Südpazifik Heftige Beben lösen Tsunami-Warnungen aus

Drei schwere Erdbeben haben den Südpazifik erschüttert. Die Erdstöße ereigneten sich zwischen dem Inselstaat Vanuatu und den Salomonen-Inseln. Die Behörden riefen für weite Teile des Pazifik eine Tsunami-Warnung aus - doch es blieb bei kleinen örtlichen Flutwellen.

Epizentrum des ersten Bebens: 295 Kilometer nördlich Vanuatus im Südpazifik
Reuters

Epizentrum des ersten Bebens: 295 Kilometer nördlich Vanuatus im Südpazifik


Wellington - Innerhalb rund einer Stunde haben sich im Südpazifik am Donnerstagmorgen drei schwere Erdbeben ereignet: das erste der Stärke 7,8 um 00.03 Uhr MESZ, 15 Minuten später das zweite der Stärke 7,3, und ein drittes um 01.13 der Stärke 7,1. Die Epizentren lagen in unmittelbarer Nähe auf halbem Weg zwischen den Salomonen-Inseln und Vanuatu. Das Tsunami-Warnzentrum auf Hawaii gab sofort eine weitreichende Tsunami-Warnung für die Region heraus, die kurz darauf auch auf Australien, Neuseeland und Indonesien erweitert wurde. Rund zwei Stunden später wurden alle Warnungen zurückgenommen, vor Vanuatu hätten sich lediglich kleine Wellen gebildet. Berichte über Schäden lagen zunächst nicht vor.

Vanuatu besteht aus 83 Inseln, auf denen 200.000 Menschen leben. In der Region liegen zahlreiche Inselstaaten wie Tuvalu, die teilweise nur wenige Meter über dem Meeresspiegel liegen.

Das Epizentrum des ersten Bebens lag etwa 300 Kilometer nordwestlich der Insel Santo in einer Tiefe von 35 Kilometern, seine Stärke wurde mit 7,8 angegeben. Das Epizentrum des zweiten Bebens lag ebenfalls in 35 Kilometer Tiefe, nicht weit entfernt von der ersten Erschütterung. Seine Stärke wurde mit 7,3 beziffert.

"Das könnte allenfalls lokal kleinere Tsunamiwellen ausgelöst haben"

Nach ersten Auswertungen der Messdaten sei ein verheerender Tsunami auszuschließen, erklärte schon bald ein deutscher Experte auf den Fidschi-Inseln. "Die Wellen vor den Salomonen-Inseln und vor Vanuatu lagen nur 15 bis 20 Zentimeter über normal", sagte Michael Bonte-Grapentin, Spezialist für Gefahrenbewertung bei der Geowissenschaftskommission für den Pazifik, der Deutschen Presse-Agentur. "Das könnte allenfalls lokal kleinere Tsunamiwellen ausgelöst haben."

"Wir sind ein bisschen besorgt über die Insel Gaua", sagte Bonte-Grapentin, der seit sechs Jahren auf den Fidschi-Inseln arbeitet. Dort gebe es einen aktiven Vulkan, der durch das Beben ausbrechen könne.

Bewohner flüchteten in höhergelegene Gebiete

In der Hauptstadt von Vanuatu, Port Vila, flüchteten die Bewohner nach der Warnung aus den Küstenregionen in höhergelegene Gebiete. Nach Angaben eines Mitarbeiters der französischen Botschaft waren die Beben in Port Vila nur kurz zu spüren. Auf den Fidschi-Inseln wurden die Bewohner tiefer gelegener Landstriche in Sicherheit gebracht. Es herrschte höchste Tsunami-Alarmstufe. Büros und Schulen wurden geschlossen, das Zentrum der Hauptstadt Suva wurde von Soldaten und Polizisten abgesperrt. Die Behörden empfahlen Hotels, Touristen in höhergelegene Regionen zu bringen.

Auch im 500 Kilometer südwestlich von Vanuatu gelegenen Neukaledonien wurden nach Behördenangaben Schulen evakuiert und die Menschen mit Hilfe von Sirenen zum Verlassen der Küstengebiete aufgefordert. Auch in Tuvalu forderte die Polizei die Küstenbewohner auf, sich ins Landesinnere zu begeben. Die Behörden in Neuseeland warnten Angaben von Radio Neuseeland zufolge die Bevölkerung davor, sich an Stränden und Küsten aufzuhalten.

Wenn zwei Stunden nach dem geschätzten Eintreffen eines Tsunamis keine Flutwellen oder mindestens zwei Stunden lang keine zerstörerischen Wellen beobachtet würden, könnten die örtlichen Behörden davon ausgehen, dass die Gefahr vorüber sei, erklärte das Tsunami-Warnzentrum auf Hawaii.

Weiteres Beben im Pazifischen Ozean

Bereits um 23.41 Uhr MESZ hatte ein Beben tief unter der Erde in der Celebes-See im Pazifischen Ozean nahe der Philippinen stattgefunden. Die US-Geologiebehörde (USGS) gab dessen Stärke mit 6,7 an.

Erst vor am 29. September hatte ein Tsunami nach einem Beben der Stärke 8,1 den Inselstaat Samoa im Südwestpazifik überrollt und etwa 180 Menschen in den Tod gerissen. Einen Tag später erschütterte ein Beben die indonesische Insel Sumatra, die Zahl der Toten wird auf über tausend geschätzt.

wit/AP/AFP/dpa/Reuters



insgesamt 197 Beiträge
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Seite 1
Joachim Baum 30.09.2009
1.
Ampeln, Verkehrsschilder, Leitplanken, Navi, StVO und Flensburg - Unfälle und Staus sind doch an der Tagesordnung. Wenn schon menschengemachte Probleme nicht hundertprozentig in den Griff zu bekommen sind, wie dann Naturphänomene?
SeltenPoster 30.09.2009
2. Hilfe!
Wenn man sowas liest: "Von einer Anhöhe aus sahen sie, wie zwei riesige Wellen, geschätzte sechs Meter hoch, mit mehr als 5000 Kilometern pro Stunde den Süden von Samoas Hauptinsel Upulo erreichten." dann scheinen viele Menschen (Spiegelredakteure leider eingeschlossen) noch nicht einmal die physikalischen Grundlagen der Ausbreitung von Wasserwellen zu kennen.
FatherMacKenzie 30.09.2009
3.
Zitat von sysopBei dem Tsunami auf Samoa wurden mehr als hundert Menschen getötet, viele konnten sich in Sicherheit bringen - hat die Welt aus der Katastrophe von 2004 die richtigen Schlüsse gezogen? Sind wir nun besser gerüstet?
Offensichtlich nicht. Daher: Tsunamis verbieten und aus die Laube!
Rübezahl 30.09.2009
4. Die Technik haben wir
Die Technik zur Vorwarnung haben wir, nur die armen Länder können sich die Installation nicht leisten. Hier muss Entwicklungshilfe ansetzen !
The Godfather 30.09.2009
5.
Zitat von SeltenPosterWenn man sowas liest: "Von einer Anhöhe aus sahen sie, wie zwei riesige Wellen, geschätzte sechs Meter hoch, mit mehr als 5000 Kilometern pro Stunde den Süden von Samoas Hauptinsel Upulo erreichten." dann scheinen viele Menschen (Spiegelredakteure leider eingeschlossen) noch nicht einmal die physikalischen Grundlagen der Ausbreitung von Wasserwellen zu kennen.
noch nicht einmal das, sowas aber auch.
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