Stoned in Texas? Bush soll Marihuana geraucht haben

Mit dem Auftauchen bisher geheimer Tonbandaufzeichnungen kursieren in Washington Gerüchte: Hat US-Präsident George W. Bush Marihuana geraucht, ohne es öffentlich zuzugeben? Auf den jetzt veröffentlichten Bändern soll Bush genau das bestätigen – er habe nicht gewollt, "dass irgendein Kind ausprobiert, was ich ausprobiert habe".

Washington - Die "New York Times" zitiert in ihrer heutigen Ausgabe aus Gesprächen, die Doug Wead, Autor und ehemaliger Berater von George Bush Senior, zwischen 1998 und 2000 mitgeschnitten hatte. Abwechselnd ernst, zuversichtlich oder auch kratzbürstig wäge George W. Bush während der Unterredung die politischen Risiken und Vorteile seiner Religiösität ab, diskutiere Wahlkampfstrategien und äußere sich zu seinen Rivalen, heißt es in dem Bericht. Das erstaunliche Ergebnis der Plauderei: Zum Umgang der Medien mit seiner Vergangenheit befragt, bekennt Bush, Drogen genommen zu haben.

Er müsse aus seiner Vergangenheit kein Geheimnis machen, betont der ehemalige Gouverneur von Texas gegenüber Wead. Er habe Journalistenfragen zu etwaigem früheren Drogenkonsum nie beantwortet, obwohl ihn dies die Wahl zum Präsidenten hätte kosten können. "Ich habe nie auf Fragen nach Marihuana geantwortet", zitiert das Blatt wörtlich aus den Aufzeichnungen. "Und weißt Du warum? Weil ich nicht wollte, dass irgendein Kind ausprobiert, was ich ausprobiert habe."

Bush mokiert sich nach Angaben der Zeitung zugleich über seinen damaligen demokratischen Gegner im Präsidentschaftswahlkampf, Al Gore, der früheren Marihuana-Konsum zugegeben hatte. "Babyboomer müssen wirklich erwachsen werden und sagen, ja, ich habe vielleicht Drogen genommen. Aber anstatt es (öffentlich) einzugestehen, sollten sie Kindern sagen: Lasst es bleiben."

Wead erklärte, er habe die Konversation auf Band aufgenommen, weil er Bush als historische Figur betrachte. Er wisse allerdings, dass der Präsident die Veröffentlichung der Bänder als Verrat empfinden könnte. Das Erscheinen seines Buches über Präsidenten und ihre Kindheit stünde in keinem Zusammenhang mit der Freigabe der Aufzeichnungen, zitiert die "New York Times" den Autor.

Das Weiße Haus hat die Authentizität der Bänder bisher nicht bestritten und sich auch nicht zu deren Inhalt geäußert. Regierungssprecher Trent Duffy sagte: "Der Gouverneur hat gelegentlich mit jemandem gesprochen, von dem er glaubte, dass er sein Freund sei." Zum angeblichen Drogenkonsum des heute mächtigsten Mannes der Welt befragt, sagte Duffy: "Diese Frage ist schon so oft gestellt und beantwortet worden, dass es nichts mehr hinzuzufügen gibt."

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.