Brutale Netflix-Serie Kitakinder ahmen Spiele aus »Squid Game« nach

Offenbar lassen Eltern selbst kleine Kinder »Squid Game« schauen. In einer Kita in Schleswig-Holstein spielten Kinder einem Zeitungsbericht zufolge nun Szenen der brutalen Serie nach. Erzieherinnen sind alarmiert.
Darsteller aus »Squid Game«: Albträume, Ängste und psychische Probleme

Darsteller aus »Squid Game«: Albträume, Ängste und psychische Probleme

Foto: Youngkyu Park / Netflix / AP

In der Netflix-Serie »Squid Game« treten mehr als 450 verschuldete Menschen in Kinderspielen gegeneinander an. Die Teilnehmer sterben entweder während der Spiele oder die Verlierer werden getötet. Nachdem bereits Kinder an Schulen die Spiele nachgeahmt und sich dabei Ohrfeigen gegeben haben sollen, ist die Serie einem Zeitungsbericht zufolge nun auch in einer Kita angekommen.

In einer Kita mit angeschlossenem Hort in Pinneberg bei Hamburg haben Kinder demnach Spiele aus der Serie nachgespielt. In einem Brief an die Eltern habe der zuständige Ansprechpartner der Kita vor der Serie gewarnt. Sie sei »brutal, gewaltverherrlichend und insbesondere für Kinder verstörend«, zitiert der schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag aus dem Schreiben. 

Albträume, Ängste und psychische Probleme könnten die Folge sein. »Deshalb unser dringender Aufruf: Lasst eure Kinder nicht diese Serie sehen. Auch nicht, wenn ihr dabei seid.« Die Serie ist mit der Altersfreigabe FSK 16 versehen. Dem Bericht zufolge waren Kita-Erzieherinnen aufmerksam geworden, als sich die Kinder am Ende eines Spiels gesagt hätten: »Ich töte dich«.

»Ihr fügt euren Kindern seelischen Schaden zu, wenn ihr sie Derartiges sehen lasst«, warnt der für die Elternarbeit zuständige Ansprechpartner in dem Schreiben.

Eine Kitasprecherin sagte der Nachrichtenagentur dpa, es gehe um fünf- bis sechsjährige Kinder in Vorschulklassen und um Schulkinder bis 13 Jahre im Hortbereich. Sie verlangte von den Eltern mehr Verantwortung. »Hier sind Eltern gefordert, eine Schranke zu setzen für ihre Kinder.« Kinder könnten die Brutalität und den in der Serie dargestellten gnadenlosen Konkurrenzkampf nicht verarbeiten. Es sei klar, dass auch kleinere Kinder Hintergrundwissen hätten und wohl mit Eltern oder größeren Geschwistern die Serie gesehen hätten. Die Kita suche nun das Gespräch mit den Eltern.

Die südkoreanische Serie »Squid Game« ist die bisher erfolgreichste Netflix-Produktion mit den höchsten Zuschauerzahlen – 111 Millionen in nur 27 Tagen. Die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Simone Fleischmann, hatte der Nachrichtenagentur dpa gesagt: »Lehrerinnen und Lehrer haben berichtet, dass diese Serie auch an ihren Schulen nachgespielt wird.«

Zwar spielten Kinder und Jugendliche auch andere Serien oder Computerspiele immer wieder nach, das sei ganz normal. »Aber das hat schon eine neue Qualität, und es sorgt für Aufregungen«, sagte sie.

In Augsburg soll es wegen der Serie bereits zu Auseinandersetzungen unter Schülerinnen und Schülern gekommen sein, berichtet der Bayerische Rundfunk . »Wir beobachten, dass Kinder die Spiele aus der Serie nachspielen. Dabei werden dann Schüler geohrfeigt oder beschimpft«, sagte Michaela Zipper, medienpädagogische Beraterin des Schulamts, dem Sender.

Einladungskarten für die Serie auf Schulhöfen aufgetaucht

Die Polizei Schwaben Nord sagte dem SPIEGEL, dass in Augsburg Einladungskarten für die Serie auf Schulhöfen aufgetaucht seien. Darauf war ein QR-Code abgedruckt, der zu einer Website führte. Auf der Website war ein Countdown zu sehen. »Die Kinder hatten Angst, dass nach dem Ablauf des Countdowns etwas Schlimmes passieren könnte«, sagte ein Sprecher der Polizei.

Polizisten konnten vier Heranwachsende ausfindig machen, die den Countdown erstellt hatten. Sie wollten damit offenbar mehr Follower für ihre Social-Media-Profile erhalten. Nun droht ihnen ein Bußgeld, weil sie ihre Website nicht mit einem Impressum versehen hatten.

Auch in England warnen Schulen vor der Serie, wie die BBC berichtet. Ein Lehrer sagte, die Serie sei völlig ungeeignet für Grundschulkinder. Ein anderer Lehrer sagte dem Sender zufolge , er habe schon Sechsjährige über die Serie reden hören. Eltern müssten darauf achten, dass Kinder die Serie nicht sehen können. Sie sollten daher die Sicherheitsfunktionen an ihren Fernsehern und iPads überprüfen. In New York haben die Leitungen von mehreren Grundschulen verboten, dass sich die Kinder an Halloween wie Figuren aus der Serie verkleiden, wie CBS meldet. 

Bereits Anfang Oktober hatte die Leitung einer belgischen Schule auf Facebook darüber informiert, dass das Spiel an der Schule nachgeahmt und die Schülerinnen und Schüler geschlagen würden.

kha/dpa
Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.