Sterbehilfe Hamburgs Ex-Senator Kusch präsentiert Tötungsautomat

Hilfe für Schwerkranke oder Mittel zur Selbstinszenierung? Der ehemalige Hamburger Justizsenator Roger Kusch will Sterbewilligen mit einer Selbsttötungsmaschine einen schmerzfreien Suizid ermöglichen - und erntet heftige Kritik.


Hamburg - Die Präsentation war gut vorbereitet: "Das Gerät ist einsatzbereit", sagte Kusch in der Hansestadt bei der Präsentation eines Injektionsautomaten, mit dem sich ein Sterbewilliger ein tödliches Gift spritzen kann.

Kusch und seine Maschine: "Im eigenen Bett sterben"
DPA

Kusch und seine Maschine: "Im eigenen Bett sterben"

Das Kernstück des Automaten ist ein handelsübliches Infusionsgerät, in das zwei Spritzen eingesetzt werden. Ein Arzt soll zunächst einen Zugang zum Blutkreislauf legen. Über ein Kabel ist das Gerät mit einem Knopf verbunden, den der Sterbewillige in die Hand bekommt und selbst drücken muss. Dann fließt zunächst ein Narkosemittel - dies demonstrierte Kusch mit Mineralwasser - und dann das tödlich wirkende Kaliumchlorid, dies veranschaulichte Kusch mit Karottensaft.

Die Prozedur dauere insgesamt vier Minuten, aber der Tod trete früher ein, sagte Kusch. Auf eine Zeitangabe wollte er sich jedoch nicht festlegen. Der Patient wäre sicher nach wenigen Sekunden bewusstlos. Sein Anliegen sei, kranken Menschen eine Alternative zum Weg in die Schweiz aufzuzeigen und ihnen "zu ermöglichen im eigenen Bett zu sterben", betonte Kusch, der Vorsitzende und Gründer des Vereins "Dr. Roger Kusch Sterbehilfe". Sterbewillige könnten den Kontakt zu ihm und dem Verein aufnehmen.

Kusch will selbst Hand anlegen

Die benötigten Substanzen und zwei Ärzte stünden bereit, denn: "Ein ganz wichtiges Element wird die ärztliche Begutachtung sein." Nur wenn der Gutachter sichergestellt habe, dass der Patient an einer unheilbaren Krankheit leide, bei vollem Bewusstsein seine Sterbebitte ausdrücke und sich ausreichend mit Alternativen zum Suizid beschäftigt habe, werde er Sterbehilfe leisten, sagte Kusch. Außerdem müsse der Sterbewillige volljährig sein.

Kusch persönlich will das Gerät bei den Patienten aufbauen und diese beim Sterben begleiten. Rechtlich gesehen leistet Kusch damit nach eigenen Angaben Beihilfe zum Suizid, was in Deutschland straflos ist. Dennoch rechnet er mit einem Strafverfahren. Über die Kosten der Sterbehilfe wollte er nichts sagen, betonte aber, dass der erste Einsatz des Gerätes kostenlos wäre.

Kritik an der "Tötungsmaschine"

Die Hamburger Ärztekammer und das bayerische Justizministerium kritisierten Kusch und seine "Tötungsmaschine".

Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Ärztekammer Hamburg, kritisierte Kusch mit deutlichen Worten: "Wir brauchen keine Tötungsmaschine, sondern eine Sterbebegleitung und palliativmedizinische Betreuung, die den Menschen am Ende ihres Lebens Schmerzen und Ängste nimmt." Die Ärzteschaft lehne Tötungs- und Selbsttötungsfantasien à la Kusch ab. Sie trete für humane Sterbebegleitung, ärztliche und spirituelle Betreuung und ein würdiges Sterben ein.

Auch die bayerische Justizministerin Beate Merk reagierte entsetzt. "Eine Tötungsmaschine ist die falsche Antwort auf Situationen schwer kranker Menschen", hieß es in einer Erklärung.

Das widerspreche "unserer Wertvorstellung von einer humane, christlichen Gesellschaft." Der frühere CDU-Politiker Kusch war von 2001 bis 2006 Justizsenator in Hamburg. Bei der Bürgerschaftswahl 2008 war er mit der von ihm gegründeten Partei Rechte Mitte Heimat Hamburg angetreten, mit Sterbehilfe als einem der zentralen Wahlkampf-Themen. Er erreichte aber nur 0,5 Prozent und zog sich aus der Politik zurück.

han/AP



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.