Tag des Bieres Rachenputzers Rückgang

Die Deutschen trinken gerne, viel und oft – vor allem Bier. Durchschnittlich 112 Liter Gerstensaft schüttete jeder Teutone im vergangenen Jahr in sich hinein, er leerte also stattliche elf Kästen. Ein europäischer Spitzenwert, doch nichts im Vergleich zur Trinkfestigkeit unserer Vorfahren.


Hamburg - Seit tausenden Jahren wohnt der "Saufteufel" in der deutschen Seele. Der Dämon, Martin Luther prophezeite es, wütet "bis an den jüngsten Tag". So mancher Zecher wurde vom Alkohol schon "seiner sinnen unnd vernunfft beraubet", so manche arme Schlucker, "die sich teglich fullsuffen und zangk anrichteten". Ausländische Reisende im 16. und 17 Jahrhundert beobachteten mit Schrecken die Gepflogenheiten in deutschen Schankstuben: Die Trinker "sind am Zechtische selten sehr lustig und redseelig", grölten aber beständig: "Seid fröhlich!"

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Bier trinkende Politiker: Prosit, Wohlsein, Cheers!

Nicht alles also, aber immerhin einiges hat sich auf der Durststrecke bis ins dritte Jahrtausend, bis zum morgigen Tag des Bieres geändert. Während der Durchschnitts-Hamburger im 16. Jahrhundert noch 900 Liter Bier pro Jahr seine Kehle hinunterspülte, waren es im 2004 nur noch 112 Liter. Im europäischen Vergleich immer noch ein Spitzenwert, nur die Iren trinken mehr: 125 Liter Bier jährlich. Der Bierkonsum in Deutschland sinkt jedoch seit zehn Jahren beständig. 2003 wurde erstmals mehr Mineralwasser als Bier getrunken, eine Trendwende ist nicht in Sicht.


Die Gerstensaft-Zentren Deutschlands liegen im Süden und Westen des Landes. So produzierten im vergangenen Jahr 630 bayerische Brauereien insgesamt 22,5 Millionen Hektoliter Bier, während die 120 nordrhein-westfälischen Braustätten 26,7 Millionen Hektoliter erzeugten.

Marktler Papst-Bier: Gebraut nach bayerischem Reinheitsgebot
AP

Marktler Papst-Bier: Gebraut nach bayerischem Reinheitsgebot

Noch immer richten sich die Brauereien nach uralten Vorschriften. Morgen vor 489 Jahren wurde das bayerische Reinheitsgebot verkündet, weshalb dieser bundesweit und offiziell als Tag des deutschen Bieres gilt. Oder um es mit einer der Kanzler-Weisheiten zu sagen: "Hol' mir mal 'ne Flasche Bier, sonst streik' ich hier."

Jörg Diehl



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DJ Doena 22.04.2005
1.
Ich muss gestehen, dass mir Bier (Pils) noch nie so wirklich geschmeckt hat, es ist einfach zu bitter. Tschechischem Schwarzbier kann ich schon mehr abgewinnen, wäre aber auch nicht meine allabendliche Hauptgetränkequelle. Aber trotzdem eine Frage an die Biertrinker: Bier in Dosen ist ja schon fast Blasphemie, aber Bier in Plastikflaschen!?!?
Annikea, 22.04.2005
2. Bier ist etwas für dicke Opas
Bier ist einfach zu bitter, zu eintöning und es macht dick. Ich will nicht aussehen wie der Bauch meines Vaters oder meines Opas, wenn ich groß bin. Gebotene Alternativen sind einfach besser anpassbar an meinen subjektive Tagesappetit und enthalten weniger Alkhol, der ja angeblich nicht nur dick sondern auch schneller älter macht. Dazu kommt, dass man nach einem geselligen Feierabendbier auch oft noch nach Hause fahren muss, bei heutigen Alkoholgesetzen wird das einfach ein durstiger Abend. Radler und Diesel sind meine Vorstellungen von idealem Biergenuss, vielleicht noch ein Becks mit Leberwurststulle, pur bekomme ich Bier nur schwer runter...ansonsten greif ich zu Bacadie Breezer und anderen Ready to drinks - Angeboten, wo ich ausprobieren kann, jeden Abend was neues entdecken kann - Abwechslung und nicht eintönige Bitterbiere - Biermarken kann ich sowieso nur schwer unterscheiden. Bier ist was für betrunkene Fussballfans, und ich bin keiner;)
ezezagun, 22.04.2005
3. Hopfen und Malz - Gott erhalt's!
---Zitat von DJ Doena--- Aber trotzdem eine Frage an die Biertrinker: Bier in Dosen ist ja schon fast Blasphemie, aber Bier in Plastikflaschen!?!? ---Zitatende--- Ich bin Bier- und(!) Weintrinker - je nachdem. Da ich Bier weder aus der Dose noch aus der (Plastik-)Flasche trinke, sondern aus einem möglichst dünnwandigen Glas (vorzugsweise Tulpe), störe ich mich mich nicht an der Art der "Verpackung". Dosen/Plastikflaschen haben sogar einen Vorteil: Sie sind schneller zu kühlen, und der Doseninhalt ist zudem optimal vor Licht geschützt. Aus Umweltschutz-Gründen plädiere ich aber allemal für die altbewährte Glasflasche! Eine Anmerkung zum Wein: Flaschen ohne Naturkork sind mir sympathischer, denn da passiert es mir nicht, daß ich nach dem Öffnen feststelle: "Mist - die hat Kork!" Wie auch immer: MÖGE ES NÜTZEN bzw. PROSIT!
Temin, 22.04.2005
4. Bierverbrauch
Ich glaube, dass dem Verfasser dieses Artikels ein kleiner Fehler unterlaufen ist. Der höchste Bierverbrauch pro Kopf nicht nur europaweit, sondern auch weltweit ist z.Zt. mit 160 Litern in Tschechien. (http://www.bierportal.de/verbrauch_pro_kopf_europa.php) Obwohl sich dort seit 1990 auch der Weinverbrauch vervielfacht hat (wobei er aber immer nocht viel tiefer als in Westeuropa liegt), ist der Bierverbrauch auf Kosten des Weins nicht zurückgegangen.
ezezagun, 22.04.2005
5. "... ansonsten greif ich zu Bacadie Breezer ..." [Ah ja ... :-(]
---Zitat von Annikea--- Bier ist einfach zu bitter, zu eintöning und es macht dick. Ich will nicht aussehen wie der Bauch meines Vaters oder meines Opas, wenn ich groß bin. Gebotene Alternativen sind einfach besser anpassbar an meinen subjektive Tagesappetit und enthalten weniger Alkhol, der ja angeblich nicht nur dick sondern auch schneller älter macht. Dazu kommt, dass man nach einem geselligen Feierabendbier auch oft noch nach Hause fahren muss, bei heutigen Alkoholgesetzen wird das einfach ein durstiger Abend. Radler und Diesel sind meine Vorstellungen von idealem Biergenuss, vielleicht noch ein Becks mit Leberwurststulle, pur bekomme ich Bier nur schwer runter...ansonsten greif ich zu Bacadie Breezer und anderen Ready to drinks - Angeboten, wo ich ausprobieren kann, jeden Abend was neues entdecken kann - Abwechslung und nicht eintönige Bitterbiere - Biermarken kann ich sowieso nur schwer unterscheiden. Bier ist was für betrunkene Fussballfans, und ich bin keiner;) ---Zitatende--- Müßten Sie nicht um diese Zeit eigentlich in der Schule sein?! *kopfschüttel* Es grüßt ein dem Fußball gleichgültig gegenüberstehender Bier- (und Wein-)Trinker.
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