Rechtsstreit in Spanien Kinder der roten Herzogin bekommen einen Erbteil

Die spanische Herzogin von Medina-Sidonia hatte ihr gesamtes Vermögen einer Stiftung vermacht, die von ihrer Witwe geleitet wird. Ihre drei Kinder fühlten sich um das Erbe betrogen - und erzielten vor Gericht nun einen Teilerfolg.

Herzogin Luisa Isabel Álvarez de Toledo (1969): Aufarbeitung des herzöglichen Familienarchivs war ihre Lebensaufgabe
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Herzogin Luisa Isabel Álvarez de Toledo (1969): Aufarbeitung des herzöglichen Familienarchivs war ihre Lebensaufgabe


Die Kinder von Spaniens "roter Herzogin" Luisa Isabel Álvarez de Toledo (1936-2008) haben in einem Prozess um das Erbe eines der bedeutendsten spanischen Adelshäuser mehrere Millionen Euro zugesprochen bekommen. In dem Rechtsstreit ging es um ein Schloss und um das vielleicht größte Privatarchiv in Europa, das die Herzogin von Medina-Sidonia einer Stiftung vermacht hatte.

Ein Gericht in Sanlúcar de Barrameda in Südspanien entschied am Freitag, dass die Stiftung den zwei Söhnen und der Tochter der Aristokratin für deren Erbanteil eine Summe von rund 33,5 Millionen Euro zahlen müsse. Die Stiftung darf aber das Archiv weiterbetreiben.

Das Archiv, das offiziell als Kulturgut anerkannt ist, umfasst sechs Millionen historische Schriftstücke, die im herzöglichen Palast in Sanlúcar de Barrameda untergebracht sind. Das älteste stammt aus dem Jahr 1228. In inoffiziellen Schätzungen war am Rande des Prozesses von einem Wert von mehr als 60 Millionen Euro die Rede.

Die Stiftung wird von der aus Deutschland stammenden Historikerin Liliane Dahlmann geleitet. Dahlmann war mehr als zwei Jahrzehnte lang die Lebensgefährtin der Aristokratin. Die Herzogin starb im März 2008 im Alter von 71 Jahren an einem Lungenleiden. Wenige Stunden zuvor hatten die beiden Frauen geheiratet.

Zu ihren Kindern soll Álvarez de Toledo zu Lebzeiten kein gutes Verhältnis gehabt haben. Die Adlige, die wegen ihrer Gegnerschaft zur Franco-Diktatur "rote Herzogin genannt wurde, kam für die Unterstützung protestierender Landarbeiter acht Monate in Haft. Als ihr nach der Freilassung wegen eines Romans mit dem Titel "Huelga" (Streik) eine erneute Inhaftierung drohte, ging sie ins Exil nach Frankreich. Ihre Kinder wuchsen bei Verwandten auf.

Bei der Hochzeit des ältesten Sohnes lernte die rote Herzogin dann Dahlmann kennen, beide Frauen machten die Aufarbeitung des herzöglichen Familienarchivs zu ihrer Lebensaufgabe.

sun/dpa



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