Sperrzone um Fukushima Wie weit ist weit genug?

Hunderte Menschen weigern sich, das Sperrgebiet um das havarierte AKW Fukushima zu verlassen. Eine Ausweitung der Zone hat Japan bisher stets abgelehnt. Eine solche Operation wäre eine immense Herausforderung - wie eine interaktive Grafik zeigt.

In Sicherheit gebrachte Einwohner der Region Fukushima: Widersprüche über Radius
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In Sicherheit gebrachte Einwohner der Region Fukushima: Widersprüche über Radius

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Hamburg - Iitate ist der Grenzfall. 40 Kilometer liegt die Kleinstadt vom havarierten Kraftwerk Fukushima entfernt. Diese Distanz machte den 6000-Einwohner-Ort zum Mittelpunkt der Debatte über die Evakuierungszone. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) führte Strahlenmessungen in Iitate durch, Greenpeace auch, und beide Organisationen forderten daraufhin zumindest eine teilweise Evakuierung der Stadt. Doch Japans Regierung wiegelt stets ab, eine Gefahr für die Gesundheit bestehe nicht.

Seit Beginn der atomaren Katastrophe in Fukushima wird über die Evakuierungszone gestritten. Offiziell hat sie einen Radius von 20 Kilometern, im Umkreis von 30 Kilometern sollten die Menschen entweder in ihren Häusern bleiben oder die Gegend freiwillig verlassen - so die Empfehlung der japanischen Regierung. Greenpeace plädiert für eine Ausweitung auf 40 Kilometer. Und die amerikanische Atomaufsicht, die zunächst eine Evakuierung eines Gebiets von 80 Kilometern gefordert hatte, sagt mittlerweile laut der japanischen Zeitung "Asahi": 20 Kilometer seien eine sichere Entfernung.

Wie viele Menschen leben in den Regionen um das AKW Fukushima? Wo wären die meisten Einwohner von einer Ausweitung der Evakuierungszone betroffen? Wo befinden sich Niederlassungen wichtiger Unternehmen? Alle Informationen finden Sie in der Grafik:

Die Widersprüche über einen sicheren Sperrzonenradius verunsichern die Menschen in Iitate, auf einem Infoblatt im Gemeindebüro werden sie über die aktuellen Strahlenwerte informiert. "Natürlich machen sich hier alle Sorgen", sagte ein Gemeindemitarbeiter Anfang April. "Aber die Leute wissen nicht, ob sie gehen oder bleiben sollen." Am Montagabend bekräftigte die japanische Atomsicherheitsbehörde noch einmal, dass die Evakuierungszone nicht ausgeweitet wird. "Das heißt aber nicht, dass wir es nicht in Zukunft tun werden", sagte der stellvertretende Direktor Koichiro Nakamura.

Doch eine Evakuierung ist schwierig umzusetzen - vor allem unter den chaotischen Bedingungen nach dem Tsunami. Noch immer halten sich Menschen im Umkreis von 20 und 30 Kilometern um das AKW Fukushima auf. Mal ist von ein paar Dutzend die Rede, mal von Hunderten oder gar Tausenden, die ihre Häuser nicht verlassen wollen oder können. Die Angaben aus dem Katastrophengebiet schwanken häufig.

Fest steht: Je größer die atomare Sperrzone, desto größer die logistische Herausforderung. Die Betroffenen müssen zu anderen Orten transportiert, dort untergebracht und verpflegt werden. Vor allem bei einer Ausweitung auf mehr als 40 Kilometer käme ein gewaltiger Aufwand auf Japan zu. Denn dann wären nach den kleineren Orten in Küstennähe auch Großstädte und zahlreiche Industrien betroffen.

Mit Material von dpa



insgesamt 50 Beiträge
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mborevi 05.04.2011
1. 200 bis 500 km ...
... Sperrzone wäre ein an der Gesundheit der Menschen orientierter Kompromiss. Einen absolut sicheren Abstand gibt es allerdings nicht, wie nach Tschernobyl zu sehen war: Selbst im Lappland in mehr als 4000 km Entfernung waren die Rentiere noch so verseucht, dass das Fleisch nicht verwertet werden konnte. Erschwerend kommt hinzu, dass in Japan viel radioaktives Material ins Meer gelangt, wo es länger als an Land die Nahrungsketten belastet und sich im Fisch schließlich hochangereichert ansammelt.
maipiu 05.04.2011
2. Vor allem jüngere sind sehr gefährdet
Meiner Meinung nach sollte niemand gezwungen werden, die Gegend zu verlassen. Man sollte die Leute aber genau über die Folgen informieren, vor allem jüngere Menschen und Kinder sollten mindestens 40 km weit weg sein. Bei älteren Menschen ist es nicht mehr so wichtig, weil sich die Zellen bei ihnen eh langsamer teilen und die Strahlenbelastung darum nicht sooo gefährlich ist wie bei jungen Leuten. Es kommt mir so vor, als seien die Japaner ziemlich überfordert mit den Katastrophen - es sind ja mindestens drei. Wobei Erdbeben und Tsunami alleine schon entsetzlich sind. Wenn sie sich nicht helfen lassen wollen, muss man das akzeptieren.
Elektrikern, 05.04.2011
3. Hallo SPON !
Zitat von sysopHunderte Menschen weigern sich, die Sperrzone*um das havarierte AKW Fukushima zu verlassen. Eine Ausweitung der Evakuierungszone hat Japan bisher stets abgelehnt. Eine solche Operation wäre eine immense Herausforderung - wie eine interaktive Grafik zeigt. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,754440,00.html
Bitte eine Grafik mit den 40km Sperrzonen um alle deutschen AKWs und einer Liste der dann betroffenen deutschen Industrien... Könnte es sein, dass man dann in Gesamt-Deutschland das Licht ausmachen müsste?
lceilers 05.04.2011
4. Trend zum Drittwohnsitz?
Laut Infografik leben in Fukushima-City 292.000 Leute in 720.000 Haushalten. Mindestens eine Zahl kann ja wohl nicht stimmen.
leberknecht 05.04.2011
5. sperrzone hin und her
Zitat von sysopHunderte Menschen weigern sich, die Sperrzone*um das havarierte AKW Fukushima zu verlassen. Eine Ausweitung der Evakuierungszone hat Japan bisher stets abgelehnt. Eine solche Operation wäre eine immense Herausforderung - wie eine interaktive Grafik zeigt. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,754440,00.html
ich finde das alles albern!wenn die ARD/ZDF die feuerwehrleute im gespräch zeigt ,ist doch alles gut. sie haben berichtet ,wie schön man am reaktor mit wasserwerfern arbeiten kann und der doktor bestätigt ihre vollständige gesundheit.es gibt vielleicht gar keinen gau. und wenn die japaner noch taschenlampen brauchen,da schicke ich welche.da sieht man besser im reaktor!
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