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Verstorbener Nationalheld Millionen Südafrikaner beten für Mandela

Südafrikas Regierung hat den Sonntag zum Tag des Gebets für Nelson Mandela erklärt - und Millionen Menschen sind dem Aufruf gefolgt. Sie gedachten der Freiheitsikone und beteten zugleich für eine friedliche Zukunft ihres Landes.

Johannesburg - In Südafrika haben am Sonntag Millionen Menschen ihres Nationalhelden Nelson Mandela in Trauerfeiern und Gebeten gedacht. In Kirchen, Moscheen, Synagogen und Gemeindehäusern versammelten sich im ganzen Land Trauernde, um für den "Vater der Nation" zu beten.

Vor Mandelas Haus in Johannesburg legten die Menschen Blumen, Ballons und Briefe an den 95-Jährigen nieder, der ein Symbol für das friedliche Zusammenleben von Schwarz und Weiß in dem Land mit seinen 52 Millionen Einwohnern ist. Südafrikas größte katholische Kirche in Soweto füllte sich mit Trauernden, die für Mandela und die Zukunft des Landes beteten.

"Wir beten für Mandela und die Zukunft unserer Nation", sagte Gladys Simelane beim Gottesdienst in Soweto. Viele Menschen machen sich Sorgen, dass das Land nach dem Tod des Mannes, der für seinen Kampf gegen die Rassentrennung fast drei Jahrzehnte hinter Gittern verbracht hatte, in Gewalt versinken könnte.

Pfarrer Sebastian J. Rossouw sagte über Mandela: "Er hat den Weg für eine bessere Zukunft geebnet, aber er kann das nicht allein schaffen."

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Trauer in Südafrika: Gebete für Mandela

Foto: PEDRO UGARTE/ AFP

Präsident Jacob Zuma besuchte am Sonntag einen Gedenkgottesdienst in Johannesburg. Er wurde von Mandelas Ex-Frau Winnie und Mandelas Enkel Mandla begleitet. "Wir fühlten, dass es wichtig ist, einen Tag zu haben, an dem die Südafrikaner zusammenkommen, für unseren ersten demokratischen Präsidenten beten und über sein Vermächtnis nachdenken", sagte Zuma.

Auch weiße Südafrikaner beteten für Mandela. "Seine Haltung hat den Weißen in Südafrika sehr geholfen", sagte Pfarrer Niekie Lamprecht von der niederländischen Kirche in Pretoria. "Er hat vergeben und dafür gesorgt, dass sich die Menschen sicher fühlen - in einer Zeit, als alle mit einem Krieg rechneten."

Für Dienstag ist ein offizieller Gedenkgottesdienst im Fußballstadion von Johannesburg geplant, wo Mandela 2010 bei seinem Besuch des WM-Finales bejubelt wurde. Am kommenden Sonntag wird Mandela in seinem Geburtsort Qunu beerdigt.

Zu der Trauerfeier am Dienstag haben sich US-Präsident Barack Obama und seine beiden Amtsvorgänger George W. Bush und Bill Clinton angekündigt. Auch Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon will kommen, aus Deutschland hat sich Bundespräsident Joachim Gauck angemeldet.

Die Feierlichkeiten zum Gedenken an die Freiheitsikone wird voraussichtlich zum größten Zusammentreffen von Staats- und Regierungschefs aus aller Welt seit der Beisetzung von Papst Johannes Paul II. vor acht Jahren.

syd/AP/Reuters