Sudan Entführte europäische Touristen sind frei

Elf Tage waren sie in der Gewalt der Entführer, nun sollen sie in Sicherheit sein: Die in Ägypten verschleppten europäischen Touristen sind nach Angaben des italienischen Außenministers frei. Das Auswärtige Amt in Berlin hat den Bericht noch nicht bestätigt.


Kairo - Die in Ägypten entführten elf europäischen Touristen sind nach Angaben ägyptischer Staatsmedien frei: Die fünf Deutschen, fünf Italiener und eine Rumänin sowie ihre acht ägyptischen Begleiter seien wohlauf und in Sicherheit. Der italienische Außenminister Franco Frattini bestätigte die Freilassung nach Berichten des italienischen Fernsehsenders Sky TG 24. Frattini wollte allerdings noch keine Angaben über ihren Gesundheitszustand machen: "Unsere Mitbürger und die anderen Geiseln sind befreit worden", sagte der Minister. "Wir überprüfen gerade ihren Gesundheitszustand."

Das Auswärtige Amt bestätigte die Freilassung der entführten Sahara-Touristen noch nicht. Er rate zur Vorsicht, sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Jens Plötner. Sobald es gesicherte Erkenntnisse "mit Hand und Fuß" gebe, werde sich das Auswärtige Amt äußern.

Wüstengebiet 400 Kilometer westlich von Kairo: Die europäische Reisegruppe war am 19. September dieses Jahres überfallen und in den Sudan verschleppt worden
DPA

Wüstengebiet 400 Kilometer westlich von Kairo: Die europäische Reisegruppe war am 19. September dieses Jahres überfallen und in den Sudan verschleppt worden

Wo sich die elf Sahara-Reisenden und ihre acht Begleiter aufhalten, ist noch unklar.

Aus Sicherheitskreisen in Kairo hieß es, sie seien derzeit im Südwesten Ägyptens und würden bald mit einer Militärmaschine zu einem kleinen Flughafen der Streitkräfte in der Nähe von Kairo gebracht. Ob sie freigelassen wurden oder befreit wurden, blieb zunächst unklar.

Bewaffnete Angreifer hatten die Reisegruppe am 19. September in einer abgelegenen Wüstenregion im Süden Ägyptens entführt. Anschließend waren die Geiseln im Grenzgebiet zwischen Ägypten, Libyen, dem Sudan und dem Tschad hin und her verschleppt worden.

Angeblich forderten die Entführer ein Lösegeld in Höhe von sechs Millionen Euro. Die Federführung bei den Verhandlungen mit den Entführern hatte die Bundesregierung übernommen.

Vom Auswärtigen Amt in Berlin gibt es zur Stunde noch keine Bestätigung der Freilassung.

Die sudanesische Regierung hatte am Sonntag erklärt, nach einem Gefecht zwischen sudanesischen Soldaten und den mutmaßlichen Kidnappern seien die elf Touristen und ihre acht ägyptischen Begleiter in den Tschad verschleppt worden. Bei dem Gefecht seien sechs Entführer getötet und zwei festgenommen worden.

Der Botschafter des Tschad in Washington, Mahmud Adam Baschir, hatte entsprechende Berichte allerdings dementiert.

Der italienische Außenminister Frattini sagte am Montag, bei dem Schusswechsel habe es sich nicht um eine Befreiungsaktion des sudanesischen Militärs gehandelt. Die Geiseln wären nicht am Ort der Schießerei gewesen. Die Soldaten hätten geschossen, weil eine Gruppe von Männern an einem Kontrollpunkt nicht angehalten hätte.

pad/AFP/AP

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