Ansprache in Rom »Ströme von Blut und Tränen« – Papst Franziskus richtet Friedensappell an Putin und Selenskyj

In einer außergewöhnlich deutlichen Ansprache in Rom hat Papst Franziskus die Kriegsparteien in der Ukraine zum Frieden aufgefordert. Sein eindringlichster Wunsch richtete sich an Wladimir Putin.
Papst Franziskus in Rom: Bitte an Putin, »diese Spirale von Gewalt und Tod zu stoppen, auch zum Wohl seines Volkes«

Papst Franziskus in Rom: Bitte an Putin, »diese Spirale von Gewalt und Tod zu stoppen, auch zum Wohl seines Volkes«

Foto: Massimo Valicchia / NurPhoto / IMAGO

Die Ansprache vor dem traditionellen Angelus-Gebet widmet der Papst normalerweise seinem Fachgebiet: dem christlichen Evangelium. Angesichts des Krieges in der Ukraine formulierte er stattdessen einen außergewöhnlich eindringlichen Appell an Kremlchef Wladimir Putin und den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.

»Ich bin zutiefst betrübt über die Ströme von Blut und Tränen, die in diesen Monaten vergossen wurden«, sagte Papst Franziskus in Rom. Er sei traurig über die Tausenden von Opfern, insbesondere Kinder, und die zahlreichen Zerstörungen, die viele Menschen und Familien obdachlos gemacht haben und weite Gebiete mit Kälte und Hunger bedrohen. »Solche Handlungen sind niemals zu rechtfertigen, niemals!«.

Erst am Freitag hatte Russlands Präsident die völkerrechtswidrige Annexion von vier ukrainischen Regionen verkündet und den Konflikt damit nochmals verschärft. Darauf ging auch der Papst ein. »Ich bedauere zutiefst die ernste Situation, die in den vergangenen Tagen entstanden ist, mit weiteren Aktionen, die den Grundsätzen des Völkerrechts widersprechen«, sagte Papst Franziskus.

Die Ukraine beantragte als Reaktion auf die Annexion eine beschleunigte Nato-Mitgliedschaft; am Samstag erzielten ukrainische Truppen einen Erfolg, als sie die strategisch wichtige Stadt Lyman eroberten.

Atomkrieg? »Das ist absurd!«

Der Papst sprach Putin indirekt an – und appellierte an ihn. Er bitte den Präsidenten der Russischen Föderation, »diese Spirale von Gewalt und Tod zu stoppen, auch zum Wohl seines Volkes«, sagte Franziskus. Andererseits appelliere er aber auch »zuversichtlich an den Präsidenten der Ukraine, für ernsthafte Friedensvorschläge offen zu sein.«

Franziskus sagte vor den Gläubigen auf dem Petersplatz: »Es ist bedauerlich, dass die Welt die Geografie der Ukraine durch Namen wie Butscha, Irpin, Mariupol, Isjum, Saporischschja und andere Orte kennenlernt, die zu Orten unbeschreiblichen Leids und unbeschreiblicher Angst geworden sind.« Er sei erschüttert, dass die Welt wieder einen Atomkrieg fürchten müsse. »Das ist absurd!«, sagte er. »Der Krieg an sich ist ein Irrtum und ein Horror!«

rai/dpa
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