Studie Gasmaskenalarm in Discos

Eine neue Studie befeuert die Rauchverbotsdebatte: In Discotheken erreicht die Feinstaubbelastung mehr als 1000 Mikrogramm je Kubikmeter Luft - zum eigenen Schutz müssten Bedienungen eigentlich mit Gesichtsmasken arbeiten.


Hamburg - In Discotheken wurden Feinstaubwerte von über 1000 Mikrogramm je Kubikmeter Luft gemessen. Auch in Restaurants (200 Mikrogramm) und Kneipen (220 Mikrogramm) fanden sich stark erhöhte Werte. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie des bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, die der "Bild am Sonntag" vorliegt.

Zigarettenqualm: "Discos sind wahre Giftküchen"
AP

Zigarettenqualm: "Discos sind wahre Giftküchen"

"Was die Luftqualität angeht, sind Discos wahre Giftküchen", sagte Bayerns Gesundheitsminister Werner Schnappauf. Der CSU-Politiker gab die Studie in Auftrag.

Zum Vergleich: Wenn im Freien Konzentrationen von 50 Mikrogramm dauerhaft überschritten werden, müssen laut "Bild am Sonntag" Kommunen zum Schutz ihrer Bürger einen Luftreinhaltungsplan, wie etwa Lkw-Fahrverbote starten. Bei einer derart hohen Belastung der Luft ist für die Mitarbeiter in Discos das Risiko für Krebs, Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht.

"Zum Schutz ihrer Gesundheit müssten Bedienungen dort eigentlich mit Gasmaske und Schutzanzug arbeiten", sagte Martina Pötschke-Langer, Expertin des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg.

In Berlin wird derzeit heftig über ein Rauchverbot diskutiert: Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, fordert ein Rauchverbot am Steuer, Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee, Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber und andere Politiker protestieren. Ihnen geht ein Rauchverbot im Privatwagen deutlich zu weit.

Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff erwartet von der Gesundheitsministerkonferenz am nächsten Freitag keine Einigung über Rauchverbote. "Ich glaube, dass das eher bei den Beratungen der Ministerpräsidenten zu Stande kommt in der Form, dass man sich hoffentlich über 80 Prozent der Regelungen gemeinsam einigt und dann vielleicht auch Alternativen hat", so der CDU-Politiker in einem Interview des Deutschlandfunks.

Er plädierte dafür, dass zwei unterschiedliche Regelungen drei oder vier Jahre gelten. Die Länder könnten sich dann entscheiden, ob sie generelle Rauchverbote einführen oder aber ein bisschen Freiraum lassen wollen, so dass sich Gastronomen und Kunden selbst entscheiden könnten.

jjc/AFP/AP



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