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Opfer des Nationalsozialismus Streit übers Gedenken

In Berlin soll ein »Ort des Erinnerns« für polnische NS-Opfer geschaffen werden. Der Botschafter der Ukraine übt nun scharfe Kritik an den Plänen der Großen Koalition.
aus DER SPIEGEL 2/2021
1. September 1939: Einmarsch deutscher Truppen in Polen

1. September 1939: Einmarsch deutscher Truppen in Polen

Foto: picture-alliance / dpa

Kiew kritisiert den Beschluss des Bundestags vom Oktober, in Berlin einen »Ort des Erinnerns« für polnische NS-Opfer zu schaffen – und nicht auch ein Denkmal für die ukrainischen Toten. »Wenn man einzelne Nationen heraushebt, muss auch die Ukraine gewürdigt werden«, sagt Botschafter Andrij Melnyk. Der Großen Koalition wirft er vor, trotz deren Bekenntnis zum »Dialog mit den osteuropäischen Nachbarn« sein Land nicht angehört zu haben: »Wir konnten unsere Position nicht einbringen.«

Melnyk hatte vor der Abstimmung in einem Brief an mehr als 600 Bundestagsabgeordnete verlangt, das Votum aufzuschieben. Er hofft nun auf den nächsten Bundestag. Melnyk bringt die deutsche Entscheidung mit polnischen Reparationsforderungen in Zusammenhang und droht indirekt: »Das Thema Reparationen ist nicht abgeschlossen. Es stand für uns nie im Raum, und ich hoffe, dass es nie im Raum steht.«

DER SPIEGEL 2/2021
Foto:

The New York Times / Redux / laif; Jon Cherry / Getty Images

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Die Denkmalfrage belastet das Verhältnis zwischen Melnyk und seinem polnischen Kollegen Andrzej Przyłębski. Dieser hatte Melnyk in einem belehrenden Brief die Kollaboration von Ukrainern mit den Nazis vorgehalten. Melnyk bezeichnet das Schreiben als »unverschämt« und hat es wiederum an Bundestagsabgeordnete weitergeschickt. Es sei ein weiterer Beleg dafür, dass die polnische Seite »offensichtlich eine Monopolstellung als ›Hauptopfer‹ des Zweiten Weltkriegs« anstrebe.

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