Studie Was Kinder glücklich macht

Wären in Deutschland Kinder an der Macht, müsste wohl niemand sein Zimmer aufräumen oder zur Unzeit - also viel zu früh - schlafen gehen. Und zehn Prozent der Minderjährigen hätten weniger Beulen - so viele werden von ihren Eltern geschlagen.


Kinder aus ärmeren Familien sind häufiger traurig als ihre Altersgenossen aus der gehobenen Schicht
GMS

Kinder aus ärmeren Familien sind häufiger traurig als ihre Altersgenossen aus der gehobenen Schicht

Hamburg - Die Geburtenzahlen sind rückläufig, die Deutschen sterben aus. Aber ist die Bundesrepublik deswegen ein kinderfeindliches Land? Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie in Allensbach, hält diese Meinung für überzogen. Bestärkt wird sie durch eine aktuelle Studie des Instituts. Danach ist die Mehrheit der Kinder in Deutschland zufrieden: Die meisten der 819 Befragten zwischen sechs und zwölf Jahren, genießen ihre Kindheit, fühlen sich von den Erwachsenen gemocht und beschreiben zu 86 Prozent ihren Gemütszustand als fröhlich oder sehr fröhlich.

Kindergarten-Szene: Mehr als die Häfte der Befragten glaubt, dass Politiker nicht an Kinder denken
GMS

Kindergarten-Szene: Mehr als die Häfte der Befragten glaubt, dass Politiker nicht an Kinder denken

Ein Drittel der Sechs- bis Zwölfjährigen glaubt allerdings, dass Erwachsene Kinder nicht so gern mögen. 72 Prozent der Kinder sagten, sie hätten nur selten den Eindruck, dass sie Erwachsenen auf die Nerven gingen. "Die große Mehrheit der Kinder kennt aus eigener Erfahrung keine Nachbarn, die sich durch Kinderlärm gestört fühlen", sagte die Meinungsforscherin.

Allerdings mahnt sie auch: "Vielen Erwachsenen sind Kinder fremd geworden." Weite Teile der Gesellschaft hätten zu wenig Kontakt zu Kindern und seien daher mit deren Lebenswirklichkeit und besonderen Perspektive zu wenig vertraut. Mehr als die Hälfte der Befragten (56 Prozent) ist der Ansicht, dass Politiker nicht an Kinder denken.

Spielende Kinder: 86 Prozent sind fröhlich
DDP

Spielende Kinder: 86 Prozent sind fröhlich

Entscheidend für die Zufriedenheit der Kinder ist das soziale Umfeld: Kinder aus ärmeren Familien sind häufiger traurig als ihre Altersgenossen aus der gehobenen Schicht. Gleichzeitig sind Kinder in Ostdeutschland weniger glücklich als im Westen. Während 41 Prozent der westdeutschen Kinder sich als sehr fröhlich bezeichnen, sind es im Osten nur 23 Prozent.

Häufigste Streitpunkte mit dem Eltern: die Ordnung im Zimmer (67 Prozent), Schlafenszeit (58 Prozent) und Fernsehzeiten (43 Prozent). Häufigste Bestrafung der Eltern sind Fernsehverbote (37 Prozent). Zehn Prozent der Kinder werden geschlagen.

Die Befragung wurde im Auftrag von "Ein Herz für Kinder", der Hilfsaktion der "Bild"-Zeitung durchgeführt.



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