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05. Oktober 2004, 16:39 Uhr

Statistisches Jahrbuch 2004

Bundesbürger verbringen täglich zwei Stunden vorm Fernseher

Den Mitarbeitern des Statistischen Bundesamtes entgeht nichts, was in deutschen Haushalten geschieht. In ihrem neuen Jahrbuch haben die staatlichen Erbsenzähler alles aufgelistet - von der durchschnittlichen Fernsehzeit bis zu der Anzahl der Handys.

Gebäude des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden: Den deutschen Tagesablauf minutiös durchleuchtet
DPA

Gebäude des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden: Den deutschen Tagesablauf minutiös durchleuchtet

Berlin - Jeder Bundesbürger verbringt im Schnitt zwei Stunden pro Tag vor dem Fernseher, schläft achteinhalb Stunden und bringt eindreiviertel Stunden mit Essen und Trinken zu. Dies geht aus der ersten Zeitbudgeterfassung des Statistischen Bundesamtes hervor, die heute in Berlin im Jahrbuch 2004 veröffentlicht wurde.

Die Zahlen haben die Statistiker durch Stichproben in 5.400 deutschen Haushalten mit über 12.600 Personen erhalten, die Tagebuch über ihrem Zeitablauf führten. Unerbittlich listen sie auf, wie die Deutschen ihren Tag verbringen: Im Schnitt fallen 45 Minuten pro Tag für die Essenszubereitung an, 36 Minuten wird geputzt und aufgeräumt, 37 Minuten wird gelesen und nur sechs Minuten Radio oder Musik gehört.

Immerhin fünf Minuten pro Tag nimmt der Bundesbürger an Versammlungen teil, sieben Minuten seiner Zeit ist er ehrenamtlich tätig und acht Minuten hilft er in anderen Haushalten mit. Hausarbeit bleibt auch der amtlichen Statistik zufolge Frauensache: Männer verwenden 23 Minuten auf die Zubereitung von Mahlzeiten, Frauen stehen pro Tag durchschnittlich eine Stunde und 21 Minuten hinter dem Herd. Ganze neun Minuten betreuen Männer Kinder; Frauen bringen 21 Minuten täglich damit zu. Die Statistiker haben sich auch in Deutschlands Haushalten umgesehen: Jeder Haushalt verfügte 2003 im Schnitt über 1,14 Handys. Von 100 Haushalten hatten 61,4 einen Computer, 46 einen Internet-Anschluss, 72,5 ein Mobiltelefon und 20,7 ein Faxgerät. In mehr als der Hälfte der Haushalte gab es den Angaben zufolge einen Geschirrspüler und eine Mikrowelle.

Immer mehr Menschen in Deutschland leben allein. Mehr als ein Drittel der insgesamt 38,9 Millionen Haushalte seien Single-Haushalte, stellte das Statistische Bundesamt fest. Ost- und Westdeutschland hätten sich in diesem Punkt fast angeglichen. Gestiegen sei auch die Zahl der Eigenheimbesitzer: Im Jahre 2002 lebten 42,2 Prozent der Haushalte in ihren eigenen vier Wänden. Im Jahre 1998 seien es noch 40,5 Prozent gewesen.

Was die finanzielle Situation angeht, machen die Statistiker nach wie vor große Unterschiede zwischen Ost und West aus: Ein Haushalt in Ostdeutschland hatte 2003 durchschnittlich mehr als 650 Euro weniger zur Verfügung. Diese Zahl habe sich gegenüber 1998 nicht verändert, hieß es. Das Nettoeinkommen aller Haushalte betrug 2003 pro Monat im Schnitt 2.771 Euro. Dies sei gegenüber 1998 ein Anstieg von sechs Prozent, hieß es.

Die Einwohnerzahl Deutschlands stagnierte 2003, wie aus dem Statistischen Jahrbuch 2004 hervorgeht. Zum Jahresanfang 2004 zählte die Bundesrepublik 82,5 Millionen Einwohner. Einwanderung und Geburtendefizit hätten sich die Waage gehalten, erklärten die Statistiker. Deutschland weist die niedrigste Geburtenrate in Europa auf. 2003 kamen den Angaben nach auf 1.000 Einwohner nur 8,7 Geburten. Die höchsten Geburtenraten können hingegen Irland (15,4), Frankreich (12,7), die Niederlande (12,4) und Dänemark (12,0) aufweisen.

18 Prozent der Bevölkerung sind in Deutschland 65 Jahre und älter. Nur Italien hat in der EU mit 18,2 Prozent einen höheren Anteil an Senioren. Damit sinkt in Deutschland den Statistikern zufolge auch der Anteil von Kindern und Jugendlichen an der Gesamtbevölkerung: Nur noch 14,7 Prozent der deutschen Bevölkerung sind unter 16 Jahren. In immer weniger Haushalten leben Kinder: Im Mai 2003 seien rund 9,1 Million Ehepaare, Lebensgemeinschaften und allein Erziehende mit Kindern gezählt worden.

Agnes Tandler, AP

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