Tankerunglück Experten beraten über Bergungsmöglichkeiten

Nach dem Untergang des Chemietankers "Ievoli Sun" im Ärmelkanal beraten Experten, ob und wie die gefährliche Fracht abgepumpt werden kann. Die Unglücksstelle wird ständig aus der Luft überwacht.


Die gesunkene "Ievoli Sun"
REUTERS

Die gesunkene "Ievoli Sun"

Cherbourg - An der Unglücksstelle war am Dienstagnachmittag eine 800 Meter lange und 20 Meter breite schillernde Spur entdeckt worden. Sie könnte vom Treibstoff des gesunkenen Tankers stammen. Bis zum Sonnenuntergang wurde nach Angaben der Schifffahrtsbehörden keine weitere Verschmutzung festgestellt. Neben einem französischen Minensuchboot ist nun ein Spezialschiff zu dem gesunkenen Tanker unterwegs, das versuchen soll, die Chemikalien an Bord abzupumpen.

In Cherbourg sind Krisenstäbe eingerichtet worden, um das weitere Vorgehen zu erörtern. Frankreichs Präsident Jacques Chirac will sich am Mittwoch ein Bild von der Umweltbedrohung und von den möglichen Vorsorge-Maßnahmen machen.

Der Erdölkonzern Shell Chemicals, der für 4000 der 6000 Tonnen Chemikalien an Bord verantwortlich ist, hat ebenfalls Experten an die Unglücksstelle geschickt. Ein Sprecher des Unternehmens und auch französische Wissenschaftler unterstrichen, dass die gefährlichste Chemikalie an Bord, die knapp 4000 Tonnen Styrol, bei einem Leck im Behälter an der Oberfläche verdunsten würde.

Die Umweltorganisation Greenpeace ist dagegen "äußerst beunruhigt" angesichts der Gefahr einer erneuten Umweltverschmutzung zehn Monate nach der Ölpest des Tankers "Erika", die Hunderte von Kilometern Küste verseucht hatte.

Nach Einschätzung der niederländischen Bergungsfirma Smit International, einem der größten Unternehmen der Branche, dürfte eine Hebung des Schiffes "kaum machbar" sein. Der Rumpf sei beim Aufprall auf den Meeresboden wahrscheinlich beschädigt worden, sagte der deutsche Smit-Betriebsleiter Klaus Mayer der "Kölnischen Rundschau". Da das Schiff über 50 Meter tief liege, könne man auch keine konventionell ausgerüsteten Taucher hinabschicken. Stattdessen müsse man versuchen, mit Roboterhilfe die Giftstoffe abzupumpen.



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