Tankeruntergang vor Spanien Ein Ölteppich, zehnmal so groß wie Hamburg

Nach dem Untergang des Öltankers "Prestige" treibt ein 280 Kilometer langer und 30 Kilometer breiter Ölteppich im Atlantik. Seevögel sterben einen qualvollen Tod, die Fischgründe sind bedroht. Hilfskräfte arbeiten fieberhaft, um die spanische Küste vor der Ölpest zu schützen.




Verheerende Hinterlassenschaft: Nach dem Untergang der Prestige treibt ein gigantischer Ölteppich im Atlantik
REUTERS

Verheerende Hinterlassenschaft: Nach dem Untergang der Prestige treibt ein gigantischer Ölteppich im Atlantik

La Coruña - Hilfskräfte sollen an der Küste Galiciens im Nordwesten des Landes weitere zehn Kilometer Öl-Barrieren ausbreiten, sagte Vizepremier Mariano Rajoy. Zudem will die Regierung die betroffene Gegend zum Notstandsgebiet erklären. Dies schaffe die rechtliche Voraussetzung, um weitere staatliche Hilfen und Steuererleichterungen für die geschädigten Fischer zu bewilligen. Einstimmig beschloss auch das Parlament am Abend, ein Krisenpaket vorzubereiten.

Schätzungen zufolge hat die "Prestige" bei ihrem sechstägigen Todeskampf rund 270 Kilometer vor der Küste fast 10.000 Tonnen giftiges Schweröl verloren. Der Ölteppich hat sich inzwischen auf einer Fläche von 30 mal 280 Kilometern ausgebreitet. Würde der Ölteppich eine rechteckige Fläche dieser Größe bedecken, wäre das verschmutzte Meeresgebiet bereits 8400 Quadratkilometer groß - das entpricht mehr als dem Zehnfachen der Ausdehndung der Hansestadt Hamburg (755 Quadratkilometer) und mehr als dem Dreifachen der Saarlandes (2570 Quadratkilometer).

Sollten auch die restlichen der noch rund 65.000 Tonnen Öl an Bord austreten, droht der Atlantikküste Spaniens die gewaltigste Umweltkatastrophe seit Jahrzehnten. Es wäre doppelt so viel Öl wie 1989 bei der Katastrophe der "Exxon Valdez" vor Alaska mit mehr als 250.000 getöteten Seevögeln. Sollte sich der Wind drehen, droht bei gleichbleibender Strömung auch der Nordküste Portugals eine verheerende Ölpest.

Die spanischen Behörden rechnen jedoch damit, dass das Öl wegen der niedrigen Temperaturen in fast 4000 Metern Tiefe sich verfestigen und auf dem Meeresgrund bleiben wird. Experten warnen allerdings, dass Öl an die Oberfläche gelangen könnte, sollten die Tanks bersten, ehe sich dieses verfestigt habe. Umweltschützer sprechen von einer Zeitbombe im Atlantik. Langfristig sei es unvermeidbar, dass die Ladung Giftstoffe freisetze.

Nach Einschätzung der Naturschützer hätte die Katastrophe verhindert werden können, wenn Spanien das Abpumpen des Öls in einem seiner Häfen erlaubt hätte. Zudem sei der Tanker vermutlich deshalb auseinander gebrochen und gesunken, weil er dem tagelangen Schleppmanöver nicht habe Stand halten können.

Am Dienstagmorgen war die "Prestige" in zwei Teile gebrochen
EPA/DPA

Am Dienstagmorgen war die "Prestige" in zwei Teile gebrochen

Vizepremier Rajoy verteidigte dagegen das Vorgehen der Regierung. Dank der Entscheidung, die "Prestige" so weit wie möglich aufs offene Meer zu bringen, sei das Unglück glimpflich ausgegangen. "Andernfalls stünden wir vor einer noch größeren Katastrophe."

Spanien will zudem mehrere Länder für die Ölpest zur Verantwortung ziehen. Verkehrsminister Francisco Alvarez-Cascos sagte, die Regierung prüfe rechtliche Schritte gegen Großbritannien, da der Tanker auf dem Weg in die britische Kolonie Gibraltar gewesen sei, und gegen Griechenland, wo die Reederei sitzt. Auch wolle man gegen Lettland vorgehen, wo das Schiff beladen worden sei, sowie gegen die Bahamas, unter deren Flagge es fuhr. Die "Prestige" war 26 Jahre alt und verfügte im Gegensatz zu modernen Tankern über keine doppelte Bordwand.



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.