Globales Problem der katholischen Kirche Spaniens Justiz untersucht Kindesmissbrauch durch Geistliche

Man wolle erreichen, dass »so etwas nie wieder passiert«: Die spanische Justiz will Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche aufarbeiten. Dafür sollen nun Verdachtsfälle zusammengetragen werden.
Generalstaatsanwältin Dolores Delgado: Verdachtsfälle zusammentragen

Generalstaatsanwältin Dolores Delgado: Verdachtsfälle zusammentragen

Foto: Isabel Infantes / dpa

Die spanische Justiz will zahlreichen Fälle von mutmaßlichem Kindessmissbrauch in der katholischen Kirche untersuchen. Generalstaatsanwältin Dolores Delgado habe die regionalen Staatsanwaltschaften bereits angewiesen, alle Verdachtsfälle und Anzeigen zusammenzutragen und innerhalb der nächsten zehn Tage nach Madrid zu schicken, berichten unter anderem der staatliche Fernsehsender RTVE  und die Zeitung »El País«  unter Berufung auf Justizkreise.

Eine offizielle Mitteilung dazu gibt es bislang zwar nicht. Der Radiosender Cadena Ser  zitierte aber einen Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft mit den Worten, man werde »die Opfer zu Wort kommen lassen« und in jenen Fällen, in denen aufgrund der Verjährungsfrist keine Strafverfolgungsmaßnahmen ergriffen werden könnten, »eine opferorientierte Justiz anwenden«. Man wolle erreichen, dass »so etwas nie wieder passiert«.

Vor rund neun Monaten hatte die katholische Kirche in Spanien erstmals Daten über Fälle von Kindesmissbrauch offengelegt. Die Bischofskonferenz teilte damals mit, seit 2001 habe es insgesamt 220 erfasste Fälle von sexuellem Missbrauch durch Geistliche gegeben. Bei 151 Fällen sei die interne Untersuchung bereits abgeschlossen, hieß es. Weitere Details, wie die Zahl der Opfer oder Angaben zu Tätern oder Tatorten, wurden nicht enthüllt.

Unzureichende Aufarbeitung

In Spanien hatte die Generalstaatsanwaltschaft bereits 2019 gewarnt, dass die Maßnahmen der Kirche zur Aufdeckung und Vermeidung von sexuellem Kindesmissbrauch »unzureichend« seien. Die Kirche wurde damals aufgefordert, jeden Verdacht ohne »interne Überprüfungen oder Filter« vor Gericht zu bringen.

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Inwieweit die Aufarbeitung von Missbrauchsskandalen der Kirche überlassen werden soll, führt nicht nur in Spanien zu Debatten. Am Montag betonte die Bundesregierung, dass es bei der Aufklärung mutmaßlicher Missbrauchsfälle im katholischen Erzbistum München und Freising kein kirchliches Sonderrecht geben werde.

In einem vom Erzbistum selbst in Auftrag gegebenen Gutachten ist von mindestens 497 Opfern und 235 mutmaßlichen Tätern und einer großen Dunkelziffer die Rede.

ptz/dpa
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