Steuerhinterziehung Zwei Jahre auf Bewährung für ehemaligen Kofferkönig

830.000 Mark soll der frühere Chef von MCM, dem 1998 in Konkurs gegangenen Hersteller von Nobelreisegepäck, über sieben Jahre hinweg hinterzogen haben. Vom Amtsgericht München wurde Michael Cromer jetzt dafür verurteilt.


Der König der Koffer: Michael Cromer
DPA

Der König der Koffer: Michael Cromer

München - Cromer muss außerdem 37.500 Mark Strafe zahlen. Der Unternehmer sieht sich als Opfer eines Bank-Bevollmächtigten, der den Wert der MCM-Warenbestände in betrügerischer Absicht mit nur drei Millionen Mark und damit um 90 Prozent zu niedrig angesetzt habe. Daraufhin habe die Bank seine Kredite gekündigt und ihn in die Pleite getrieben.

Kromer hatte von 1989 bis 1995 Löhne für privates Hauspersonal und die Miete für ein Haus auf Long Island bei New York als Betriebsausgaben geltend gemacht. Cromer, der sich zwischenzeitlich ins Ausland abgesetzt hatte, stellte sich im vergangenen Jahr freiwillig den Behörden. "Ich will arbeiten", begründete dies der Unternehmer. Mit dem Finanzamt hat er sich inzwischen geeinigt, fünf Millionen Mark an Steuerschulden nachzuzahlen.

Zwei anonyme Anzeigen wegen Steuerhinterziehung seien letztlich der Anfang vom Ende der Luxuswarenfirma gewesen, sagte Cromer vor Gericht. Sein Verteidiger Wolfgang Kreuzer erklärte, die Anzeigen seien der erste Teil einer feindlichen Übernahme gewesen. Die Markenrechte an der MCM Moderne Creation München Reisegepäck GmbH waren Ende 1997 an einen Schweizer Investor gegangen. Die Vertriebsgesellschaft meldete dennoch im April 1998 Konkurs an.

Gegen den Bankangestellten ist ein Strafverfahren anhängig. Wird er verurteilt, müsste seine Versicherung für den Schaden aufkommen, der Cromer entstanden ist.



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