Mutmaßliche Vorfälle in 20 Ländern In SOS-Kinderdörfern soll es zu Gewalt und Missbrauch gekommen sein

Eigene Untersuchungen der Organisation zeigen, dass es in SOS-Kinderdörfern Übergriffe gegeben hat. Eine unabhängige Kommission soll untersuchen, warum die betroffenen Kinder nicht gehört worden seien.
Missbrauch in SOS-Kinderdörfern: Offenbar Vorfälle in 20 Ländern

Missbrauch in SOS-Kinderdörfern: Offenbar Vorfälle in 20 Ländern

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

»Kindern ein sicheres Zuhause zu geben – das ist unsere Aufgabe«, heißt es auf der Internetseite der SOS-Kinderdörfer . Doch in mehreren Ländern soll genau das nicht der Fall gewesen sein: In SOS-Kinderdörfern betreute Kinder und Jugendliche in mehreren Staaten in Afrika und Asien sind der Organisation zufolge Opfer von Gewalt und sexuellem Missbrauch geworden.

Untersuchungen, die bereits seit drei Jahren liefen, hätten Vorfälle in 20 Ländern zutage gebracht, gab die österreichische Teilorganisation bekannt. Es gebe 22 untersuchte Fälle in 50 Einrichtungen zwischen den Neunzigerjahren und der jüngsten Vergangenheit, gab SOS-Kinderdorf-Sprecher Boris Breyer in München bekannt.

Die internationale Dachorganisation nannte in einer Stellungnahme  keine Details zur Zahl der Opfer, den betroffenen Ländern und den Übergriffen. Sie sprach allerdings nicht nur von Missbrauch, sondern auch von Korruption, zweckentfremdeten Geldern und anderen Regelverstößen.

»Im Namen des Verbandes entschuldige ich mich bei den Kindern und Jugendlichen, denen Schaden zugefügt wurde«, sagte Ingrid Maria Johansen, die Vorsitzende des Dachverbands SOS Children's Villages International.

Unabhängige Kommission soll Vorfälle untersuchen

Eine unabhängige Kommission werde untersuchen, wie es zu den Vorfällen gekommen sei. Zudem werde ein Unterstützungsfonds für Opfer eingerichtet. Bereits Ende April wurde dem Führungsgremium der Organisation ein vorläufiger Bericht präsentiert. »Der vorliegende Untersuchungsreport legt nahe, dass Berichte über Missbrauch nicht ausreichend ernst genommen wurden, Kindern und Zeugen nicht geglaubt wurde und Täter nicht zur Rechenschaft gezogen wurden«, sagte Breyer. Der Sprecher schloss personelle Konsequenzen nicht aus und kündigte noch stärkere Kontrollmechanismen an

SOS-Kinderdorf will vor allem Kindern helfen, deren Eltern wegen Armut oder familiärer Gewalt nicht für sie sorgen können. In 137 Ländern beherbergt die Organisation eigenen Angaben zufolge  65.000 Kinder und unterstützt weitere 347.000 Menschen mit sozialen Programmen. Laut dem jüngsten Jahresbericht beliefen sich die Einnahmen aus Spenden und staatlichen Hilfsgeldern im Jahr 2019 auf 1,4 Milliarden Euro.

ptz/dpa
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