Stromausfall in Athen "Es werden Köpfe rollen"

Der Stromausfall in Griechenland verursacht neben dem Chaos auf den Straßen auch politisches Ungemach: Ministerpräsident Karamanlis bekam einen Wutanfall. Der Verkehrsminister blieb unterdessen in der U-Bahn stecken.


Chaos in der Athener U-Bahn: "Es werden Köpfe rollen"
DPA

Chaos in der Athener U-Bahn: "Es werden Köpfe rollen"

Athen - Der griechische Verkehrsminister Michalis Liapis war gerade auf dem Weg zu einem wichtigen Termin: Er wollte eine neue Bahnverbindung zwischen dem Zentrum Athens und dem Flughafen einweihen, als der Strom ausfiel. "Wir mussten die Treppen hoch rennen nach dem Stromausfall. Woher das kam, weiß ich nicht genau", sagte der Verkehrsminister sichtlich zerknirscht im Fernsehen.

Der griechische Ministerpräsident Kostas Karamanlis soll nach Informationen des griechischen Rundfunks extrem wütend reagiert haben. "Es werden Köpfe rollen", sagte er Radioberichten zufolge seinen engen Mitarbeitern.

Rund einen Monat vor Beginn der Olympischen Spiele hat der Stromausfall heute Südgriechenland für rund zwei Stunden ins Chaos gestürzt. In Athen blieben tausende Menschen in U-Bahnen und Aufzügen stecken. Der Verkehr brach zusammen, weil sämtliche Ampeln ausgefallen waren. Insgesamt waren rund sechs Millionen Menschen betroffen.

Die Elektrizitätsgesellschaft macht das gleichzeitige Hochfahren tausender Klimaanlagen am Morgen bei 38 Grad Hitze für den Blackout verantwortlich. Die Regierung geht indes von menschlichem Versagen aus. Die Olympia-Organisatoren versetzte der Stromausfall in Alarmbereitschaft. Die Sportstätten seien jedoch über Notstromaggregate abgesichert, hieß es.

In Athen spielten sich chaotische Szenen ab. "Ich war eine Stunde lang in der U-Bahn in der Dunkelheit. Es war schlimm", sagte ein Passagier, nachdem er aus dem Schacht befreit worden war. Die Feuerwehr war pausenlos im Einsatz, um hunderte Menschen aus stecken gebliebenen Fahrstühlen zu retten. Das Mobiltelefonnetz kollabierte.

Ausgefallene Ampeln: Durcheinander auf den Straßen
AP

Ausgefallene Ampeln: Durcheinander auf den Straßen

Auf den Baustellen für die Austragungsorte der Olympischen Spiele musste die Arbeit unterbrochen werden. Stromausfälle wurden selbst aus Larissa gemeldet, das 250 Kilometer nördlich von Athen liegt, sowie aus dem südlichen Peleponnes und von einigen ägäischen Inseln.

Der griechische Entwicklungsministers Giorgos Sioufas sagte, der Blackout sei auf eine falsche Verteilung der Elektrizität durch Techniker zurückzuführen. "Knapp an Strom waren wir sicher nicht. Uns standen zum Zeitpunkt des Ausfalls noch 800 Megawatt zur Verfügung", sagte der Minister im Fernsehen. "Etwas Ähnliches wird es bei Olympia jedoch nicht geben."

Am Nachmittag war die Stromversorgung in fast allen Landesteilen wiederhergestellt. Am Athener Flughafen Athens hatte es immerhin keine Probleme gegeben. Die Aggregate seien sofort angesprungen, sagte ein Flughafensprecher im Radio.



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.