Tanzrausch Teilnehmerrekord bei der Love Parade

Mit rund 1,5 Millionen Techno-Fans stellte die Berliner Love Parade einen neuen Teilnehmerrekord auf. Ende Juli wollen die Veranstalter mit dem Berliner Senat über die Zukunft der Rave-Party reden.

Berlin - Raver aus aller Welt haben am Samstag im Tanzrausch die deutsche Hauptstadt erobert. Bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen um 28 Grad waren 51 geschmückte Lautsprecherwagen pünktlich um 14.00 Uhr vom Brandenburger Tor im Osten und vom Ernst-Reuter-Platz im Westen gestartet.

Ralf Regitz, einer der Love-Parade-Macher, reagierte überschwenglich auf die Rekordzahl: "Das ist ein Zeichen dafür, daß wir wichtig sind." Auf der sechs Kilometer langen Parade-Strecke zogen barbusige Tänzerinnen und muskulöse Wasser-Pumpgun-Träger die Blicke auf sich. Aufklebbare Sonnenblumen-BH, luftige Männerröcke, knirschende Lederkreationen in Schwarz, glitzernde Weltraumanzüge und grün-rote, zu kleinen Hörnern frisierte Haare standen bei den Ravern hoch im Kurs. Um einen Überblick über die Menschenmassen zu bekommen, erklommen viele Fans der elektronischen Musik Laternen, Ampeln, Telefon- und Toilettenhäuschen. Auf einem der Wagen amüsierte sich ein verliebtes Hochzeitspärchen.

Die Parade-Trucks stammten aus ganz Europa. Die deutschen Szeneclubs bekamen unter anderem Verstärkung von Partymachern aus Italien, Ungarn, Tschechien und Holland. Den kleinsten Parade- Wagen hatten zwei Jungs aus Wolfsburg, die auf einem Handkarren ihre von zu Hause mitgebrachten Lautsprecher per Autobatterie betrieben.

Auf der Fuck Parade, der Gegendemonstration von Hardcore- Technoanhängern, zogen rund 2000 Fans durch die östliche Innenstadt zum Roten Rathaus. Sie protestierten gegen die Kommerzialisierung der Techno- Musik. Beim europaweit größten Einsatz des Malteserhilfsdienstes leisteten 620 Ärzte und Sanitäter in Not geratenen Ravern Erste Hilfe. Bis zum frühen Nachmittag versorgten sie rund 500 Tänzer, unter anderem wegen Kreislaufproblemen und Erschöpfungszuständen. 36 Techno-Fans wurden ins Krankenhaus gebracht. Rund 40 Raver randalierten so heftig in einer S-Bahn, daß der Zug aus dem Verkehr gezogen werden mußte.

Bei Dutzenden Partys hatten sich die Raver der Love Parade bereits in der Nacht zum Samstag in den Berliner Clubs warmgetanzt. Bei einem der größten Techno-Events stand unter dem Motto "Licht & Liebe" neben den DJ-Größen Westbam und Afrika Bambaataa auch der Love-Parade- Gründer DJ Dr. Motte höchstpersönlich am Plattenteller. Insgesamt sollten am Love-Parade-Wochenende rund 280 Techno-Partys gefeiert werden. Rund 1500 DJs aus aller Welt waren in der Stadt.

In den Tagen vor der Parade hatte in der Szene die Drohung der Veranstalter für Unruhe gesorgt, den Techno-Event künftig in einer anderen Stadt zu organisieren. Wegen des anhaltenden Streits mit den Berliner Behörden hatte DJ Dr. Motte angekündigt, die Love Parade 2000 nicht mehr in Berlin stattfinden zu lassen. Am 29. Juli wollen sich Vertreter der Love Parade und des Senats an einem runden Tisch zusammensetzen, um eine endgültige Lösung zu finden.