Sturm und Hagel Heftige Unwetter fegen über Deutschland hinweg

Krachende Gewitter, murmelgroße Hagelkörner, Erdrutsche: Nach heftigen Regenfällen sind viele Straßen in Deutschland unpassierbar. Und die Prognosen sind düster - es wird noch mehr Unwetter geben. Schon jetzt sind die Schäden beachtlich.

dapd

Berlin - Starke Gewitter und heftige Regenfälle haben in mehreren Teilen Deutschlands erhebliche Schäden angerichtet. In Hamburg fegten am Montagnachmittag heftige Hagelschauer über die Straßen, zahlreiche Keller liefen voll.

Die Feuerwehr war im Dauereinsatz - sie wurde unter anderem ins Rathaus und in die Innenbehörde gerufen, wo Technikräume voller Wasser waren. Auch die Staatsoper oder das berühmte Hotel Atlantic waren betroffen. Wer mit dem Boot auf der Alster war, rettete sich an Land. Laut dem "Hamburger Abendblatt" musste sogar die Europapassage, ein großes Einkaufszentrum im Herzen der Stadt, geräumt werden.

An Unterführungen wie etwa am Hauptbahnhof lief das Wasser "sturzbachmäßig runter", sagte ein Sprecher der Feuerwehr. "Die gesamte Stadt ist betroffen. Wir haben Ausnahmezustand." Ein Mann wurde vom Blitz getroffen und kam schwer verletzt ins Krankenhaus.

Auto- und Fahrradfahrer kamen auf den überfluteten Straßen kaum vorwärts. Wasser drückte viele Gullydeckel hoch. An einer Hauptverkehrsachse drohte die Fassade eines Gebäudes einzustürzen.

In Rheinland-Pfalz trat durch starken Regen ein Bach im Landkreis Mayen-Koblenz an mehreren Stellen über die Ufer und verursachte einen Erdrutsch. Die Schlammmassen blockierten eine nahegelegene Landstraße. Sie wird nach Angaben der Polizei für einige Tage unpassierbar bleiben.

In Hessen musste die Feuerwehr zu Hunderten Einsätzen ausrücken, weil durch starke Niederschläge selbst kleine Bäche innerhalb weniger Minuten zu reißenden Flüssen angeschwollen waren. In Alsfeld schwoll der kleine Fluss Berf am Sonntagabend innerhalb von 20 Minuten zu einem Strom mit 60 Metern Breite an und riss Brücken und Fahrzeuge weg. Die Schäden gehen nach Polizeiangaben in die Hunderttausende Euro. Eine Frau wurde vom Wasser mitgerissen und konnte leicht verletzt gerettet werden. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) registrierte in Alsfeld 101 Liter Regen pro Quadratmeter. "Das ist fast das Doppelte der üblichen Monatsmenge", sagte Meteorologe Helmut Malewski. Wegen Überflutung musste sogar die nahe gelegene Autobahn A5 gesperrt werden.

In ganz Hessen mussten sich die Hilfskräfte neben weggerissenen kleinen Brücken und fortgeschwemmten Fahrzeugen vor allem um vollgelaufene Keller kümmern. Örtlich fielen auch Strom- und Telefonverbindungen aus. In Frankfurt brannte ein Dachstuhl völlig aus. Die Feuerwehr vermutet einen Blitzeinschlag als Ursache.

Unwetter mit starkem Regen führten am Sonntagnachmittag in Franken zu zahlreichen Einsätzen von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk. Allein im Raum Aschaffenburg liefen etwa hundert Keller voll, wie die Polizei mitteilte. Schlamm und Geröll überschwemmten in der Gemeinde Leidersbach die Hauptstraße. Die Aufräumarbeiten mit Radladern und einem Schneepflug der Straßenmeisterei zogen sich bis in die Nacht hin.

Eine 13-Jährige starb am Sonntagabend in Königswinter bei einem Unwetter in Nordrhein-Westfalen. Das Mädchen wurde von einer einstürzenden Gartenmauer begraben, teilte die Polizei mit. Bei einem schweren Gewitter im nordrhein-westfälischen Mechernich wurden mindestens 30 Hirsche aus einem Wildpark vom Blitz erschlagen. "Die meisten Tiere waren auf der Stelle tot", sagte Besitzer und Wildhüter Albert Stobbe. "Ein Blitz jagte den anderen, eine Stunde lang." Besucher fanden die ersten toten Tiere.

Deutscher Wetterdienst warnt vor unwetterartigen Gewittern

Es sind derzeit keine geschlossenen Fronten, die Deutschland überqueren. Die Gewitter entstehen vielmehr lokal, denn es gibt kaum Wind: Die feucht-heiße Luft steigt hoch, das darin enthaltene Wasser kondensiert in der Höhe, es bilden sich Gewitterzellen. Eine erhöhte Unwetter-Gefahr sehen die Meteorologen für den Niederrhein, das Sauerland und das Weserbergland.

Der Deutsche Wetterdienst warnte vor unwetterartigen Gewittern. Stellenweise soll es innerhalb von einer Stunde mehr als 25 Liter pro Quadratmeter regnen. Auch mit Hagel und schweren Sturmböen müsse gerechnet werden, hieß es. Besonders betroffen sein sollen Teile von Bayern, Rheinland-Pfalz, Hessen und Niedersachsen.

Die Prognosen sind wenig freundlich: Erst am Mittwoch soll sich das Wetter allmählich wieder beruhigen. Feuchte Luft vom Mittelmeer lässt bis dahin vielerorts die Unwettergefahr steigen. Am Dienstag setzt sich den Prognosen zufolge im Norden und Westen allmählich kühlere Luft durch. Ansonsten dauert im größten Teil des Landes die schwülwarme Witterung noch an. Vor allem in einem Streifen von Rheinland-Pfalz über die Mitte hinweg bis in den Nordosten entwickeln sich erneut Schauer und Gewitter, die lokal begrenzt wieder kräftig ausfallen und von Starkregen, Hagel und Sturmböen begleitet sein können. Die Tageshöchstwerte liegen zwischen 20 Grad an der Nordsee und 28 Grad im äußersten Osten.

In der Nacht zum Mittwoch kann es im Süden und Südwesten erneut gewittern. Die Temperatur sinkt auf 18 bis 11 Grad. Am Mittwoch kommt es zunächst im Süden und Westen, später dann im ganzen Land zu Schauern und Gewittern. Besonders stark sind sie am Nachmittag und am Abend in der Osthälfte Deutschlands. Im Westen regnet es noch gelegentlich. Im Osten werden noch einmal 24 bis 28 Grad erreicht, sonst liegen die Höchstwerte nur noch zwischen 18 und 23 Grad.

Am Donnerstag regnet es im Osten noch zeitweise. Sonst ist es teils heiter, teils wolkig und nur ganz vereinzelt gibt es noch Schauer. Die Tageshöchsttemperaturen liegen meist zwischen 17 und 21 Grad.

ala/dapd/dpa



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Seite 1
Kalaharry 06.06.2011
1. Aufpassen hilft!
Zitat von sysopKrachende Gewitter, murmelgroße Hagelkörner und Erdrutsche: Nach heftigen Gewittern sind viele Straßen in Deutschland unpassierbar. Die Prognosen sind schaurig: Es wird noch mehr Unwetter geben. Schon jetzt sind die Schäden beachtlich. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,766975,00.html
Sturm und Unwetter sind völlig normale Phänomene. Wenn es noch mehr davon gibt... wer ist wohl "schuld" daran? Am besten, man paßt auf, wohin man baut. Dann passiert einem schon nichts.
Leto_II., 06.06.2011
2. einen Titel
Zitat von sysopKrachende Gewitter, murmelgroße Hagelkörner und Erdrutsche: Nach heftigen Gewittern sind viele Straßen in Deutschland unpassierbar. Die Prognosen sind schaurig: Es wird noch mehr Unwetter geben. Schon jetzt sind die Schäden beachtlich. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,766975,00.html
Genau, reden wir über das Wetter.
gsm900, 06.06.2011
3. Bankfurt ist mal wieder leer ausgegangen
Zitat von sysopKrachende Gewitter, murmelgroße Hagelkörner und Erdrutsche: Nach heftigen Gewittern sind viele Straßen in Deutschland unpassierbar. Die Prognosen sind schaurig: Es wird noch mehr Unwetter geben. Schon jetzt sind die Schäden beachtlich. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,766975,00.html
die konnten sich das auch nicht leisten.
tengri_lethos, 06.06.2011
4. Was ist los?
Zitat von sysopKrachende Gewitter, murmelgroße Hagelkörner und Erdrutsche: Nach heftigen Gewittern sind viele Straßen in Deutschland unpassierbar. Die Prognosen sind schaurig: Es wird noch mehr Unwetter geben. Schon jetzt sind die Schäden beachtlich. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,766975,00.html
Was ist los mit SPON? Was heißt denn hier "Unwetter"? Da muss stehen "Nach EHEC jetzt Unwetterkatastrophe in Deutschland! Alle Experten ratlos! Kachelmann wieder ins Fernsehen?" Dann fühlt man sich wenigstens wieder heimisch hier.
crocodil 06.06.2011
5. Hier im
Odenwald (Bergstraße), hat es nur getröpfelt. Ansonsten, wenn es unwetteratige Gewitter gibt - was solls - lebe am Hang und der Regen fliesst ab!! Seit vor Jahren, die Wettervorhersage sich mal geirrt hat, wird jetzt langsam alles zu Unwettern dramatisiert.
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