Standesamt Ehe mit 14-jähriger Türkin verboten

"Rechtlich nicht zulässig": Das Koblenzer Standesamt hat die geplante Hochzeit zwischen einem Deutschen, 33, und einer minderjährigen Türkin abgelehnt.


Koblenz - Gegen seine Entscheidung könnten die Verlobten allerdings vor dem Amtsgericht klagen, sagte Wolfgang Kellner, Sprecher des Standesamtes. Ob sie dies tun werden, wisse er nicht.

Bei gemischt-nationalen Ehen gelten nach Auskunft Kellners für jeden Verlobten jeweils die Gesetze des Heimatstaates. Nach türkischem Recht könnte die 14-Jährige tatsächlich heiraten, da ein Amtsgericht ihrer Heimat ihr eine Ausnahmegenehmigung von der dortigen Altersgrenze von 15 Jahren für Eheschließungen erteilt habe.

Bei seiner Ablehnung beruft sich das Standesamt auf den Artikel 6 des Einführungsgesetzes des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB). Demnach ist eine Rechtsnorm eines anderen Staates "nicht anzuwenden, wenn ihre Anwendung zu einem Ergebnis führt, das mit wesentlichen Grundsätzen des deutschen Rechts offensichtlich unvereinbar ist". Nach den deutschen Gesetzen dürfen Jugendliche frühestens mit 16 Jahren heiraten, allerdings nur mit Zustimmung des gesetzlichen Vertreters.

Der bundesweit aktive Verein "Solidarität mit Frauen in Not" (Solwodi) mit Hauptsitz im rheinland-pfälzischen Boppard hatte zuvor die geplante Eheschließung als "schockierend" bezeichnet. Nach Ansicht der Vereinsvorsitzenden Lea Ackermann ist es "eine Verletzung der Menschenrechte, Kinder zu verheiraten". Die junge Türkin halte sich mit einem Touristenvisum in der Bundesrepublik auf und spreche kein Deutsch.



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