Sommerwetter Unwetter rasen über Deutschland - Frankfurter Flughafen lahmgelegt

Sommer der Extreme: Schwere Unwetter ziehen am Abend über große Teile Deutschlands, am Flughafen Frankfurt geht für eine Stunde gar nichts mehr. Die Bahn muss wegen zu großer Hitze erneut Fernzüge räumen - und eine Autobahn wird gesperrt, weil die Wärme die Bodenplatten aus der Erde drückt.

dpa

Hamburg - Fast eine Stunde lang ging gar nichts mehr. Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt am Main musste an diesem Mittwochabend der Flugverkehr unterbrochen werden - ankommende Flugzeuge wurden umgeleitet, sagte ein Sprecher.

Ab 20.08 Uhr fielen demnach alle Starts und Landungen aus, weil starke Sturmböen und Blitze die Sicherheit beeinträchtigten. Erst gegen 21 Uhr lief der Betrieb nach Angaben des Sprechers wieder an. Bis in die Nacht hinein kam es zu starken Verspätungen (Informationen auf der Seite des Flughafens...).

Über mögliche Schäden durch das Unwetter hatte die Polizei in Hessen zunächst keinen Überblick.

Auch der Deutschen Bahn bereitete das Wetter am Mittwoch Probleme: Das Unternehmen räumte erneut mehrere Fernzüge nach einem Ausfall der Klimaanlagen. Wie ein Unternehmenssprecher dem Bielefelder "Westfalen-Blatt" sagte, wurde ein IC auf der Strecke Berlin-Amsterdam wegen einer defekten Klimaanlage gestoppt. Die Reisenden mussten demnach in andere Züge umsteigen. Zudem sei ein ICE zwischen München und Lübeck wegen Hitzeproblemen geräumt worden. Seit Samstag fielen dem Bahn-Sprecher zufolge in insgesamt 41 Fernzügen die Klimaanlagen aus.

Am Wochenende war in drei ICEs die Klimaanlage komplett ausgefallen, weshalb zwei der Züge in Hannover und einer in Bielefeld geräumt werden mussten. Zahlreiche Schüler von zwei Schulen in Nordrhein-Westfalen kamen dehydriert ins Krankenhaus. Auch in weiteren Zügen fielen in den vergangenen Tagen in einzelnen Waggons die Klimaanlagen aus.

Was das Sommerwetter sonst anrichtet - der SPIEGEL-ONLINE-Überblick:

  • "Olivia" zieht über weite Teile Deutschlands

Regengüsse und Orkanböen gab es auch in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Aus Trier und Koblenz wurden umgestürzte Bäume gemeldet. In Koblenz rückte die Feuerwehr innerhalb kurzer Zeit zu 30 Einsätzen aus. Blitzeinschlag ist vermutlich für Stromausfälle in Trier und Koblenz verantwortlich, betroffen waren nach Angaben der Polizei Tausende Haushalte. Im Saarland wurden die Dächer von rund 30 Häusern beschädigt, zehn Autos wurden von herumfliegenden Teilen getroffen, Verletzte gab es nach einem ersten Überblick der Polizei nicht.

Das Gewittertief "Olivia" zog auch über Nordrhein-Westfalen hinweg. Zunächst trafen heftige Böen mit Windgeschwindigkeiten bis zu 100 Kilometern pro Stunde von Westen her die Aachener Region. Bei der Polizei gingen in kürzester Zeit Notrufe vor allem wegen umgestürzter Bäume ein. Das weltweit größte Reitturnier CHIO schloss die Ladenstraße in der Zeltstadt und unterbrach die Prüfungen im Springen und in der Dressur.

Der Deutsche Wetterdienst weitete derweil am Abend seine Unwetterwarnungen auf Bayern aus. Damit waren Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Baden-Württemberg und Bayern betroffen (aktuelle Unwetterwarnungen auf SPIEGEL ONLINE: siehe Kasten links).

Die Unwetterlinien überqueren Deutschland jeweils von West nach Ost mit Gewittern, Starkregen, Hagelschlag und möglicherweise auch Tornados. Erst am Montag hatte Sturmtief "Norina"in Teilen Deutschlands eine Schneise der Verwüstung hinterlassen.

Regen fällt nur dort, wo Gewitter niedergehen. Dann können zwar große Niederschlagsmengen innerhalb kurzer Zeit fallen - nur wenige Kilometer weiter aber bleibt es knochentrocken. In etlichen Regionen hat es seit Wochen nicht geregnet, in Offenbach seit 27 Tagen nicht. In Waibstadt und Ingelfingen-Stachenhausen (Baden-Württemberg) sowie in Weihenstephan und Kahl am Main bei Aschaffenburg (Bayern) meldeten die DWD-Stationen seit Anfang Juli keinen messbaren Niederschlag.

  • Belgien, Frankreich, Niederlande: zwei Tote, mehrere Verletzte

Schwer traf es schon im Laufe des Mittwochs Belgien. Der Sturm fegte vor allem über den südlichen Landesteil. Ein Lastwagenfahrer erlitt in Erquelinnes an der belgisch-französischen Grenze schwere Verletzungen, als ein Baum auf sein Fahrzeug fiel, berichtete die belgische Nachrichtenagentur Belga. Zunächst hatte es geheißen, der Mann sei an seinen Verletzungen gestorben. In Jodoigne östlich der Hauptstadt Brüssel stürzte das Dach eines Sportzentrums ein. Entgegen ersten Berichten, in denen von mindestens 15 Verletzten die Rede gewesen war, erlitten lediglich acht Menschen leichte Verletzungen. In der Stadt Dinant fiel der Strom komplett aus.

Auf einem Campingplatz im Osten Frankreichs wurde ein Mann von einem umstürzenden Baum erschlagen, teilte die örtliche Feuerwehr mit. In den Niederlanden kam mindestens ein Mensch ums Leben. Eine Polizeisprecherin teilte am Abend mit, dass rund ein dutzend Wohnwagen auf einem Campingplatz in der Region Arnheim im Osten des Landes umstürzten. Dabei sei ein Mensch getötet und vier weitere schwer verletzt worden.

  • Hitzeschäden auf der A29

Komplettsperrung auf der A29 in Niedersachsen: Infolge der Sommerhitze haben sich auf der Strecke zwischen Varel-Bockhorn und Zetel zahlreiche Betonplatten angehoben. Teilweise ragten sie bis zu 30 Zentimeter aus dem Boden, sagte ein Polizeisprecher am Mittwochabend. Die Autobahn sei deswegen seit dem Nachmittag in beide Richtungen für den Verkehr gesperrt - mindestens bis Freitagnachmittag. "Es kann aber auch sein, dass die Bahn erst am Samstag wieder befahrbar ist", so der Sprecher weiter.

  • Heiße Innenstädte, Teile der Ostsee warm wie das Mittelmeer

Nachts ist nur wenig Abkühlung zu erwarten - vor allem in den aufgeheizten Innenstädten hält sich die Wärme. In der Nacht zum Mittwoch wurden am Berliner Alexanderplatz 22 Grad als Tiefsttemperatur gemessen, am Stadtrand war es mit 14 bis 17 Grad deutlich angenehmer. Die Station am Alex registrierte am Morgen die fünfte Tropennacht in Folge. Auch in den nächsten Nächten sollen die Temperatur nicht unter 20 Grad sinken. "Eine solche Serie tropischer Nächte hat es in den fast 250 Jahre zurückreichenden Messreihen in Berlin wohl noch nie gegeben", sagte Meteorologe Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst (DWD).

Die Hitze hat die Ostsee stellenweise auf mediterrane Temperaturen gebracht. Rügen und Usedom etwa erreichten mit 22 Grad so hohe Werte wie die griechische Insel Korfu. "Die Fische flüchten in tiefere Wasserschichten, die noch immer deutlich kühler sind", sagte Christopher Zimmermann vom Institut für Ostseefischerei in Rostock. Mit steigenden Temperaturen sinke der Sauerstoffgehalt im Wasser, was vor allem für Dorsche problematisch sei. In den tieferen küstennahen Ostseegewässern von bis zu 20 Metern herrschten jedoch derzeit noch Temperaturen um 15 bis 16 Grad und damit angenehme Bedingungen für die Fische.

  • Noch mindestens zehn Tage dieses Wetter
Die Hitzewelle hat Deutschland weiter fest im Griff. Bis zum übernächsten Wochenende halten sich die Höchstwerte über 25 Grad, teilte der DWD mit. Damit sei die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass dieser Monat der heißeste Juli in Deutschland seit mindestens 110 Jahren werde, sagte Meteorologe Friedrich.

Hinzu kommen die heftigen Unwetter - immer dann, wenn es kühlere Luft vom Atlantik nach Mitteleuropa schafft und dort auf die aufgeheizte Luft trifft. Wenn die Gewitter vorbei sind, heizt die Sonne die Luft aber wieder auf. Friedrich: "Dieses Spiel wiederholt sich alle zwei bis drei Tage."

  • Die Aussichten im Detail

Am Donnerstag halten sich vormittags im Osten und Südosten noch Wolken, und es kann einzelne Schauer und Gewitter geben. Danach dominiert aber auch hier wie im übrigen Bundesgebiet die Sonne. Das Thermometer erreicht bei meist nur schwachem Wind 25 Grad im Nordwesten und bis zu 32 Grad im Osten Brandenburgs.

Am Freitag werden es laut DWD im Nordwesten 28 bis 32 Grad, im Osten und Südosten tropische 32 bis 37 Grad. Im Tagesverlauf entwickeln sich vor allem im Südosten und Süden Quellwolken und im Bayerischen Wald, und an den Alpen können vereinzelt Gewitter auftreten.

Zu Beginn des Wochenendes schwitzen die Bewohner im Osten und Südosten Deutschlands den Vorhersagen des DWD zufolge weiter bei 30 bis 35 Grad. Im Westen und Nordwesten werden 25 bis 30 Grad erreicht. Im Westen soll es Schauer oder einzelne Gewitter geben.

siu/wit/dpa/apn/AFP



insgesamt 8 Beiträge
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pulzator, 14.07.2010
1. Ein abartiges Wetter ist das.
Wir Deutschen sind für sowas einfach nicht geschaffen. Nach fast 8 Monaten Kälte und Dunkelheit, wird man innerhalb weniger Wochen gar gegrillt. Sonne, Sommer, Wärme, blauer Himmel ist zwar schön, aber bitte bis max. 30°C und nachts unter 20°C. Eine frische Brise ist dabei gerne erlaubt. Ich freue mich jetzt schon auf den Herbst. Wenn es kalt ist ziehe ich eine Jacke an. Aber wie, wo, was soll man bitte bei 37°C tun?
schensu 14.07.2010
2. Mmh...
Zitat von sysopSommer der Extreme: Schwere Unwetter ziehen am Abend über große Teile Deutschlands, am Flughafen Frankfurt geht für eine Stunde gar nichts mehr. Die Bahn muss wegen zu großer Hitze erneut Fernzüge räumen - und eine Autobahn wird gesperrt, weil die Wärme die Bodenplatten aus der Erde drückt. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,706585,00.html
...so, so, die "Bodenplatten" also... Leute haltet die Häuser fest - Eure Fundamente wollen ins Freie. ;o) Hallo Spon, vielleicht mal ein paar Leute an technische Themen setzen, die wenigstens Grundkenntnisse haben?
pietro-del-cesare 14.07.2010
3. Kein Titel !!
Zitat von sysopSommer der Extreme: Schwere Unwetter ziehen am Abend über große Teile Deutschlands, am Flughafen Frankfurt geht für eine Stunde gar nichts mehr. Die Bahn muss wegen zu großer Hitze erneut Fernzüge räumen - und eine Autobahn wird gesperrt, weil die Wärme die Bodenplatten aus der Erde drückt. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,706585,00.html
Oh du lieber Gott, der Frankfurter Flughafen war für eine Stunde Lahmgelegt. Wie man das bloß verkraften soll?
hirsnemehism 14.07.2010
4. Tja,...
...gegen Physik ist man nun mal machtlos!
Nachgedacht, 15.07.2010
5. Sommer der Extreme
Zitat von sysopSommer der Extreme: Schwere Unwetter ziehen am Abend über große Teile Deutschlands, am Flughafen Frankfurt geht für eine Stunde gar nichts mehr. Die Bahn muss wegen zu großer Hitze erneut Fernzüge räumen - und eine Autobahn wird gesperrt, weil die Wärme die Bodenplatten aus der Erde drückt. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,706585,00.html
Ich komme beim besten Willen nicht drauf, was hier diskutiert werden soll. Der Sommer an sich? Qualitätsunterschiede von Bodenplatten? Oder vielleicht die extreme Fantasielosigkeit der SPON-Truppe, die aus jedem Pups 'nen Donnerschlag macht und aus einem warmen Sommer eine Klima-Katastrophe mit anschließendem Weltuntergang. tzzzz!
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