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Start- und Landeverbote Aschewolke behindert Flugverkehr über Deutschland

Flugstopp in Norddeutschland, Einschränkungen in Frankfurt und auch der Luftraum über Berlin wird gesperrt: Die Aschewolke aus Island wirbelt den Flugverkehr durcheinander. Airlines äußern heftige Kritik am Sinn der Start- und Landeverbote. Der Airport in Hamburg soll mittags wieder geöffnet werden.

Hamburg - Am Mittwochmorgen legte die Aschewolke aus dem isländischen Vulkan Grímsvötn den Flugverkehr lahm. Ab 11 Uhr gilt auch ein Flugverbot für die Berliner Flughäfen. Das teilte die Deutsche Flugsicherung am Mittwochmorgen in Langen mit.

Demnach dürfen auch die Flughäfen in Bremen und Hamburg weiterhin nicht angeflogen werden. (Aktuelle Informationen auf der Website der Deutschen Flugsicherung  und der Berliner Flughäfen )

In Hamburg soll das Verbot am Mittag wieder aufgehoben werden.

Der Luftraum über Bremen war zunächst bis 9 Uhr gesperrt worden. Wie lange die Sperrung danach aufrechterhalten bleibt, entscheide die Deutsche Flugsicherung, sagte ein Sprecher. In Bremen gibt es den Angaben zufolge rund hundert Starts und Landungen pro Tag. (Informationen Flughafen Bremen) 

Vom Flughafen Hamburg hieß es, es sei noch nicht absehbar, wie viele Flüge von der Sperrung betroffen sind. Regulär gebe es pro Tag 453 Starts und Landungen. Den Passagieren werde empfohlen, sich mit ihrer Airline in Verbindung zu setzen. (Informationen Flughafen Hamburg) 

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Aschewolke: Flugverbot an europäischen Airports

Foto: dapd

Die Lufthansa rechnete für Mittwoch mit der Streichung von rund 150 Flügen, wie ein Konzernsprecher sagte. Die Flughäfen in Hamburg und Bremen würden voraussichtlich bis zum Nachmittag geschlossen bleiben. (Fluginformationen der Lufthansa) 

Am Frankfurter Flughafen wurden am Mittwoch zunächst bis 14 Uhr nur die Verbindungen in die seit dem Morgen gesperrten Flughäfen Bremen und Hamburg annulliert. Nach Auskunft des Flughafens waren von dieser Maßnahme 20 Flüge betroffen. An den Lufthansa-Schaltern für die betroffenen Flüge standen am frühen Mittwochmorgen nur wenige Fluggäste. Sie wurden mit Zugtickets entschädigt. Andere große Flughäfen wie Düsseldorf oder München bekommen laut Deutscher Flugsicherung keine Flugverbote.

In Großbritannien hatte die Aschewolke des Grímsvötn schon am Dienstag zu zahlreichen Flugausfällen geführt. In Schweden wurden am Abend zehn Inlandsflüge gestrichen. Die Luftverkehrsbehörde erklärte, über der Westküste werde eine mittelstarke Aschekonzentration erwartet, darunter auch über der zweitgrößten Stadt Göteborg. In ganz Europa fielen bereits 500 Flüge aus.

Erst im vergangenen Jahr hatte der Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull wochenlang Flugreisende in Atem gehalten - damals mussten Tausende Flüge gecancelt werden.

Bundesverkehrsminister zuversichtlich

Ob sich die Situation so wie damals zuspitzen wird, ist noch ungewiss. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) zeigte sich am Mittwoch nach Gesprächen mit Experten des Deutschen Wetterdienstes und der Deutschen Flugsicherung zuversichtlich: Er rechnet mit einer Aufhebung des Flugverbots schon am Mittwochnachmittag. Die Lage an den Flughäfen in Norddeutschland werde sich entspannen, sagte Ramsauer im ARD-"Morgenmagazin". Da komme wohl "nichts Nennenswertes nach", fügte er hinzu.

Der Verkehrsminister sieht eine "solide rechtliche Basis" für die wegen der Aschewolke angeordneten Flugverbote. Seit April vergangenen Jahres, als bereits eine Aschewolke den europäischen Flugverkehr lahmgelegt hatte, sei ein "sehr verfeinertes Regelwerk" entwickelt worden, sagte Ramsauer.

Andere europäische Länder schlössen sich inzwischen dem deutschen Vorgehen an, wonach bei mehr als zwei Milligramm Asche pro Kubikmeter Luft nicht mehr geflogen werde. "Sicherheit steht an oberster Stelle", betonte Ramsauer. Er werde auf dem Weltverkehrsforum in Leipzig auf Amtskollegen aus der ganzen Welt treffen und dort erneut auf eine einheitliche europäische Regelung zu Flugverboten dringen.

Der von der Regierung in Reykjavik gebildete Krisenstab teilte am Dienstagabend mit, die Wolke sei auf eine Höhe von 2000 Meter gesunken und damit für den Flugverkehr nicht mehr gefährlich. Die einzige Gefahr komme nun von der alten Vulkanasche, die sich noch in der Luft befinde, sagte ein Sprecher. "Wenn es so zugeht wie bei den bisherigen Vulkanausbrüchen, müsste es zum Wochenende hin vorbei sein." Allerdings sei das sehr schwer einzuschätzen.

Ryanair kritisiert Flugverbote über Schottland

Die irische Fluggesellschaft Ryanair hat die Einschätzung der britischen Behörden angezweifelt, wonach die durch den Vulkanausbruch in Island ausgelöste Aschekonzentration über Schottland zu hoch für den Flugverkehr sei. Die Airline habe eine eigene Maschine in den schottischen Luftraum entsandt und keine Asche in der Atmosphäre gefunden, teilte Ryanair am Dienstag mit.

"Genauso, wie wir vorausgesagt haben, sind wir auf absolut keine Probleme gestoßen", sagte Ryanair-Chef Michael O'Leary. Der Flugverkehr über Schottland hätte nicht eingeschränkt werden dürfen. Auf Druck der irischen Behörden hatte Ryanair alle 68 Flüge aus und nach Schottland für den Rest des Dienstags gecancelt.

Die Fluggesellschaft British Airways (BA) setzte laut eigenen Angaben einen Airbus A320 ein, der das von der Vulkanasche aus Island ausgehende Risiko für den Flugverkehr klären soll. Die Maschine sei am Dienstagabend für einen Überprüfungsflug nach Schottland geschickt worden, teilte BA mit. (Fluginformationen von British Airways) 

Deutsche Forscher sollen Aschewolke untersuchen

Derweil bereiten Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) die Sammlung von Daten über die Aschewolke vor. Mit dem Referenzmessflugzeug Falcon 20E wollen die Experten mitten in die Aschewolke des Grímsvötn vordringen. Am Sonntag oder Montag soll die Maschine starten. Bereits jetzt werten Mitarbeiter seines Teams Satellitendaten der Aschewolke für den Deutschen Wetterdienst (DWD) aus. "Wir machen längerfristige Vorausberechnungen und treffen Aussagen, die wir den Meteorologen zur Verfügung stellen", sagte ein Sprecher.

Das DLR-Forschungsflugzeug hatte bereits vor einem Jahr Flüge über Island absolviert. In einer Entfernung von rund 200 Kilometern zum Vulkan war die Aschewolke in sechs Kilometern Höhe mehrfach überflogen worden. Es gab dabei Messungen mit dem Instrument Lidar, das mit Laserstrahlen die Konzentration der Staubpartikel in der Aschewolke messen kann. Die Messdaten waren neben dem DWD auch dem Vulkan-Asche-Zentrum (VAAC) in England zur Verfügung gestellt worden.

ala/dpa/AP/dapd