Sturmtief »Ylenia« über Deutschland Deutsche Bahn stellt Fernverkehr in mehreren Bundesländern ein

»Ylenia« fegt über Deutschland, das nächste Orkantief ist im Anmarsch. Die Deutsche Bahn reagiert. An der Nordseeküste gilt eine Sturmflutwarnung, die Lufthansa annulliert Flüge.
Im Bergischen Land wurden zwei geparkte Lkw und ein Pkw stark beschädigt, als ein Baum auf die Fahrzeuge stürzte

Im Bergischen Land wurden zwei geparkte Lkw und ein Pkw stark beschädigt, als ein Baum auf die Fahrzeuge stürzte

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Tim Oelbermann / imago images/Tim Oelbermann

Wegen des Sturms mit Orkanböen hat die Deutsche Bahn den Fernverkehr in mehreren Bundesländern eingestellt. In Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg verkehren keine Züge des Fernverkehrs, wie die Bahn am Donnerstagmorgen mitteilte. Auswirkungen gebe es auch in anderen Bundesländern.

Auch im Regionalverkehr komme es zu Zugausfällen und Verspätungen. In Niedersachsen sei aufgrund der Sturmschäden südlich von Hamburg kein Zugverkehr möglich. Wegen des noch andauernden Sturms ist mit weiteren Störungen zu rechnen.

Sturmtief »Ylenia« hat zunächst vor allem den Norden und Osten Deutschlands getroffen. Die Feuerwehren und Polizeileitstellen berichteten am frühen Donnerstagmorgen von zahlreichen Einsätzen. Größere Schäden blieben bisher aber aus.

Zuvor hatte der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach für Mittwochabend bis Donnerstagabend Unwetterwarnungen  hauptsächlich für die nördliche Hälfte des Landes herausgegeben.

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  • Die Feuerwehr Berlin rief am frühen Donnerstagmorgen wegen »Ylenia« den Ausnahmezustand aus. Seit zwei Uhr sei ein starker Anstieg an wetterbedingten Einsätzen zu verzeichnen. Mehrere Freiwillige Feuerwehren seien in den Dienst gerufen worden, um die Berufsfeuerwehr zu unterstützen. In Lichterfelde seien beispielsweise drei Bäume auf mehrere parkende Autos gefallen und auch ein Lichtmast sei mitgerissen worden. Meldungen von Verletzten liegen aus Berlin bisher aber nicht vor.

  • In Brandenburg ist die Feuerwehr in vielen Landkreisen im Dauereinsatz. Bisher seien aber noch keine witterungsbedingten Verkehrsunfälle bekannt, wie ein Sprecher der Feuerwehr am Donnerstagmorgen sagte. In den Landkreisen Cottbus, Spree-Neiße, Oberspreewald-Lausitz, Dahme-Spreewald und Elbe-Elster sei es in der Nacht zu Donnerstag zwischen 1 Uhr und 5.30 Uhr zu etwa 150 Einsätzen wegen umgefallener Bäume gekommen. Besonders in den Landkreisen Elbe-Elster und Oberspreewald-Lausitz seien viele Bäume auf die Fahrbahn gefallen. Betroffen waren auch die Landkreise Frankfurt (Oder), Oder-Spree und Märkisch Oderland.

  • In Nordrhein-Westfalen blockierten Bäume vereinzelt Nebenstrecken im Raum Dortmund. Vorübergehend war demnach die Verbindung Dortmund-Münster betroffen. Landesschulministerin Yvonne Gebauer (FDP) sagte den Unterricht ab. Auch in mehreren Regionen Niedersachsens oder etwa Bayerns sollen Schülerinnen und Schüler am Donnerstag wegen der Wetter-Gefahren zu Hause bleiben. In Kleve am Niederrhein zerstörte der Wind am Mittwochabend eine Corona-Teststation. Das Zelt des Drive-in-Testzentrums in Nordrhein-Westfalen (NRW) hielt dem Sturm nicht stand, wie die Feuerwehr mitteilte. Verletzt wurde demnach aber niemand.

  • Am Flughafen Hamburg fallen am Donnerstag rund ein Dutzend Flüge aus. Betroffen sind Verbindungen von und nach München, Frankfurt, Kopenhagen, Zürich und Istanbul, wie eine Sprecherin des Airports mitteilte. Dies seien Flüge verschiedener Airlines. Der Hamburger Fischmarkt ist am frühen Donnerstagmorgen erneut überflutet worden. »Am Pegel St. Pauli wurde gegen 5 Uhr ein Wert von 1,98 Meter über dem mittleren Hochwasser (MHW) gemessen«, sagte ein Sprecher des Sturmflutwarndienstes des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg. An der Nordseeküste spricht das BSH ab 1,5 Meter über MHW von einer Sturmflut. Von einer schweren oder sehr schweren Sturmflut wird erst ab Werten von 2,5 beziehungsweise 3,5 Meter gesprochen. Zwischen Bremen und Hamburg stürzte bei Buchholz ein Baum auf die Gleise. Ein ICE musste deshalb umgeleitet werden, wie ein Bahnsprecher sagte. Wegen Sturms bleibt der Hamburger Tierpark Hagenbeck am Donnerstag geschlossen.

  • Im Raum Oldenburg rückten die Feuerwehren seit dem Mittwochabend zu vielen Einsätzen aus, vor allem um umgekippte Bäume zu beseitigen. Die Großleitstelle Oldenburg registrierte bis zum Donnerstagmorgen rund 190 Feuerwehreinsätze. Auf einer Autobahnbrücke bei Oldenburg hat eine Sturmböe einen Lastwagen erfasst und umgekippt.

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  • In Schleswig-Holstein gab es eine Sturmflut. In Husum, am Eidersperrwerk und in Büsum beispielsweise lagen die Hochwasserwerte am frühen Donnerstagmorgen über 1,5 Meter über dem mittleren Hochwasser. Genaue Zahlen liegen bisher nicht vor.

  • In Mecklenburg-Vorpommern wurde die Rügenbrücke gesperrt. Kurz nach Mitternacht habe man den Verkehr über die Brücke einstellen müssen, hieß es in einer Meldung des Landesamts für Straßenbau und Verkehr MV. In der Nacht sei auf der Brücke eine Windgeschwindigkeit von 115 km/h gemessen worden, Donnerstagmorgen seien es noch 85 km/h gewesen. Erst wenn sich die Wetterlage beruhigt habe, könne die Rügenbrücke wieder geöffnet werden. Zunächst könne man die Insel nur über eine Umleitung über den Rügendamm mit dem Auto erreichen.

  • Umgekippte Bäume haben zahlreiche Straßen im Harz unpassierbar gemacht. Wie die Polizei mitteilte, versperrten besonders im Oberharz umgekippte Bäume die Fahrbahnen und sorgten für viele Polizeieinsätze. Besonders stürmisch war es in der Nacht auf dem exponiert liegenden Brocken. Bei Goslar seien am frühen Morgen elf Straßen unbefahrbar gewesen. Die Aufräumarbeiten hätten bereits begonnen und der Verkehr laufe langsam wieder an, sagte eine Sprecherin der Polizei in Braunlage. Menschen seien nicht verletzt worden. Vereinzelt sei es zu Sachschäden an Häusern und Leitplanken gekommen.

  • In Bayern ist bei Tausenden Haushalten der Strom ausgefallen. Allein der größte Stromnetzbetreiber des Freistaats, Bayernwerk Netz, verzeichnete 10.000 Betroffene, wie ein Sprecher am Donnerstagmorgen sagte. Meist wurde die Versorgung demnach schnell wieder hergestellt. Ursache für die Ausfälle seien häufig auf Leitungen gestürzte Bäume. Wie lange es dauere, den Strom wiederherzustellen, hänge vom konkreten Schaden ab. Unter anderem komme es darauf an, ob man die beschädigte Leitung durch veränderte Schaltungen im Netz umgehen könne.

Außerdem sollten am Donnerstag vorsorglich zahlreiche Zoos geschlossen bleiben, etwa in Berlin, Wuppertal und Magdeburg. Auch viele Skigebiete stellten sich auf die Orkantiefs ein. Bereits am Mittwoch stand etwa die Fichtelberg Schwebebahn in Sachsen still. Wegen der Baumbruchgefahr sollen einige Loipen gesperrt werden. In vielen Städten wurden die Wochenmärkte für Donnerstag abgesagt.

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»Ylenia« fegt über Deutschland

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Daniel Bockwoldt / dpa

Die Hochwasserstände an der niedersächsischen Nordseeküste blieben zum Teil niedriger als erwartet. Anders als für Schleswig-Holstein und Hamburg hatte das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) hier auch nicht vor einer Sturmflut gewarnt. Es wurde allerdings mit Pegelständen etwa ein Meter höher als das mittlere Hochwasser (MHW) gerechnet. Auf Borkum lagen die Wasserstände nach Angaben eines BSH-Sprechers mit etwa 84 Zentimetern über dem mittleren Hochwasser darunter. Auf Norderney stieg das Wasser demnach auf 1,01 Meter über MWH. In Emden wurden Werte von 1,15 Metern erreicht und in Wilhelmshaven von 1,09.

Die Deutsche Bahn riet, sich online über Verspätungen oder Zugausfälle zu informieren.  Sie erklärte zudem, dass für Donnerstag und Freitag Kulanzregelungen für die Gültigkeit bereits gekaufter Fernverkehrstickets gelten würden. Möglich seien eine flexiblere Nutzung über mehrere Tage oder kostenfreie Stornierungen.

Die Lufthansa strich vorsorglich 20 Flüge, wie das Unternehmen in der Nacht mitteilte. Reisenden wurde empfohlen, sich auf der Website der Airline über den Status ihres Fluges zu informieren. Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt am Main sind nach Betreiberangaben  Verbindungen mit Berlin, Hamburg und München betroffen.

Das nächste Orkantief ist schon im Anmarsch

Ab Donnerstagnachmittag soll der Wind von Tief »Ylenia« laut DWD zwar langsam nachlassen. Die Pause dürfte jedoch nur kurz sein: Bereits für Freitagmittag wird das nächste Orkantief – »Zeynep« – von den Britischen Inseln kommend erwartet.

Laut DWD wird wahrscheinlich wieder vor allem die nördliche Hälfte des Landes betroffen sein. Doch die Prognosen seien hierbei nicht ganz sicher: »Die Modelle haben da immer noch sehr unterschiedliche Simulationen«, sagte der Pressesprecher und Meteorologe Andreas Friedrich am Mittwoch. Die Wetterlage sei sehr dynamisch.

Bereits Ende Januar war das Sturmtief »Nadia« mit gefährlichen Böen über Nord- und Ostdeutschland gefegt und hatte Millionenschäden verursacht. Nach Ansicht von Friedrich sind die jetzigen Stürme, was die Windspitzen angeht, mit Tief »Nadia« vergleichbar. Die aktuelle Lage sei aus seiner Sicht allerdings brisanter, »weil wir eine Kette von Sturmtiefs haben«.

kha/aar/dpa/AFP

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