Not nach Taifun "Haiyan" TV-Sender meldet Gefecht zwischen Soldaten und Plünderern

Mit Schüssen versuchen Soldaten auf den Philippinen offenbar, Plünderer in Schach zu halten. Viele Überlebende von Taifun "Haiyan" suchen seit Tagen in Geschäften und Lagerhallen nach Trinkwasser und Nahrung. Nach Darstellung der Behörden sind aber auch bewaffnete Banden am Werk.

Getty Images

Tacloban - Die verzweifelte Lage im Katastrophengebiet auf den Philippinen führt offenbar zu Auseinandersetzungen mit Waffengewalt. Philippinische Soldaten haben sich laut dem TV-Sender ANC mit Bewaffneten ein Feuergefecht geliefert. Die Schüsse fielen im Dorf Abucay nahe der besonders schwer getroffenen Stadt Tacloban. Eine Bestätigung des Militärs für den Bericht gab es nicht.

Offenbar wollten die Soldaten Plünderern Einhalt gebieten, die Geschäfte und Lagerhallen auf der Suche nach Nahrung, Wasser und Medikamenten stürmen. Auf der Insel Leyte wurden Lagerhäuser des Lebensmittelkonzerns Universal Robina und der Pharmafirma United Laboratories sowie eine Reisfabrik geplündert, teilte der Leiter der örtlichen Handelskammer mit. Acht Menschen starben, als Verzweifelte ein Reislager auf der verwüsteten Insel Leyte stürmten und unter einer einstürzenden Mauer begraben wurden. Mehrere tausend Tonnen Reis wurden gestohlen.

Nach Darstellung der Behörden sind bei den Plünderungen teilweise professionelle Banden am Werk. Aber viele der Menschen handeln aus Verzweiflung. "Die Plünderungen sind keine Kriminalität. Es geht um Selbsterhalt", sagte John Lim von der Stadtverwaltung Tacloban. 90 Prozent der Stadt seien verwüstet - aber nur 20 Prozent der Bewohner erhielten Hilfe.

Seuchengefahr wird größer

Überlebende in Tacloban gruben Wasserrohre aus und beschädigten sie, um an Trinkwasser zu gelangen. "Wir haben Wasser aus einer unterirdischen Leitung geschöpft, die wir kaputtgemacht haben. Wir wissen nicht, ob es sicher ist. Wir müssen es kochen", sagte Christopher Dorano. "Aber wenigstens haben wir etwas. Viele Menschen hier sind gestorben."

Rachel Garduce aus Tacloban sagte, pro Haushalt gebe es drei Kilogramm Reis und einen Liter Wasser. Das sei nicht genug. Ihre Tante sei mit Lebensmitteln aus Manila unterwegs. "Wir hoffen, sie wird nicht überfallen."

Die Hilfe läuft an, aber es ist zu wenig und zu langsam. Je länger die Überlebenden ohne Nahrung, Wasser, Unterkünfte und medizinische Hilfe sind, desto größer wird die Gefahr, dass Seuchen ausbrechen.

Erste deutsche Helfer starten am Mittwoch

Teams aus Belgien, Japan, Israel, den USA und Norwegen kamen an, um Notkrankenhäuser zu errichten. Am Mittwochmittag soll zudem ein erster Hilfsflug von Deutschem Roten Kreuz (DRK) und Technischem Hilfswerk (THW) auf die Philippinen starten.

Die Maschine solle mit 70 Tonnen Fracht vom Flughafen Berlin-Schönefeld direkt in die am schwersten betroffene Region Cebu aufbrechen, teilten beide Organisationen mit. Das DRK liefert Zelte, Kochsets, Hygieneartikel und Plastikplanen. Vom THW werden zwei Trinkwasseraufbereitungsanlagen, ein Labor zur Wasseranalyse, Werkzeug zur Reparatur zerstörter Infrastruktur sowie Camp-Ausstattung für Einsatzkräfte zugeladen.

Wer kann, verlässt die Region. Tausende Sturmopfer versuchen, einen Platz bei einem der Flüge aus dem Katastrophengebiet zu bekommen. Auf Taclobans Flughafen kam es zum Gedränge, weil zahlreiche Menschen in einer der Militärmaschinen, die Hilfsgüter lieferten, ausgeflogen werden wollten.

"Alle sind in Panik", sagte die Militärärztin Emily Chang, die auf dem ebenfalls vom Sturm zerstörten Flughafen Verletzte versorgte. "Sie sagen, dass es kein Essen gibt, kein Wasser, sie wollen hier weg." Bislang sei die Zahl der Flüge von und nach Tacloban noch sehr "begrenzt", bestätigte ein Sprecher des internationalen Roten Kreuzes. Nur Militärmaschinen flögen derzeit die Stadt an.

"Wir brauchen Hilfe. Es geschieht nichts. Wir haben seit gestern nichts gegessen", sagte Aristone Balute. Die 81-Jährige saß wie viele andere in nasser Kleidung am Flughafen. "Es kommt keine Hilfe. Sie wissen, dass es eine Tragödie ist. Sie wissen, was wird dringend brauchen", sagte Balutes Enkelin Mylene, die ebenfalls am Flughafen ist. "Wir wissen nicht, wer das Sagen hat."

Weil die Stromversorgung zusammengebrochen ist, können nachts keine Flugzeuge landen. Laut einem Luftwaffensprecher wurden bislang rund 3000 Menschen aus der Katastrophenzone rund um Tacloban ausgeflogen. In einem provisorischen Krankenhaus neben dem zerstörten Tower des Flughafens behandeln Ärzte so gut es geht die Wunden der Verletzten. Es fehlt an allem, selbst an Tetanusimpfungen.

"Es bricht einem das Herz"

Präsident Benigno Aquinos Aussage, die Zahl von 10.000 Toten sei zu hoch, stieß bei Hilfsorganisationen auf Kritik. Die Behörden gelten bei der Bewältigung der Katastrophe als restlos überfordert.

Noch fehlen aus Dutzenden Kommunen Angaben zu Vermissten und Toten. Aus einigen Regionen ist gar nichts bekannt, weil die Kommunikation immer noch nicht wieder hergestellt ist. Und auch fünf Tage nach dem Sturm gibt es immer noch Gebiete, in die bislang keine Helfer vorgedrungen sind.

"Die Todesziffer wird wahrscheinlich steigen, weil viele Zahlen erst jetzt bekanntwerden", sagte Gwendolyn Pang, Generalsekretärin des Philippinischen Roten Kreuzes. Die Organisation selbst beziffert die Zahl der Vermissten auf rund 22.000. Die Uno geht davon aus, dass 11,3 Millionen Menschen von "Haiyan" betroffen sind. Knapp 700.000 habe der Sturm aus ihrem Zuhause vertrieben, 1217 Evakuierungszentren seien eingerichtet worden.

Ein Reporter der Nachrichtenagentur Associated Press fuhr etwa sieben Kilometer durch Tacloban und sah etwa 40 Leichen. Verwesungsgeruch hängt in der Luft. "Es bricht einem das Herz, wenn man es sieht", sagte der Luftwaffenoffizier Romeo Poquiz. "Wir haben zu wenig Personal, Expertise und Fahrzeuge, um die Leichen zu identifizieren." Solle man ein Massenbegräbnis machen? Falls man sich dafür entscheide, sei unklar, wo die Todesopfer bestattet werden sollten.

Weg des Sturms auf den Philippinen
SPIEGEL ONLINE

Weg des Sturms auf den Philippinen

ulz/Reuters/AP/AFP

insgesamt 26 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
xxbigj 13.11.2013
1. optional
1. Wenn bei uns Plünderungen wären würden die Leute auch beschossen werden. Da sind die Gesetze gleich! 2. Die Hilfe von den vielen Ländern finde ich überwältigend toll!! 3. Spielt es keine Rolle ob es 8000 oder 10000 Tote sind, den Menschen muss geholfen werden sonst werden es ganz schnell viele zehntausende Tote. Seuchen und Nahrungsmangel können bei einer Temperatur von 30 Grad schlimmste Konsequenzen haben, so das die Katastrophe eigentlich erst noch bevorsteht. Schlimme Angelegenheit!!
schwarzes_lamm 13.11.2013
2.
Zitat von sysopGetty ImagesMit Schüssen versuchen Soldaten auf den Philippinen offenbar, Plünderer in Schach zu halten. Viele Überlebende von Taifun "Haiyan" suchen seit Tagen in Geschäften und Lagerhallen nach Trinkwasser und Nahrung. Nach Darstellung der Behörden sind aber auch bewaffnete Banden am Werk. http://www.spiegel.de/panorama/taifun-haiyan-soldaten-kaempfen-gegen-pluenderer-a-933298.html
Wenn das Dasein nur noch auf das nackte "Ich" reduziert ist, tut jeder Mensch Dinge, die er vermutlich selbst nie für möglich hält.
giordano_filippo_bruno 13.11.2013
3. Militär mit Pioniereinheiten
Was ich schon während meiner Militärzeit ständig sagte, wird nun nicht mehr weg zu leugnende Wirklichkeit: Wir brauchen in der ersten Welt neben einer "schnellen Eingreiftruppe" für militärische Zwecke eine SCHNELLE Eingreiftruppe für Naturkatastrophen. Das müssen speziell ausgerüstete Pioniereinheiten sein, die Brücken bauen und Brunnen bohren können. Das kann man nicht nur dem THW überlassen. Denn: Diese Einheiten müssen von qualifizierten Kampftruppen unterstützt werden. Dass es nach Naturkatastrophen zu parodierenden Banden kommen wird, wird nicht die Ausnahme - sondern die Regel sein.
feuerwehrmann720 13.11.2013
4. Für mich völlig unfassbar
Da bewacht die Armee 129.000 Sack Reis während rings rum die die Menschen am verhungern sind. Warum werden Vorräte nicht kontrolliert verteilt ? Die Behörden sind unfähig !
rulamann 13.11.2013
5.
Zitat von sysopGetty ImagesMit Schüssen versuchen Soldaten auf den Philippinen offenbar, Plünderer in Schach zu halten. Viele Überlebende von Taifun "Haiyan" suchen seit Tagen in Geschäften und Lagerhallen nach Trinkwasser und Nahrung. Nach Darstellung der Behörden sind aber auch bewaffnete Banden am Werk. http://www.spiegel.de/panorama/taifun-haiyan-soldaten-kaempfen-gegen-pluenderer-a-933298.html
Wird schleunigst Zeit die Waffengesetze an Amerika anzugleichen, wenn es hart auf hart kommt möchte niemand unbewaffnet dastehen und sich auf irgendwelche Carepakete verlassen. Glaubt jemand der Aldi oder Lidl würde noch stehen wenn es hier nichts mehr zu fressen gibt? Verlass dich auf andere und du bist verlassen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.