Sorge vor Dammbrüchen China lässt zehntausende Menschen in Sicherheit bringen

Felsbrocken blockieren den Lauf der Flüsse, das Wasser staut sich und riesige Seen entstehen, Dammbrüche drohen. In den Gefahrengebieten werden zehntausende Menschen in Sicherheit gebracht - aus Angst vor einer Katastrophe nach der Katastrophe.


Mianzhu - Im chinesischen Erdbebengebiet arbeiten Hunderte Soldaten und Ingenieure fieberhaft an einer riesigen Abflussrinne für einen anschwellenden Erdbeben-See. Dieser hatte sich gebildet, nachdem Erdrutsche den Jianhe-Fluss aufgestaut hatten.

Um eine neue Katastrophe nach einem Dammbruch zu verhindern, wurden bereits 30.000 Menschen aus der Umgebung des Tangjiashan-Sees in Sicherheit gebracht, 100.000 weitere sollen noch folgen, wie die Nachrichtenagentur Xinhua meldete.

Da der Bau der Abflussrinne unter Umständen zu lange dauern wird, bereiten Ingenieure auch die Sprengung des Sees vor. "Für die Menschen ist es besser, wenn sie sich wegen der Unannehmlichkeiten beschweren, die durch die Evakuierung entstehen, als dass sie nach einer möglichen Katastrophe Tränen vergießen", sagte Liu Ning vom Ministerium für Wasserressourcen. Die Behörden fürchten, der natürliche Damm werde den Massen nicht standhalten und brechen.

Der See sei mittlerweile auf mehr als 725 Meter angestiegen und damit nur noch 26 Meter unterhalb seiner niedrigsten Begrenzung. Täglich würde sich sein Pegel um zwei Meter erhöhen.

Das chinesische Militär hat schweres Gerät in das Katastrophengebiet fliegen lassen, da Straßen nicht passierbar sind. Das Dynamit soll auch verwendet werden, um den Weg für den Abflusskanal frei zu sprengen.

Mehr als zwei Wochen nach dem Erdbeben in der Provinz Sichuan wird die Zahl der Toten offiziell mit 65.080 angegeben, mehr als 23.000 Menschen werden immer noch vermisst. Verletzt wurden mehr als 360.000 Menschen. Vom Beben betroffen sind Schätzungen zufolge insgesamt rund 45 Millionen Menschen.

Das Politbüro der Kommunistischen Partei erklärte am Montag, die Lage sei weiterhin düster und die Hilfsarbeiten nach dem zerstörerischsten Erdbeben seit Jahrzehnten seien beschwerlich.

han/Reuters



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