowakei.

Seine Kollaboration mit der tschechoslowakischen Staatssicherheit bestritt er stets. Nach der Öffnung der kommunistischen Geheimdienstarchive wurden aber Nachweise gefunden, dass Sokol auch Geld für seine Informationen über andere Geistliche angenommen habe.

Auch seine rasche innerkirchliche Beförderung knapp vor Ende des Kommunismus, der das kommunistische Regime gemäß Vereinbarung mit dem Vatikan zustimmen musste, fiel augenscheinlich mit der Intensivierung seiner Tätigkeit für den Geheimdienst zusammen.

ffr/dpa



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