Jahrhundertwinter in Spanien Starker Frost – Madrid versinkt weiter im Schnee

Auf den schwersten Wintersturm seit 50 Jahren folgen nun noch tiefere Temperaturen: Nach den Schneemassen macht nun vor allem die klirrende Kälte Madrid zu schaffen.
Schneemassen in Madrid: Kontinentales Klima führt zu kalten Wintern in Spaniens Hauptstadt

Schneemassen in Madrid: Kontinentales Klima führt zu kalten Wintern in Spaniens Hauptstadt

Foto: Pablo Blazquez Dominguez / Getty Images

Große Teile Spaniens haben weiter mit den Folgen des Wintereinbruchs zu kämpfen. Die Hauptstadt Madrid kehrt nach dem »Jahrhundert-Schnee« und bei klirrender Kälte nur langsam zur Normalität zurück. Auch am Montag war selbst auf Hauptstraßen wie etwa der Atochastraße im Stadtzentrum meist nur eine Fahrspur geräumt, während Gehwege gefährlichen Eispisten glichen. Die Verwaltung der Region verteilte nach eigenen Angaben bislang 277 Tonnen Streusalz an die Straßenreinigungen.

Die wenigen Menschen, die ihr Haus etwa für Einkäufe verließen, gingen auf den Fahrbahnen, auf denen ohnehin kaum Autos unterwegs waren. Stadtbusse verkehrten weiterhin nicht und viele Menschen konnten nicht zur Arbeit kommen. Da auch Lastwagen vielerorts nicht durchkamen, wurde mit Versorgungsengpässen gerechnet.

Die Behörden riefen die Menschen dazu auf, weiterhin zu Hause zu bleiben. Mit gutem Grund: Vor allem im besonders betroffenen Madrid knickten am Wochenende unter der Last des Schnees immer wieder große Bäume um. Die Behörden warnten, wegen der in den nächsten Tagen weiter sinkenden Temperaturen könnten sich auf Dächern liegende Schneemassen in schwere, gefährliche Eisblöcke verwandeln.

Minus 35,8 Grad

Das Sturmtief »Filomena« hatte die Millionenmetropole am Freitag und Samstag mit den heftigsten Schneefällen seit Jahrzehnten komplett lahmgelegt. Es fielen bis zu 60 Zentimeter Schnee. Auch in anderen Regionen Zentral- und Ostspaniens schneite es heftig. Landesweit starben mindestens vier Menschen.

Auch die Schulen, die in Madrid nach den Weihnachtsferien eigentlich am Montag wieder mit dem Präsenzunterricht beginnen wollten, sollten bis mindestens Mittwoch geschlossen bleiben. Kindergärten, Schulen, Museen, Bibliotheken und andere Kultureinrichtungen durften ebenfalls nicht öffnen.

Relativ strenge Winter sind in Madrid eigentlich nicht ungewöhnlich. Die Stadt liegt rund 650 Meter über dem Meeresspiegel und mehr als 300 Kilometer vom Meer entfernt, hat also ein eher kontinentales Klima. Aber auf solche Schneemassen wie am Wochenende und für die angekündigte Kältewelle mit bis zu zehn Grad unter null sind weder die Behörden noch die Menschen in ihren oft unzureichend isolierten Wohnungen vorbereitet.

Besondere Wetterlage

»Mit Klimawandel hat das absolut nichts zu tun«, sagte Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst. Verantwortlich für die ungewöhnlichen Schneemengen in Madrid und anderen Orten im spanischen Hochland sei vielmehr eine besondere Wetterlage. »Wir haben derzeit eine Umdrehung der normalen Strömungsverhältnisse in Europa«, sagte Friedrich.

Die Luftströmungen kommen aus dem Osten, sodass kalte Luft aus Südrussland Spanien erreiche und nicht die üblichen wärmeren Luftströmungen aus dem Westen. Ein Tief, das südlich von Spanien vorbeigezogen sei, habe kalte Luftmassen mit sich gebracht. Als diese sich unter wärmere Luftmassen schoben, sei es zu starken Niederschlägen gekommen.

»Filomena« sorgte auch für einen Rekord: In Vega de Liordes in der Provinz León – rund 400 Kilometer nördlich von Madrid – wurde schon am Donnerstag mit minus 35,8 Grad laut Meteorologen die tiefste Temperatur verzeichnet, die jemals in Spanien gemessen wurde.

wit/dpa/AFP