Spekulationen über Safra-Mord War die russische Mafia am Werk?

Einer der reichsten Männer der Welt, der Bankier Edmond Safra, ist tot: Er kam nach einem Raubüberfall und einem Feuer in seiner Luxuswohnung in Monte Carlo ums Leben. In Bankenkreisen wurden Spekulationen laut, nach denen es sich um ein Verbrechen im Auftrag der russischen Mafia handelte.


Monte Carlo: Die Flammen fraßen sich durch das Dach in Edmond Safras Wohnung
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Monte Carlo: Die Flammen fraßen sich durch das Dach in Edmond Safras Wohnung

Paris/London - Nach dem rätselhaften Tod des libanesischen Milliardärs Edmond Safra in Monaco ging die Suche nach zwei mutmaßlichen Tätern am Samstag weiter. Die Unbekannten waren maskiert und mit Messern bewaffnet am frühen Freitagmorgen in die Wohnung des Milliardärs an der Cote d'Azur eingedrungen und hatten einen Pfleger des 67-Jährigen niedergestochen. In einem anschließend ausgebrochenen Feuer kamen Safra und seine Krankenschwester ums Leben.

Die britische Wirtschaftszeitung "Financial Times" berichtete, Safras Republic National Bank of New York habe in den vergangenen Jahren eng mit den US-Behörden bei der Bekämpfung der Geldwäsche zusammengearbeitet. Möglicherweise handele es sich bei dem Tod des Milliardärs um eine Art Bestrafungsaktion.

Die monegassische Polizei prüft nun, wie die Unbekannten überhaupt in Safras Wohnung im Geschäftspalast "Belle Epoque" eindringen konnten, der als äußerst gut bewacht gilt. Erstaunt sind die Ermittler auch darüber, dass kein "richtiger" Leibwächter in der Nähe des Milliardärs war. Für Monacos Generalstaatsanwalt Francois Serdet hängt "alles von der Aussage des Pflegers ab", der von den Eindringlingen mit einem Messer verletzt worden war. Die Autopsie des Milliardärs und der Krankenschwester ergaben, dass sie im Rauch erstickt sind.

Das nach dem Überfall ausgebrochene Feuer war durch das Dach in die 800 Quadratmeter große Maisonette-Wohnung eingedrungen. Safras brasilianische Ehefrau Lily hatte sich vor den Flammen in einen entlegenen Teil der Wohnung geflüchtet.

Dem Bericht der "Financial Times" zufolge hatte die US-Bundespolizei FBI erst am 5. August dem Geschäftsführer von Safras Republic National Bank, Dov Schlein, schriftlich für die Hilfe der Bank bei den Ermittlungen gegen russische Geldwäscher gedankt. Seit 1997 habe die Bank ihre Vorkehrungen gegen Geldwäscher verstärkt. Der Manager der Europa-Holding Safras, Leigh Robertson, wird von der Zeitung mit den Worten zitiert: "Im August haben wir etwas Ungewöhnliches in einem unserer Konten bemerkt und die US-Behörden informiert." Die Bank habe in diesem Jahr eine Reihe von russischen Konten geschlossen, hieß es. "Wenn man in einem Geschäft wie dem Safras arbeitet, dann mischt sich die High Society irgendwann mit den niedrigeren, kriminellen Kunden", zitierte die "Financial Times" einen Ermittler.

Safra wollte seine Bank in schwierigen Verhandlungen für 10,3 Milliarden Dollar (knapp 20,2 Milliarden Mark) an die britische Gruppe HSBC verkaufen.



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