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02. Januar 2018, 14:13 Uhr

Volkssport

Stirbt das Kegeln aus?

Alle Neune nach Feierabend: Kegeln war für viele Deutsche einmal das liebste Hobby. Heute dagegen droht es als Volkssport zu verschwinden. Die Kegler selbst scheinen daran nicht ganz unschuldig zu sein.

Ein lustiger Abend auf der Kegelbahn - noch vor 30 Jahren gehörte das für viele Deutsche zum festen Freizeitprogramm. Wer mit Kollegen oder Freunden kegeln wollte, musste sich oft Wochen im Voraus um die Reservierung der Bahnen kümmern. Ganz anders als heute: "Wartezeiten gibt es kaum noch", sagt der Präsident des Deutschen Kegler- und Bowlingbunds, Uwe Oldenburg. Denn die Zahl der Kegler sei stark zurückgegangen.

"Wir hatten in den Achtzigerjahren mal fast 200.000 Mitglieder und haben jetzt noch 80.000 Mitglieder", sagt Oldenburg. "Wir verlieren jedes Jahr zwischen drei und fünf Prozent." Einen Weg, den Niedergang zu stoppen, habe bislang niemand gefunden, sagt der 68-Jährige. Beim Bowling sei es auch nicht besser.

Der Grund: Der Trend sei schlicht vorbei, sagt Freizeitforscher Rainer Hartmann von der Hochschule Bremen. "Es hat auch etwas mit Zeitgeist zu tun." In den Siebzigerjahren sei Kegeln eine beliebte Möglichkeit gewesen, Sport und Geselligkeit zu verbinden. Heute jedoch seien die Gaststätten mit Kegelbahnen alt geworden, Globalisierung und Digitalisierung hätten die Ansprüche der Menschen verändert. Gerade junge Menschen können mit dem Kegelsport kaum noch etwas anfangen.

"Die Jugend kommt nicht nach und die Alten sterben aus"

Alteingesessene Kegler sehen das selbst nicht anders und können sogar nachvollziehen, warum der Nachwuchs ausbleibt: Ein körperlich einseitiger Sport in veralteten geschlossenen Kellerräumen biete wenig Anreize für junge Menschen, sagt der Vorsitzende des Keglerverbands Niedersachsen, Jürgen Ketelhake. "Kegeln ist nicht mehr zeitgemäß."

Und genau deshalb droht der Volkssport zu verschwinden. "Kegeln ist total überaltert", sagt Ketelhake, selbst 68 Jahre alt, und so sieht das auch der 83-jährige Ehrenvorsitzende des Bremer Kegler-Vereins, Herbert Kück: "Die Jugend kommt nicht nach und die Alten sterben aus."

Für die Zukunft hat Ketelhake, der Nationalspieler und Deutscher Meister im Kegeln war, wenig Hoffnung. "Alles, was wir versucht haben, hat nichts gebracht." Sein (schwacher) Trost: Sportarten wie Tischtennis oder Handball hätten ähnliche Probleme. "Alle Vereine verlieren Mitglieder." Viele Jugendliche interessierten sich mehr für Computerspiele als für Vereinssport. Kück ist ebenfalls pessimistisch. "Wenn das so weitergeht, ist es spätestens in fünf bis zehn Jahren zu Ende mit den großen Hallen."

Der Fehler: Lieber alles so lassen, wie es einmal war

Freizeitforscher Hartmann dagegen sieht durchaus noch Chancen für das Kegeln als Volkssport - allerdings unter einer Bedingung: Die Vereine müssten bereit sein, sich zu verändern. "Wenn man Kegeln wieder hip machen wollte, müsste man es modernisieren und bräuchte andere Räume", sagt Hartmann. "Sportvereine müssen flexibel sein in ihrem Angebot und sich dem Zeitgeist und den Trends anpassen."

Aber gerade das fällt den Vereinen offenbar schwer, wie der Präsident des Deutschen Kegler- und Bowlingbunds selbstkritisch zugibt: "Wir sind ein sehr konservativer Sport. Veränderungsprozesse sind im Kegelsport relativ schlecht durchzusetzen", sagt Oldenburg. Schuld daran: die weit verbreitete Devise, lieber alles so zu lassen, wie es schon immer war. "Der Kegelsport ist in meinen Augen ein wenig zu sehr auf Tradition ausgelegt", sagt Oldenburg. "Man sollte auch mal ein bisschen an die Zukunft denken."

Helen Hoffmann, dpa/fok

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