Streit um Komapatientin Schiavos Eltern kämpfen bis zur letzten Minute

Die Urteile sind eindeutig. Doch die Eltern der amerikanischen Komapatientin Terri Schiavo wollen nicht aufgeben. Um das Leben ihrer Tochter zu retten, haben sie sich jetzt selbst nach einer Abfuhr durch den Supreme Court erneut an ein Bundesgericht gewandt. Der Zustand Schiavos verschlechtert sich indes.


Schiavo-Vater Bob Schindler: Hoffnung auf das Bundesgericht
DPA

Schiavo-Vater Bob Schindler: Hoffnung auf das Bundesgericht

Pinellas Park/Washington - Der Appell an das Gericht dürfte eine der letzten Möglichkeiten der Eltern sein, nachdem der Oberste Gerichtshof der USA es zuvor abgelehnt hatte, sich mit dem Fall zu befassen. Das Bundesgericht setzte für den Abend eine Anhörung zu dem Antrag an, der sich auf Angaben eines Neurologen zum Zustand der 41-jährigen Komapatientin stützt.

Auf die Aussagen des Spezialisten William Cheshire hatte sich zuvor bereits der US-Bundesstaat Florida bei seinem Versuch berufen, das Sorgerecht für Schiavo übertragen zu erhalten und damit die Wiederaufnahme der künstlichen Ernährung wie von den Eltern gewünscht anzuordnen. Ein Gericht in Florida hatte das Gesuch mit der Begründung abgelehnt, der Antrag habe offensichtlich ausschließlich das Ziel, frühere Urteile zu umgehen. Die nächst höhere Instanz lehnte eine Berufung gegen diese Entscheidung ab.

Gouverneur Jeb Bush beriet sich laut CNN mit Vertrauten stundenlang hinter verschlossenen Türen, um doch noch einen Weg zu finden, Terri Schiavo am Leben zu erhalten. Einige religiöse Gruppen drängten Bush, sich sogar übers Gesetz hinweg zu setzen, um die Koma-Patientin zu retten. Bush betonte aber im Fernsehen, er werde trotz der Dramatik der Situation nichts tun, was über seine Befugnisse als Gouverneur hinausgehe. Gestern Abend sperrte die Polizei dem Nachrichtensender CNN zufolge die Strassen rund um das Gerichtsgebäude ab, nachdem ein verdächtiges Paket gefunden worden war.

Die Einschaltung eines US-Bundesgerichts hat ein Gesetz des Kongresses möglich gemacht, das über das vergangene Wochenende in aller Eile von den republikanischen Mehrheit durchgesetzt und von US-Präsident George W. Bush unterzeichnet worden war. Allerdings sind die Eltern inzwischen auch vor mehreren Bundesgerichten mit ihrem Anliegen gescheitert. Eine Mehrheit der US-Bürger ist zudem Umfragen zufolge der Ansicht, dass die Abgeordneten das private Drama der Komapatientin für ihre politischen Zwecke missbraucht hätten. Der Fall wird in den USA vor allem von Seiten christlicher Gemeinschaften mit starken Emotionen begleitet. Die Eltern erhalten Unterstützung von konservativen christlichen Gruppen, die sich im vergangenen November für eine Wiederwahl von Bush stark gemacht haben.

Terri Schiavo liegt seit einem Herzinfarkt vor 15 Jahren im Koma und wird in einem Hospiz in Pinellas Park in Florida betreut. Nach siebenjährigem Rechtsstreit hat ihr Mann vor sechs Tagen durchgesetzt, dass sie nicht mehr künstlich ernährt wird. Damit wird sie Experten zufolge voraussichtlich in der kommenden Woche sterben.

Nach sechs Tagen ohne Wasser und Nahrung zeigt Terri Schiavo inzwischen nach Angaben von Anwälten und Freunden der Familie Schindler deutliche Zeichen einer Dehydrierung. Seine Schwester erinnere ihn an Bilder von Gefangenen in Konzentrationslagern, sagte der Bruder Bobby Schindler nach einem Besuch der Klinik in Pinellas Park. Die Magensonde war am Freitag vergangener Woche auf Betreiben ihres Mannes Michael Schiavo entfernt worden.



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