Sturm über Deutschland Menschen von umstürzenden Bäumen getroffen, Zehntausende ohne Strom

Der erste Herbststurm des Jahres hat in Deutschland zu zahlreichen Zugausfällen geführt. Bundesweit mussten Polizei und Feuerwehr zu Hunderten Einsätzen ausrücken. Bei Kiel kam es sogar zu einem Wirbelsturm.
Entwurzelte Bäume in Berlin: Die Feuerwehr hatte alle Hände voll zu tun

Entwurzelte Bäume in Berlin: Die Feuerwehr hatte alle Hände voll zu tun

Foto: Paul Zinken / dpa

Züge fielen aus, Zehntausende Menschen waren ohne Strom: In Deutschland hat der erste heftige Herbststurm des Jahres getobt.

Bundesweit rückten Feuerwehr und Polizei zu Hunderten Einsätzen aus. In Völkersbach in Baden-Württemberg fiel laut Polizei ein Baum an einem Waldrand auf einen 64-Jährigen und verletzte ihn lebensgefährlich. Bei Elend in Sachsen-Anhalt fiel ein Baum auf ein Auto, der 59 Jahre alte Fahrer wurde von der Feuerwehr befreit und mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Aus Nordrhein-Westfalen meldete die Landesregierung 36 Verkehrsunfälle mit vier Leichtverletzten. Mehrere Menschen wurden durch umgestürzte Bäume in ihren Autos eingeklemmt.

Einsatz in Niedersachsen: Die Fahrerin verlor nach eigenen Angaben im Sturm die Kontrolle über ihren Wagen

Einsatz in Niedersachsen: Die Fahrerin verlor nach eigenen Angaben im Sturm die Kontrolle über ihren Wagen

Foto: Ulf Zurlutter / dpa

Ein umstürzender Baum im niedersächsischen Wolfsburg verfehlte nur knapp eine 20-Jährige, die gerade aus dem Auto stieg. Ein Ast traf sie jedoch am Kopf, sie kam in eine Klinik. Eine 22-Jährige gab an, ihr Wagen sei auf der A31 von einer Windböe erfasst worden. Die Frau verlor die Kontrolle und kam von der Fahrbahn ab, ihr Auto überschlug sich und blieb auf der Fahrerseite liegen – sie kam schwer verletzt ins Krankenhaus.

In Teilen Bayerns sowie in mehreren Orten in der Pfalz und in Koblenz fiel am Vormittag der Strom aus. Umgestürzte Bäume und herabfallende Äste führten auch in Teilen Brandenburgs, Sachsens, Sachsen-Anhalts und Thüringens zu Stromausfällen. Etwa 50.000 Kunden seien betroffen, teilte ein Sprecher der Mitteldeutschen Netzgesellschaft Strom am Nachmittag mit.

In zahlreichen Bundesländern kam es zu Zugausfällen und Verspätungen. »Hunderte Mitarbeitende sind im Einsatz, um Bäume und andere Hindernisse aus den Gleisen zu räumen, Oberleitungen zu reparieren und Schäden aufzunehmen«, sagte eine Bahn-Sprecherin. Fahrgäste, die aufgrund des Unwetters ihre Reise verschieben wollen, könnten ihr gebuchtes Ticket ab sofort bis einschließlich sieben Tage nach dem Ende der Störungen einlösen. Am frühen Nachmittag besserte sich die Lage langsam. »Bis sich der Verkehr normalisiert hat, dauert es noch. Aber wir fahren wieder«, sagte ein Bahn-Sprecher.

Reisende am Kölner Hauptbahnhof: Warten auf die Weiterfahrt

Reisende am Kölner Hauptbahnhof: Warten auf die Weiterfahrt

Foto: Henning Kaiser / dpa

Für den Donnerstagnachmittag und -abend warnte das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie vor einer Sturmflut. Das Hochwasser werde an der Nordseeküste 1,00 bis 1,50 Meter über dem mittleren Hochwasser liegen, im Weser- und Elbegebiet etwa 1,50 Meter über dem mittleren Hochwasser. Weitere Sturmfluten am Freitag seien nicht ausgeschlossen. Der Scheitelpunkt in Hamburg-St.-Pauli sollte am Donnerstag um kurz nach 18 Uhr erreicht werden.

In Schwentinental bei Kiel richtete ein Wirbelsturm schwere Schäden an. Der Einsatzleiter der Feuerwehr sprach von einer »Schneise der Verwüstung« auf etwa 100 Meter Breite. Mehrere Häuser seien schwer beschädigt worden, Bäume seien umgestürzt und hätten Autos unter sich begraben. Verletzte gab es laut Feuerwehr nicht.

Bäume stürzen auf Haus

Die Berliner Feuerwehr rief den Ausnahmezustand aus. Seit dem Morgen habe es bereits Dutzende wetterbedingte Einsätze gegeben. In Hamburg-Ohlsdorf stürzten zwei etwa 15 Meter hohe Bäume auf ein Auto und ein vierstöckiges Mehrfamilienhaus. Verletzt wurde dabei niemand. Im Bonner Stadtbezirk Bad Godesberg kollidierte in der Nacht ein Güterzug mit einem herabgefallenen Ast auf dem Gleis.

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Sturm über Deutschland

Foto: Michael Probst / AP

Friedhart Knolle vom Nationalpark Harz warnte Touristen: »Jetzt in den Wald zu gehen, ist absolut unverantwortlich. Auch wenn der Sturm abgeflaut ist, dann können Bäume noch jederzeit umfallen.« Auf dem Brocken habe es bereits am Mittwoch unverantwortliches Verhalten gegeben, so Knolle. Bilder vom Gipfel zeigten demnach Kinder, die dort herumwirbelten und sich nicht mehr hätten halten können, sowie Erwachsene mit Kinderwagen.

In einem Streifen über der Mitte bis in den Osten und Nordosten Deutschlands war der Deutsche Wetterdienst (DWD) von schweren Sturmböen und teilweise orkanartigen Böen von bis zu 105 Kilometern pro Stunde ausgegangen. Im Bergland wurden Orkanböen mit bis zu 120 Kilometern pro Stunde erwartet.

Am Freitag sind laut DWD im Norden noch stürmische Böen, Schauer und Gewitter möglich, während sich das Wetter ansonsten beruhigt. Im Süden ist es dann in einem breiten Streifen vom Schwarzwald bis nach Ostbayern länger sonnig. Die Höchstwerte liegen zwischen 8 und 13 Grad. Es wird kühler als an den Vortagen.

ptz/dpa/AFP
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