Hilfsgüter im Katastrophengebiet Hoffnung für Tacloban

Bis zum Abend sollen sämtliche Taifun-Opfer mit Hilfsgütern versorgt werden - das jedenfalls verspricht die philippinische Regierung. Tatsächlich kommt die Versorgung Taclobans nun besser in Gang. Und Helfer berichten von einem kleinen Wunder.


Tacloban - Lange sah die Welt ungläubig zu, wie schleppend die Hilfen für die Überlebenden von Taifun "Haiyan" anliefen. Quälend langsam kamen Lieferungen mit dem Allernötigsten in die Katastrophenregion. Jetzt allerdings bemüht sich die Regierung der Philippinen, positive Nachrichten zu verbreiten. Verteidigungsminister Voltaire Gazmin versprach nach einer Krisensitzung, spätestens am Donnerstag würden Einsatzkräfte alle Betroffenen mit Hilfsgütern erreichen.

Die Chancen dazu stehen nicht schlecht. Der US-Flugzeugträger "USS George Washington" erreichte inzwischen die Gewässer vor der Insel Leyte, mit 5000 Marinesoldaten und mehr als 80 Flugzeugen und Hubschraubern an Bord. Mit den Maschinen soll die Verteilung der Hilfsgüter in abgelegene Regionen des Notstandsgebiets deutlich beschleunigt werden.

Schon jetzt berichtet ein Reporter der Nachrichtenagentur AP von Soldaten, die im Stadtgebiet von Lastwagen aus Reis und Trinkwasser verteilen (aktuelle Bilder aus Tacloban finden Sie in unserer Galerie). Arbeiter beseitigen Trümmer und angeschwemmtes Holz von den Straßen. Noch in der Dunkelheit landeten zwei Transportflugzeuge vom Typ Lockheed C-130 in Tacloban - seit dem Taifun sind es die ersten Landungen bei Nacht; wohl ein Zeichen, dass der schwer beschädigte Flughafen jetzt wieder rund um die Uhr angeflogen werden kann.

Flughafen als Nadelöhr

Wichtig ist das vor allem für den Transport von Hilfsgütern; bislang blieben viele Lieferungen in Manila und auf der Nachbarinsel Cebu hängen, per Flugzeug nicht einmal 45 Minuten von Tacloban. Auch die Helfer, die die Lieferungen verteilen sollen, sitzen oft dort fest.

"Wir müssen Nahrung und Wasser heranschaffen, das hat oberste Priorität", sagte die Nothilfekoordinatorin der Vereinten Nationen, Valeria Amos, nach einem Besuch in Tacloban. "Im Laufe des Tages wird noch sehr viel mehr hereinkommen, aber selbst das reicht nicht aus."

Unterdessen wehrte sich die Regierung in Manila gegen Vorwürfe, die Notversorgung sei nicht schnell genug angelaufen. Das Ausmaß der Katastrophe sei einfach überwältigend gewesen. Den Katastrophenhelfern fehlten zudem Lastwagen, um die Hilfsgüter zu verteilen. Das Infrastrukturministerium appellierte daher an Unternehmer, Lkw zur Verfügung zu stellen.

Rotes Kreuz: 22.000 Menschen vermisst

Die Zahl der Todesopfer steht bislang offiziell bei 2357, doch diese Zahl wird vermutlich noch deutlich steigen. Die meisten Toten gibt es offenbar in den Küstenregionen der beiden Inseln Leyte und Samar zu beklagen. Nach Angaben des Roten Kreuzes liegt die vorläufige Zahl der Vermissten bei 22.000. Es sei aber gut möglich, dass einige dieser Personen bereits wieder aufgetaucht seien, hieß es.

Verteidigungsminister Gazmin sagte, die Bergung der Leichen habe jetzt Priorität. Die Trümmerberge behinderten jedoch die Arbeiten. "Wir wissen, dass es noch Gegenden gibt, in denen Tote unter den Trümmern vermutet werden", fügte er hinzu.

Unterdessen finden in Tacloban erste Bestattungen in Massengräbern statt. Auf einem Friedhof außerhalb der Stadt legten Arbeiter am Donnerstagmorgen etwa 30 Tote in Leichensäcken in eine Grube und schütteten sie zu. Gebete gab es keine. "Ich hoffe, es ist das letzte Mal, dass ich so etwas sehe", sagte Bürgermeister Alfred Romualdez. Nach Behördenangaben werden allerdings schon jetzt weitere Massengräber ausgehoben, eines für rund tausend Opfer.

Essen verteilen oder Leichen aufsammeln

"Es ist beängstigend", sagte Bürgermeister Romualdez über die Situation in seiner Stadt. Oft kämen Anfragen aus der Bevölkerung, jemand von der Verwaltung solle vorbeikommen und die Leichen an einer bestimmten Straßenecke abholen. "Sie sagen, da liegen fünf oder zehn. Und wenn wir hinkommen, sind es vierzig." Vor allem der Mangel an Lastwagen stelle die Verantwortlichen oft vor die Wahl: "Man muss sich überlegen, ob man einen Laster zum Verteilen von Essen benutzt - oder zum Aufsammeln von Leichen", sagte Romualdez.

Doch auch fünf Tage nach dem Sturm ziehen die Helfer nicht nur Tote aus dem Schutt. So kam am Mittwoch ein 13-jähriges Mädchen mit tiefen Schnittwunden ins Krankenhaus von Tacloban. Es war seit dem Taifun unter den Trümmern ihres Hauses eingeklemmt gewesen. Die BBC zeigte das völlig verstörte Mädchen. Seine ganze Familie sei umgekommen, und es habe neben den Leichen seiner Eltern und Geschwister ausgeharrt, berichtete der Sender.

rls/dpa/AP/Reuters



insgesamt 8 Beiträge
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masbate 14.11.2013
1. God bless America
Das kleine Wunder schaffen die bösen Amis.Bis gestern warteten die deutschen Ärzte in Manila.Die Amerikaner haben sie nun nach Tacloban geflogen.Wir sind die stärkste Wirtschaftsnation in Europa aber können nicht 24 Helfer nach Tacloban bringen.Armes Deutschland.
X-provinzler 14.11.2013
2. Latrinen wichtiger als Massengräber!
Der Leichengeruch ist zwar extrem unangenehm, aber entgegen eines hartnäckigen Aberglaubens geht von gesunden Unfallopfern keinerlei Seuchengefahr aus. Die überhastete anonyme Massenverscharrung bringt daher für die Seuchenprophylaxe keinen Vorteil, stürzt aber die Angehörigen von Vermissten in lebenslange quälende Ungewissheit. Die Zeit für eine Aufbahrung bis zur Identifizierung und dokumentierte Beisetzung sollte daher aufgebracht werden. Viel dringlicher zur Seuchenvorbeugung ist die Bereitstellung gereinigten Wassers und die Herstellung einer geordneten Fäkalien-Entsorgung!
abc-xyz 14.11.2013
3. Wo sind die Wanne-be Supermächte? Nur Supermacht USA muss es richten
Die Katastrophe der Philippinen offenbart mal wieder, wie die Welt aufgestellt ist. Hilfe kommt überwiegend (wenn nicht komplett) aus der westlichen Welt. "Nachbarstaat" China ist weit und breit nicht zu sehen. Auch die anderen BRIC Ländern fallen durch Abwesenheit auf. Die USA müssen es wieder richten, und sie können es auch. Das sind die Momente, die klar offenbaren, dass die USA die einzige wirkliche Supermacht der Welt sind.
utada 14.11.2013
4. @masbate: Sie haben sowas von Recht!!!
Das mit den 24 Helfern ist in der Tat beschämend. Was ich fast noch schlimmer finde: die Amis, die (bis vor kurzem) fast pleite (sind bzw.) waren und außerdem bis vor kurzem nochs schwerst Government shutdown geschädigt, spenden 20 Millionen Euro oder Dollar, und das, obwohl ihre Wirtschaft nicht wirklich gut dasteht. Hinzu kommt der Flugzeugträger und die ganzen Soldaten! Die deutsche Bundesregierung, allen voran die Kanzlerin, sagte anfänglich (ich glaube am Sonntag oder Montag) gerade mal eine popelige halbe Million an Hilfen zu, erhöhte später auf eine Million, was immer noch lächerlich und geizig ist. Dazu die mit üblich monotoner Stimme dünnlippig vorgetragenen Beteuerungen, von wegen man sei "schwer erschüttert" und würde mit den Menschen der Phillippinen stehen, bla bla blubb.... Wenn ich sowas höre, habe ich das dringende Bedürfnis, mich zu übergeben! Unsere Wirtschaft steht sehr gut da im Vergleich zu vielen anderen, die deutlich mehr geben. Um es nochmal in Erinnerung zu rufen: wieviele Millionen, wenn nich Milliarden, wurden nochmal für dubiose Banken-"Rettungsaktionen" oder Hilfen für kriselnde südeuropäische Staaten ausgegeben? Locker mal das hundertfache der (ursprünglichen) Summe. Wieviel wurden in diesem Sommer für die ost- und süddeutschen Flutgebiete ausgegeben? Mit Sicherheit auch hier deutlich mehr, obwohl sich die Schäden im Vergleich zu den Phillippinen auf winzigkleine Bruchteile belaufen. Mit Sicherheit kostet allein der Betrieb und Instandhaltung des amerikanischen Flugzeugträgers mehr als die ursprünglich angebotene popelige Summe! Aber hier geht es ja nur um ein paar arme Asiaten am anderen Ende der Welt, nicht wahr?! Ich finde das Verhalten der Bundesregierung und insbesondere der Kanzlerin angesichts der phillippinischen Mega-Katastrophe nicht nur extrem geizig, sondern auch menschlich schäbig, zynisch und irgendwo auch rassistisch. Ich könnte mich nur noch aufregen!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
dr.w 14.11.2013
5. es stimmt...
die Hilfe kommt aus den USA und unabhängig von der Sympathie für die Supermacht und von dem Zweck, der dahinter steht, sollte man das anerkennen. Das Deutschland nicht so schnell helfen kann, liegt auch daran, dass Deutschland eben keine Supermacht ist, und keine Einsatzkräfte vor Ort hat!
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