Fährunglück in Südkorea Funkverkehr zeigt Chaos bei Crew und Schiffsüberwachung

Weshalb ließ die Crew der vor Südkorea gesunkenen Fähre die Passagiere nicht sofort evakuieren? Abschriften des Funkverkehrs legen nahe: Die Kommunikation zwischen Schiff und Hafen verlief konfus, überlebenswichtige Informationen wurden verschwiegen.

Verunglückte Fähre "Sewol" (am Mittwoch): "Das habe ich nicht gemeint"
AP/ South Korea Coast Guard

Verunglückte Fähre "Sewol" (am Mittwoch): "Das habe ich nicht gemeint"


Seoul - Noch immer werden rund 240 Menschen im Innern der gesunkenen Fähre "Sewol" vor der südkoreanischen Hafenstadt Jindo vermutet. Inzwischen konnten Taucher 25 Leichen aus dem Wrack ziehen, die Zahl der geborgenen Toten des Schiffsunglücks erhöhte sich damit auf 58.

Gleichzeitig wächst die Wut der Angehörigen auf die Verantwortlichen - ebenso wie das Unverständnis von Fachleuten: Wieso veranlasste der Kapitän die Evakuierung der Passagiere - mehrheitlich Schulkinder - nicht sofort? Und wieso hat die Crew die Passagiere nicht angewiesen, sich auf dem Schiffsdeck zu versammeln, sondern wies sie an, unter Deck zu bleiben, womit das Schiff zur Todesfalle wurde?

Nun hat sie Küstenwache Abschriften des Funkverkehrs zwischen der Schiffscrew und dem Vessel Trafic Services Center, ein der Flugsicherung vergleichbares Schiffsüberwachungssystem, im Hafen Jindo veröffentlicht. Sie belegen, wie unentschlossen die Verantwortlichen an Bord agierten, wie konfus die Kommunikation mit dem Hafen war - und dass die Crew womöglich lebensrettende Informationen nicht erhielt.

Etwa eine halbe Stunde, nachdem die "Sewol" am Mittwochmorgen Ortszeit gefährlich in Schräglage gekommen war, teilt ein bislang noch nicht identifiziertes Besatzungsmitglied dem Hafen Jindo mit, dass es unmöglich sei, den Passagieren Anweisungen über die Lautsprecheranlage zu geben.

"Das habe ich nicht gefragt!"

Als Antwort ergeht eine klare Anweisung seitens der Schiffsüberwachung: "Selbst wenn Sie keine Lautsprecheranweisungen geben können, gehen Sie bitte an Deck und lassen die Passagiere mehr Kleidung und Rettungswesten anlegen."

Das Besatzungsmitglied will daraufhin wissen, ob die Passagiere überhaupt rechtzeitig von anderen Schiffen gerettet werden könnten, sollten sie die "Sewol" verlassen. Die Schiffsüberwachung im Hafen antwortet: "Gebt ihnen zumindest Rettungsringe und lasst sie von Bord gehen!" Das Crewmitglied insistiert: "Wenn diese Fähre Passagiere evakuiert, werden sie dann rechtzeitig gerettet werden?"

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Statt einer Antwort wiederholt der Hafen die Anweisung: "Lasst sie nicht ungeschützt gehen - gebt ihnen zumindest Rettungsringe und lasst sie von Bord!" Dann geht er auf die Frage von der "Sewol" ein, hat sie aber offenbar nicht richtig verstanden: "Der Kapitän sollte die Entscheidung selbst treffen und sie evakuieren. Wir kennen die Situation nicht gut genug. Der Kapitän sollte die endgültige Entscheidung treffen und entscheiden, ob Sie die Passagiere evakuieren oder nicht."

"Das habe ich nicht gefragt", antwortet die "Sewol". "Ich habe gefragt: Wenn sie jetzt evakuiert werden, können sie rechtzeitig gerettet werden?" Die Frage ist durchaus berechtigt, denn in dem Gebiet herrschen starke Strömungen.

US-Experten werfen Crew falsche Entscheidung vor

Doch erst jetzt geht der Hafen auf die Frage ein: Patrouillenboote seien binnen zehn Minuten zur Stelle. Allerdings verschweigt der Hafen womöglich lebensrettende Informationen - ein anderes Schiff befand sich bereits in unmittelbarer Nähe und hatte dem Hafen nur zehn Minuten zuvor mitgeteilt, dass es alle Evakuierten aufnehmen könne. Davon erfährt die Crew der "Sewol" allerdings nichts.

Doch auch wenn die Mannschaft der Fähre vom Hafen Jindo nicht gut informiert wurde und sich möglicherweise viel zu lange auch deshalb nicht zu einer Evakuierung der Passagiere durchrang, können Experten ihre Entscheidungen nicht nachvollziehen - insbesondere die Anweisung, unter Deck zu bleiben. "Wenn man ihnen gar nichts gesagt hätte, wären sie von allein an Deck gekommen, um zu sehen, was gerade passiert", sagt Mario Vittone, der früher Schiffsunglücke für die US-Küstenwache untersuchte.

Aus Vittones Sicht hätte die Crew die Passagiere bereits zu Sammelpunkten auf dem Deck rufen sollen, als noch nicht sicher war, ob das Schiff überhaupt sinken und ob eine Evakuierung nötig werden würde oder nicht. Selbst wenn sich der Vorfall im Nachhinein als harmlos herausgestellt hätte, wären die Passagiere im schlimmsten Fall der Unannehmlichkeit ausgesetzt gewesen, einige Minuten auf dem Deck zu stehen.

Regierung ruft Katastrophenzonen aus

Noch immer ist die Strömung an der Unglücksstelle stark. Taucher versuchen dennoch, in die Fähre vorzudringen, um Überlebende zu finden, auch wenn die Aussicht darauf minimal ist, dass Passagiere in einer Luftblase mehrere Tage überleben konnten. Stattdessen ziehen sie nach und nach Tote aus dem Wrack. Freunde und Angehörige nehmen in Trauerfeiern Abschied von den ersten gefundenen Todesopfern.

Am Sonntag hat die südkoreanische Regierung den Landkreis Jindo sowie die Stadt Ansan in der Nähe der Hauptstadt Seoul zu Sonder-Katastrophengebieten erklärt. Unter den 475 Insassen waren 325 Oberschüler aus Ansan. Die Maßnahme gibt den betroffenen Gemeinden wie auch den Familien der Unfallopfer Anspruch auf staatliche Sonderhilfen.

fdi/AP/Reuters/dpa

insgesamt 111 Beiträge
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Seite 1
gamh 20.04.2014
1. Gab es auf diesem Schiff ...
... keine Rettungsboote, Rettungsinseln? Augenscheinlich hat sich die Besatzung incl. Kapitän noch dümmlicher verhalten, als seinerzeit Schettino - das soll was heissen! Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen der Todesopfer. gamh
seoul 20.04.2014
2. Katastrophe
Niemals werde ich mich im Korea auf solche Anweisungen verlassen.an muss den Kopf selbst einschalten. Die Schüler waren leider folgsam, wie man ihnen gelehrt hat, das war dann der sichere Tod. Dem Kapitän sollte man zur Übung im eine sehnliche Situation versetzen, Schiff sinkt , er muss in die Kabine unter Deck und alle gehen von Bord. Erst dann lernt er, worum es geht. Er hat sich der vorsätzlichen Tötung vieler Jugendlicher schuldig gemacht.
nichtsalsverdrus 20.04.2014
3. Gestört?
"Gestört" ist hier wohl eher der Forist...
FrankZimmermann 20.04.2014
4.
Glauben Sie nicht vielleicht eher, daß die meisten der Vermissten nach "Diego Garcia" verschleppt wurden, weil von diesen jemand ein Patent hält, auf das die Rothschilds scharf sind? Das sollten die Medien mal beleuchten. Mal im Ernst, wie kommen Sie auf so einen Schwachsinn?
Hans58 20.04.2014
5.
Kaum wird hier ein Unglücksfall zur Diskussion gestellt, kommen die ersten Verschwörungstheoretiker an Deck! Was lässt Sie annehmen, dass der Funkverkehr gestört und dann noch von Nordkorea gestört worden sei? Allem Anschein zu Folge war die gesamte Crew der Fähre überfordert!
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