Sturmopfer in Burma Staatschef lässt sich erstmals in der Katastrophenzone blicken

Seltsame Premiere in Rangun: Der Chef der burmesischen Militärjunta hat zwei Wochen nach dem Wirbelsturm erstmals das Katastrophengebiet besucht - doch auf Hilfe warten viele vergeblich. Nun rückt die Uno dem Regime zu Leibe - Generalsekretär Ban Ki Moon wird noch in dieser Woche nach Birma fliegen.


Rangun - Sollte der Besuch symbolischen Charakter haben, kommt er viele Tage zu spät: Am Sonntag, zwei Wochen nachdem Zyklon "Nargis" weite Teile Burmas verwüstete, machte sich der Chef der Militärjunta, General Than Shwe, erstmals in die am schlimmsten betroffenen Gebiete auf. Der 75-Jährige wurde vom Staatsfernsehen bei einem Rundgang durch Notlager in einem Vorort von Rangun gezeigt.

Junta-Chef Than Shwe: Erster Besuch nach zwei Wochen
DPA

Junta-Chef Than Shwe: Erster Besuch nach zwei Wochen

Die Hauptstadt war eine der von dem Sturm am meisten betroffenen Regionen, am schlimmsten wütete der Zyklon jedoch im Irrawaddy-Delta südwestlich von Rangun. Than Shwe war dem Bericht zufolge am Sonntag aus dem Regierungssitz der Junta in der abgelegenen Dschungelstadt Naypyidaw nach Rangun geflogen.

Auf Hilfe warten Hunderttausende Menschen aber noch immer. Nun greifen die Vereinten Nationen ein: UN-Generalsekretär Ban Ki Moon werde noch in dieser Woche persönlich nach Birma fliegen, um die vom Zyklon " Nargis" verwüsteten Gebiete des Irrawaddy-Deltas besuchen, erklärte eine UN-Sprecherin am Sonntag in New York. Die Militärjunta habe Bans Reiseplänen zugestimmt.

Eine bedeutsame Wende: Bisher hatte sich der Staatschef General Than Shwe in den vergangenen zwei Wochen standhaft geweigert mit Ban am Telefon zu sprechen oder auf dessen Briefe zu antworten. Der UN-Generalsekretär wird am Mittwoch in der birmanischen Wirtschaftsmetropole Rangun eintreffen. Ob Ban dabei auch mit dem Staatschef zusammen treffen wird, war zunächst unklar.

Der Uno-Koordinator John Holmes traf bereits in Rangun ein, um die Hilfsbemühungen für die rund zwei Millionen Menschen voranzutreiben, die durch den Sturm Hab und Gut verloren haben. Nach Angaben der burmesischen Behörden kamen bei dem Zyklon, der am 2. und 3. Mai über das Land zog, rund 78.000 Menschen ums Leben, fast 56.000 Menschen gelten als vermisst.

Holmes soll sich am Montag mit Vertretern der Regierung treffen und ins Irrawaddy-Delta reisen, sagte Dan Baker, Uno-Vertreter in Rangun. Holmes wurde demnach am Flughafen von Burmas Vize-Außenminister Kyaw Thu empfangen. Burmas Generäle stehen international in der Kritik, weil sie nur zögerlich westliche Helfer zur Versorgung der notleidenden Bevölkerung ins Land lassen.

Die seit 46 Jahren herrschenden Militärs haben wiederholt erklärt, sie hätten die Lage im Griff. Holmes will bis Mittwoch in Burma bleiben, um sich ein Bild von der Lage in den Katastrophengebieten zu machen. Auch Ban selbst will in der kommenden Woche nach Burma kommen. Die Lage der Überlebenden nach einer der schlimmsten Naturkatastrophen in Asien wird immer dramatischer: So geht die Uno davon aus, dass Lebensmittel von außerhalb nicht einmal ein Drittel jener 750.000 Menschen erreichen, die am meisten Hilfe benötigen. Werde dort nicht schnell geholfen, drohe Tausenden Kindern binnen Wochen der Tod.

"Wir schließen nichts aus"

Der britische Premierminister Gordon Brown warf den Militärs unterdessen eine unmenschliche Haltung vor. Seine Regierung erwäge daher, Hilfsgüter aus der Luft abzuwerfen. "Wir schließen nichts aus, weil wir wollen, dass die Hilfe das Volk direkt erreicht." Gleichwohl äußerte der britische Asien-Minister Mark Malloch-Brown Zuversicht, die Militärs durch Gespräche zum Einlenken bewegen zu können. Es werde an einer Lösung unter Leitung der Vereinten Nationen und asiatischer Länder gearbeitet, sagte er.

Vor der Küste Burmas kreuzen amerikanische und französische Kriegsschiffe, um die notleidende Bevölkerung zu versorgen. Beide Länder machen den Start von Hilfsflügen aber von der Zustimmung der Militärs abhängig. Trotz aller Zuversicht schloss Malloch-Brown aus, dass Burma eine größere Anzahl ausländischer Helfer ins Land lassen wird.

Diesen Eindruck gewann auch der EU-Vertreter Bernard Delpuech bei einer für Diplomaten arrangierten Reise in das Katastrophengebiet. Der die ausländischen Vertreter begleitende burmesische Minister sei bei jeder Gelegenheit gebeten worden, mehr Hilfe ins Land zu lassen. Die Antwort sei stets die gleiche gewesen: "Ja, sie sind dazu bereit - aber sie wollen keine Leute, durch die neue Probleme entstehen." Die Generäle hätten vor den Diplomaten zwar nichts verborgen, wohl aber die gezeigten Plätze sorgfältig ausgewählt.

cjp/ffr/AFP/Reuters

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