Südsudan Eine Viertelmillion Kinder vom Hungertod bedroht

Laut einem Uno-Bericht sind im Bürgerkriegsland Südsudan 250.000 Minderjährige akut vom Hungertod bedroht. Schon jetzt ist jedes dritte Kind stark unterernährt. Die Arbeit für Hilfsorganisationen vor Ort wird immer schwieriger.

Flüchtlinge stehen fürs World-Food-Programm an: Tausenden droht Hungersnot
REUTERS

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"Jedes dritte Kind ist ernsthaft unterernährt und 250.000 sind vom Hungertod bedroht", heißt es in einem am Dienstag in der Hauptstadt Juba veröffentlichten Bericht des Uno-Koordinators für humanitäre Hilfe im Südsudan, Toby Lanzer.

"Vor sechs Monaten haben wir gedacht, die Gewalt und das Leiden haben einen Höhepunkt erreicht und dass der Frieden kommt. Wir haben uns getäuscht", schreibt Lanzer. Die Unnachgiebigkeit der Konfliktparteien rücke einen Frieden in weite Ferne, "der Krieg geht weiter und ist dabei, zu einem wirtschaftlichen Zusammenbruch zu führen".

Seit der Loslösung vom Sudan im Jahr 2011 kämpfen im Südsudan rivalisierende bewaffnete Gruppen. Ende 2013 mündete der Machtkampf zwischen Präsident Salva Kiir und seinem ehemaligen Stellvertreter Riek Machar in einen Bürgerkrieg. Friedensverhandlungen zwischen den Konfliktparteien scheiterten bislang. Laut Uno-Angaben wurden in dem Konflikt bereits Zehntausende Menschen getötet.

Bei den jüngsten Kämpfen wurden in großem Umfang Häuser in Brand gesteckt, Schulen und Krankenhäuser zerstört, wurde massenhaft Vieh gestohlen und die Infrastruktur etwa zur Trinkwasserversorgung vernichtet, heißt es in dem Bericht. Die verfeindeten Gruppen gäben sich "keine erkennbare Mühe, zwischen militärischen und zivilen Zielen zu unterscheiden". Außerdem seien in dem Bürgerkrieg bereits mehr als ein Dutzend Mitarbeiter von Hilfsorganisationen getötet sowie Hilfskonvois überfallen worden. Die Täter kämen ungestraft davon.

Uno-Koordinator Lanzer war erst vor Kurzem aus dem Südsudan ausgewiesen worden. Die Regierung in Juba begründete dies damit, dass der britische Diplomat mit einer Warnung vor einem Zusammenbruch des Landes zu weit gegangen sei.

Das Uno-Büro zur Koordinierung humanitärer Hilfe (Ocha) erklärte, man brauche umgerechnet 1,45 Milliarden Euro, um die Versorgung der bedürftigen Bevölkerung im Südsudan zu garantieren. Insgesamt sind hier zwei Drittel der zwölf Millionen Einwohner auf Hilfe angewiesen. 4,6 Millionen von ihnen seien von schwerer Unterernährung bedroht.

Die USA sagten am Dienstag den Menschen im Südsudan Hilfen mit einem Umfang von 113 Millionen Dollar zu. Zugleich rief das Außenministerium in Washington alle Konfliktparteien auf, die sinnlose Gewalt sofort zu beenden.

ala/AFP



insgesamt 18 Beiträge
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MarkusH. 17.06.2015
1. 1% der Schulden Griechenlands?
? verwenden und die betroffenen Kinder bekommen sogar ne Gesundheitsabsicherung und Schulbildung. toll wofür man das Geld sinnvoll verwenden könnte
Leserkwelle 17.06.2015
2. Das Problem des Südsudan
liegt einzig und allein im wahnwitzigen Machtkampf zwischen Präsident Salva Kiir und seinem ehemaligen Stellvertreter Riek Machar. Es geht um Macht, Rohstoffe, Geld - nicht um den Auifbau eines hoffnungsvollen neuen Staates, der aus eigener Kraft lebensfähig wäre. Rücksichtslos wurden die jeweiligen Ethnien gegeneinander aufgehetzt, die sich gegenseitig massakrieren und die sich gerade entstehende Infrastruktur zerstören. Hier entsteht ein weiterer failed state, bevor es überhaupt zur nation building dieses von der "internationalen Gemeinschaft" hochgepuschten Kunstgebildes gekommen ist. Während ein völlig sinnloser Bürgerkrieg tobte, weilten die Warlords wohlversorgt von westlichen Sponsoren wochenlang in Luxushotels in Addis Abeba, um immer wieder mit neuen Friedensvereinbarungen, die das Papier nicht Wert waren, auseinanderzugehen. Eine Ächtung der verantwortlichen "Führer" inkl. Einreiseverboten in westliche Länder, Sperrung und Konfiszierung der Privatkonten, Einziehung aller Vermögenswerte sind die einzigen Mittel, um diesem Treiben ein Ende zu setzen - von Waffenlieferungen ganz zu schweigen. Statt dessen wird wieder lauthals nach Hilfsgeldern geschrieen, die natürlich wieder zuim grössten Teil in dunklen Kanälen versickern werden. Es ist immer wieder dasselbe Drama - eigentlich zum Verzweifeln! Geld allein ist nicht die Rezeptur!
misteronionhead 01.07.2015
3.
und ich sitze hier gerade vollgefressen und lese diesen Artikel...
Rainer Helmbrecht 01.07.2015
4.
Zitat von misteronionheadund ich sitze hier gerade vollgefressen und lese diesen Artikel...
Für mic h ist es schlimmer, denn ich lese die Artikel von Kindern die sich selbst beim Essen bremsen sollen, weil sie sonst zu fett werden. Sie bewegen sich zu wenig, die Kinder der sogenannten 3. Welt bewegen sich wesentlich mehr, schon deshalb, weil sie auch in die 1.Welt wollen. Sie schwimmen z.B. über das Mittelmeer, bis zur Erschöpfung, bis zum Tod, aber sie werden nicht ernährt, weil die 1. Welt das nötige Geld gerade in Abwehrmaßnahmen steckt und in die Flotten, mit denen man diese Kinder auf Abstand hält. MfG. Rainer
markus_wienken 01.07.2015
5.
Zitat von Rainer HelmbrechtFür mic h ist es schlimmer, denn ich lese die Artikel von Kindern die sich selbst beim Essen bremsen sollen, weil sie sonst zu fett werden. Sie bewegen sich zu wenig, die Kinder der sogenannten 3. Welt bewegen sich wesentlich mehr, schon deshalb, weil sie auch in die 1.Welt wollen. Sie schwimmen z.B. über das Mittelmeer, bis zur Erschöpfung, bis zum Tod, aber sie werden nicht ernährt, weil die 1. Welt das nötige Geld gerade in Abwehrmaßnahmen steckt und in die Flotten, mit denen man diese Kinder auf Abstand hält. MfG. Rainer
Und wie genau soll eine Lösung mit langfristig erfolgreicher Perspektive aussehen? Fakt ist, dass die Bevölkerung in Afrika sich ernorm vergrößern wird. Heute und morgen werden wir mit den Flüchtlingen (egal ob bedingt durch Krieg oder Armut) noch umgehen können. Aber bei der zu erwartenden Bevölkerungsexplosion auf diesem Kontinent mit der damit zwangsläufig verbundenen Wanderungsbewegung wird Europa irgendwann nicht umhin kommen und sich abschotten müssen um nicht unterzugehen. (An eine grundlegende Änderung in Afrika selbst glaube ich nicht.) Wie gesagt, nicht heute und nicht morgen aber der Tag wird kommen.
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