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Sturmtief Daisy: Land unter in Norddeutschland

Foto: Carsten Rehder/ dpa

Sturmtief "Daisy" Schnee und schwere See setzen der Küste zu

"Daisy" hat Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern unter Schnee begraben. Die durch den Sturm aufgepeitschte Ostsee unterspülte auf Fehmarn und an der Küste zwei Deiche, selbst Sandsäcke konnten die Flut nicht mehr stoppen. Der stramme Wind schob das Wasser bis in die Flensburger und Lübecker Innenstadt hinein.

Hamburg - Land unter in großen Teilen Norddeutschlands: In Schleswig-Holstein haben Helfer am Sonntagnachmittag mit Problemen an zwei Deichen gekämpft. Wie ein Sprecher der Polizeidirektion Lübeck sagte, wurden sowohl auf der Ostseeinsel Fehmarn als auch in Dahmeshöved an der Küste Deiche unterspült. Es bestehe zwar derzeit keine akute Dammbruchgefahr, doch konnte auch noch keine Entwarnung gegeben werden.

In Dahmeshöved an der Küste zwischen Lübeck und Fehmarn waren nach der Deichbruchgefahr vom Morgen Ausbesserungsarbeiten veranlasst worden. Dann kam jedoch die Unterspülung hinzu. Die Sprecherin des Kreises Ostholstein, Anja Sierks-Pfaff, erklärte: "Sandsäcke haben hier nicht mehr ausgereicht. Wir mussten große Findlinge und Steine herbeischaffen, um die Anlage zu sichern." Die Wellen seien derart heftig auf die Wallanlagen getroffen, dass der Deich nicht standhalten konnte.

Einsatzkräfte der Feuerwehr und freiwillige Helfer mühten sich seit den frühen Morgenstunden, gegen das Problem anzugehen.

Am Sonntagnachmittag sah es so aus, als habe Sturmtief "Daisy" am heftigsten auf der komplett eingeschneiten Ostseeinsel Fehmarn gewütet. Dort fiel der Strom aus, nachdem der Sturm über das flache Land gerast und sämtliche Dörfer mit Schnee eingeschlossen hatte. Der Deich am Fehmarnsund ist an zwei Stellen unterspült, einmal auf 15 und einmal auf 25 Meter Länge. besonders problematisch war daran, dass man an die betroffenen Stellen auf der Meeresseite kaum herankommen kann.

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"Daisy": Deutschland versinkt im Schnee

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Zudem kommen die Helfer auf der Insel auch mit Räum- und sonstigen Hilfsgeräten kaum vorwärts. Befahrbar war auf Fehmarn nach wie vor nur die E47, die sogenannten Vogelfluglinie zum Fährhafen Puttgarden, ganze Ortsteile waren wegen der völlig zugeschneiten anderen Straßen nicht erreichbar und somit von der Außenwelt abgeschnitten. Auf der Insel war zeitweise auch der Strom ausgefallen, der inzwischen aber nach Polizeiangaben wieder funktioniert.

"Es herrscht bei uns das absolute Schneechaos"

Gleichermaßen schlimm traf es Mecklenburg-Vorpommern. "Es herrscht bei uns das absolute Schneechaos", sagte Christoph Krohn, Sprecher des Katastrophenstabs des Landkreises Ostvorpommern und der Stadt Greifswald. "Unsere Räum- und Notdienste sind mit diesen Bedingungen überfordert, und Wetterbesserung ist zunächst nicht abzusehen." Auf den Inseln Rügen und Usedom sowie den Halbinseln Fischland, Darß, Zingst und dem küstennahen Festland brach der Verkehr fast völlig zusammen.

Schon am Samstagnachmittag war hier der öffentliche Nahverkehr weitgehend eingestellt worden. Trotz pausenlosen Einsatzes der Winterdienste konnten nicht einmal die Hauptverkehrswege frei gehalten werden. Sogar auf der Küstenautobahn A 20, die immer vorrangig geräumt wird, ging streckenweise gar nichts mehr.

Maik Bischoff vom Technischen Hilfswerk (THW) in Wolgast berichtete, Hunderte Menschen in den Autos, darunter Familien mit Kindern, mussten bis zu acht Stunden ausharren. Viele konnten nicht einmal mehr die Tür öffnen, weil der Schnee bis zu den Fenstern reichte. Bei ihrer Bergung seien sie teils unterkühlt und verängstigt gewesen. In Notunterkünften wurden sie versorgt.

Auch in Lübeck-Travemünde sah es zeitweise dramatisch aus: "Die Wellen der Ostsee peitschen gegen die steinerne Strandpromenade, reißen mit ungeheurer Wucht Ziegelsteine aus der Mauer, die dann unkontrolliert herumfliegen", teilte die Polizei mit. In Lübeck stieg der Pegel auf 6,50 Meter, das Wasser trat über die Ufer und flutete die Straßen und Gassen der historischen Altstadt. "In der Nacht hat es hier so stark gestürmt, das habe ich lange nicht erlebt", sagte Anwohner Boris Schätzle.

"Es wird weiterhin Schneefall geben, wenn auch eher schauerartig und nicht mehr so intensiv", sagte Meteomedia-Meteorologe Andreas Wagner SPIEGEL ONLINE. Das Problem sei, dass der starke Wind vorerst anhalte - an der Küste gebe es weiterhin schwere Böen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 100 Stundenkilometern. Erst gegen Montagabend lasse der Wind deutlich nach.

Die Kinder in Mecklenburg-Vorpommern haben am Montag schulfrei

Nach dem Schneesturm in Norddeutschland findet in Mecklenburg-Vorpommern am Montag keine Schule statt. Das Landesbildungsministerium habe für alle Landkreise und kreisfreien Städte schulfrei gegeben, teilte das Innenministerium am Sonntag in Schwerin mit. Schnee und starker Wind hatten in der Nacht zu Sonntag den Verkehr in Mecklenburg-Vorpommern fast vollständig zum Erliegen gebracht. Die Behörden mahnten alle Bürger, möglichst zu Hause zu bleiben und Auto- oder Bahnfahrten zu vermeiden.

Zwar sorgte das Sturmtief auch in Hamburg für zusätzliche Einsätze der Feuerwehr, größere Schäden oder Verletzte gab es aber nicht. Die Feuerwehr rückte wegen abbrechender Schneewechten, Eiszapfen und Ästen aus, wie ein Sprecher berichtete.

Auf den Straßen Hamburgs sei derweil alles ruhig, hieß es aus dem Lagezentrum. Die Stadtreinigung war zeitweise mit mehr als 1000 Einsatzkräften unterwegs, so dass der Verkehr durch den zudem nur geringen Neuschnee wenig beeinträchtigt wurde. "Schneetief "Daisy" ist in Hamburg als "lahme Ente" gelandet", kommentierte die Stadtreinigung die freien Straßen.

jjc/DAPD/dpa
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