Sturmtief "Egon" Schnee von heute

Stromausfall in Bayern, Rutschpartien auf Straßen, ICEs mit gedrosseltem Tempo: Tief "Egon" lässt Deutschland mit Stürmen und Schneefall den Winter spüren. Die Polizei warnt vor chaotischen Zuständen.


Im Auto, im Lkw, im Zug, im Flugzeug - ganz gleich, wie man derzeit in Deutschland unterwegs ist: Die Auswirkungen von Sturmtief "Egon" sind zu spüren. Zum Beispiel im Westen Hessens, wo die Polizei ein Verkehrschaos meldet. Es sei zu zahlreichen Unfällen gekommen, bei denen auch Menschen verletzt worden seien.

In Baden-Württemberg gab es mehr als 400 Polizeieinsätze. Meist ging es um umgestürzte Bäume, umgewehte Bauzäune und Verkehrsschilder. Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Heilbronn sprach von teils chaotischen Zuständen auf den Straßen.

In Nordrhein-Westfalen blieben die befürchteten Schneemassen in den frühen Morgenstunden aus: Dort brachte "Egon" vor allem Wind und Regen. "Ein Grad kälter und wir hätten das Chaos gehabt", sagte der Meteorologe Thomas Gerwin vom Deutschen Wetterdienst.

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Wetter: Ach, "Egon"

Im Sauerland und in der Eifel bereitete Schneefall Lastwagenfahrern indes erhebliche Probleme. Auf der Autobahn 45 sollten Lastzüge mit mehr als 7,5 Tonnen Gewicht den nächstgelegen Parkplatz ansteuern, empfahl die Autobahnpolizei in Nordrhein-Westfalen.

Zwischen Lüdenscheid und Freudenberg bei Siegen liege eine geschlossene Schneedecke auf der Fahrbahn, hieß es weiter. Die Auffahrten seien für Lastwagen nicht mehr passierbar. Die Unfallsituation sei "zurzeit zwar unkritisch, es ist jedoch mit massiven Verkehrsbehinderungen zu rechnen", warnte die Polizei. Verschneite Straßen gibt es auch in der Eifel.

"Egon" hatte Deutschland in der Nacht von Westen her erreicht. Im Saarland und in Rheinland-Pfalz fegte der Wind teils mit Orkanstärke über das Land und entwurzelte Bäume. Es kam zu Verkehrsbehinderungen und Stromausfällen. Es habe seit Mitternacht massive Probleme mit dem Sturm gegeben, sagte ein Sprecher des Lagezentrums in Saarbrücken.

In Teilen Niedersachsens legte das Tief den Verkehr lahm. Im Emsland stellten sich Laster quer und Autos rutschten in Gräben.

Die Lufthansa musste bis Freitagvormittag allein am Frankfurter Flughafen mehr als 120 Starts und Landungen absagen und erwartete für den Tagesverlauf noch weitere Flugausfälle. Die Deutsche Bahn reduzierte die Höchstgeschwindigkeit ihrer ICE-Züge auf maximal 200 Stundenkilometer, was zu Verspätungen im Fernverkehr führte. Zudem kam es in fast allen Bundesländern zu Beeinträchtigungen mit Zugausfällen und -verspätungen im Regionalverkehr.

Die Strecke Hannover-Bremen musste wegen Unwetterschäden gesperrt werden, zwischen Frankfurt und Würzburg gab es ebenfalls Sperrungen. Betroffen waren auch die Strecke zwischen Karlsruhe und Mannheim sowie Verbindungen in Hessen und Bayern.

In Mittelfranken und Unterfranken verursachte das Sturmtief Stromausfälle, weil umgestürzte Bäume oder abgebrochene Äste in mehreren Landkreisen Stromleitungen beschädigten. Zahlreiche Haushalte seien von den Störungen betroffen, teilte der Energieversorger N-Ergie mit. Über die Zahl der insgesamt betroffenen Haushalte konnte das Unternehmen keine Angaben machen.

Derweil bleibt die Lawinenlage in den deutschen Alpen angespannt. Oberhalb der Waldgrenze herrsche weiterhin erhebliche Lawinengefahr und damit die dritte der fünf Warnstufen, teilte der Lawinenwarndienst Bayern mit. Schon einzelne Skifahrer könnten Schneebrettlawinen auslösen, warnten die Experten. Eine nur geringe Gefahr gibt es dagegen in den tieferen Lagen - abgesehen von den Allgäuer Alpen, wo unterhalb der Waldgrenze mäßige Lawinengefahr herrscht.

Am Wochenende dürften vor allem im Hochland winterliche Bedingungen herrschen. Doch der starke Wind könnte Wintersportlern und Spaziergängern auch dann noch den Spaß verderben. Mehr über das Wetter erfahren Sie hier, über Unwetterwarnungen informieren wir an dieser Stelle.

ulz/dpa/AFP

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