Celebrity-Check Schafe erkennen Prominente

Emma Watson oder die Nachbarin? Barack Obama oder der Tierpfleger? Ein Experiment der Universität Cambridge zeigt: Schafe sind Meister der Gesichtserkennung.
Testschaf an der University of Cambridge

Testschaf an der University of Cambridge

Foto: Cambridge University

Zwei Bildschirme an der Wand, darunter je ein Ausgabeschacht für Leckerlis, in der Mitte ein Schaf: Die Versuchsanordnung für eine Studie der Universität Cambridge ist auf den ersten Blick überschaubar.

Per Zufallsgenerator werden sodann Fotos von Barack Obama, Emma Watson, Jake Gyllenhaal und der bekannten britischen TV-Moderatorin Fiona Bruce im Wechsel mit unbekannten Gesichtern, Gegenständen oder einem schwarzen Monitor gezeigt. Das Schaf muss nun entscheiden, auf welchem Bildschirm ein Prominenter gezeigt wurde. Irrt es sich, ertönt ein Buzzer. Hat es recht, bekommt es zur Belohnung einen Getreidehappen.

Die Versuchsergebnisse  erstaunten die Wissenschaftler um die Neurobiologin Jenny Morton: Das Welsh-Mountain-Schaf war in acht von zehn Fällen in der Lage, im Abgleich den Prominenten zu identifizieren. Dass Schafe ihre Betreuer erkennen können, war im Vorfeld des Versuchs bekannt - nicht jedoch, dass sie vier bekannte Gesichter von unbekannten unterscheiden können. Im Vorfeld der Studie waren dem Tier wiederholt Porträts der Celebrities gezeigt worden.

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Morton hatte es dem Team junger Postdoktoranden überlassen, welche Prominenten genutzt werden sollten. "Wir wollten Gesichter, von denen wir wussten, dass die Schafe sie nie in der Realität gesehen hatten und von denen es viele Frontal- und Seitenansichten gibt", sagte die Wissenschaftlerin dem "Guardian". Letzteres ist wichtig, denn der Test ergab: Schauten die Prominenten direkt in die Kamera, wurden sie in 80 Prozent der Fälle erkannt. Waren sie im Profil oder Halbprofil zu sehen, waren es nur 67 Prozent. Abbildungen ihrer Pfleger erkannten die Schafe ohne vorheriges Training, allerdings schwankten sie oft bei der Entscheidung.

Der Hintergrund der Studie ist ein ernster: In Cambridge wird zu Chorea Huntington geforscht, einer genetisch bedingten Erkrankung, bei der ein Bereich des Gehirns, das Striatum, sukzessive zerstört wird. Dies führt zu Störungen der Muskelsteuerung, des Gefühlslebens und der Persönlichkeit, im Endstadium zu Demenz. Die Krankheit ist bisher nicht heilbar.

Im Jahr 2006 hatten der Neurowissenschaftler Richard Faull und der Genetiker Russell Snell von der Auckland University Schafe mit einer Genmutation gezüchtet, die Huntington hervorruft. Die britische Kollegin Morton hat jetzt einige dieser Tiere importiert, um über die Gesichtserkennung neue Erkenntnisse über die Hirnfunktion zu erlangen und möglicherweise neue Medikamente zur Behandlung von Huntington entwickeln zu können.

"Wir können die Schafe behandeln und anhand der Aufgaben überprüfen, wie gut sie über einen gewissen Zeitraum performen. Wir können erkennen, wie schnell sie lernen und was sie lernen", so Morton. "Wenn ein Medikament anschlägt, wird es keine Unterschiede mehr zwischen einem Huntington-Schaf und einem normalen geben." Auch Nebenwirkungen könnten so ermittelt werden.

In Großbritannien sind geschätzt 7000 Menschen von Huntington betroffen, dessen Symptome sich meist zwischen dem 35. und 50. Lebensjahr erstmals zeigen. In Deutschland geht man von etwa 8000 Erkrankten aus.

ala