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"Tatort" aus Franken: Mein Kumpel, der Flüchtling

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"Tatort" im Faktencheck Kommissar Flüchtling

Schleust die Polizei verdeckte Ermittler in Flüchtlingsheime? Sind Polizisten wirklich oft rechts? Darf man auf Einbrecher schießen? Der "Tatort" im Faktencheck.

Im Franken-"Tatort" zieht Hauptkommissar Felix Voss (Fabian Hinrichs) als verdeckter Ermittler in ein Flüchtlingsheim - und gibt sich als Tschetschene aus. Anlass ist ein Brandanschlag: Ein Unbekannter hat einen Molotow-Cocktail in das Gebäude in Bamberg geworfen. Eine Bewohnerin konnte nicht entkommen, weil sie in der Speisekammer eingeschlossen war. Ein Mord, für den sich die passende Gelegenheit bot?

Im Laufe der Ermittlungen treten drei stereotype Protagonisten auf. Der Vermieter des Heims, der hohe Preise nimmt für ein heruntergekommenes Bauwerk. Ein rechter Schläger, der später als Werfer des Brandsatzes überführt wird. Und der minderjährige Syrer Basem, der seinen Bruder sucht.

Basem erhält von einem kriminellen Mitbewohner vermeintlich Informationen über seinen Bruder - und lässt sich im Gegenzug zu einem Einbruch überreden. Als die Flüchtlinge in ein Haus einsteigen, werden sie vom Eigentümer überrascht. Der alte Mann schießt mit einem Gewehr auf die flüchtenden Eindringlinge - und trifft Basem tödlich. Wie realistisch ist die Story?

Schleust die Polizei verdeckte Ermittler in Flüchtlingsheime?

Bei schweren Verbrechen ist das durchaus möglich. "Bei Verdacht auf Mord sehe ich Chancen, dass ein Richter verdeckte Ermittler zulässt", sagt der Hamburger Kriminologe Rafael Behr. Vor allem wenn auch Extremismus eine Rolle spielen könnte. Die Zustimmung eines Richters aber sei unabdingbar, eigenmächtig dürfe die Polizei nicht entscheiden.

Ziemlich unwahrscheinlich sei hingegen, sagt Behr, dass spontan ein Mitglied der zuständigen Mordkommission die Rolle übernimmt. "In der Regel stammen verdeckte Ermittler aus anderen Bundesländern, und sie werden länger vorbereitet." Der Job sei ein "eigenes Profil" innerhalb der Polizei.

Viel Wert wird auch auf eine sorgfältig geplante Legende gelegt. Was passieren kann, wenn es da Versäumnisse gibt, muss Ermittler Voss erfahren: Er fliegt auf, weil die Mitarbeiterin einer Behörde ihn - nichts ahnend - bei einem Besuch im Heim enttarnt.

Gibt es ein Problem mit Rechten in der Polizei?

Im Film wird Kommissar Voss in einer Flüchtlingsgruppe von Rechten zusammengeschlagen. Als die Streife eintrifft, raten die Polizisten von einer Anzeige ab. Sie sind erkennbar feindselig. Auch im wahren Leben gibt es immer wieder Berichte über Polizisten mit Sympathien für Rechte. Bei einer Pegida-Demo in Dresden etwa wünschte ein Beamter den Teilnehmern einen "erfolgreichen Tag".

Eva Högl, Fraktions-Vize der SPD im Bundestag, sprach im vorigen Jahr im SPIEGEL von einem "institutionellen Rassismus" in Teilen der Polizei: Die Ablehnung von Flüchtlingen sei dort "weit verbreitet". Der Bochumer Kriminologe Thomas Feltes sagt, die Polizei sei ein Spiegelbild der Gesellschaft. "Es wäre verwunderlich, wenn es dort kein rechtes Gedankengut gäbe." Von der Polizeiführung würden Aktivitäten "oftmals übersehen oder nicht ernst genug verfolgt".

Kriminologe Behr betont indes, rechte Gesinnungen von Beamten seien "kein institutionelles Problem" der Polizei. Es gebe Einzelfälle, bei denen es sich auch um kleinere Gruppen Gleichgesinnter handeln könnte.

Lassen sich mit Flüchtlingsheimen windige Geschäfte machen?

Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise hätten sich manche Anbieter von Unterkünften "eine goldene Nase verdient", sagt Kai Weber, Geschäftsführer des Flüchtlingsrats Niedersachen. Für Kommunen war es oft schwer, rasch genügend Wohnraum zu schaffen. Sie sahen sich gezwungen, hohe Preise zu zahlen. Manche Tagessätze seien "nicht akzeptabel" gewesen, sagt Weber.

In Berlin kassierte damals ein Vermieter für eine Vierzimmerwohnung 10.000 Euro pro Monat vom Land. Dabei hatte er die Wohnung selbst für 1000 Euro von einem Landesunternehmen gemietet. In Köln, so berichtete es der "Kölner Stadtanzeiger", erhielt ein Vermieter 1800 Euro für die Unterbringung eines Flüchtlingspaars. In Duisburg verdoppelte ein Besitzer eines Bürogebäudes die Miete, als er es für Flüchtlinge anbot.

Mit den sinkenden Flüchtlingszahlen hätte sich die Situation in Deutschland inzwischen entspannt, sagt Kai Weber. Das Problem überteuerter Mieten sei dadurch deutlich kleiner geworden.

Darf man auf Einbrecher schießen?

Im Jahr 2010 gab es einen Fall im niedersächsischen Sittensen, der in Teilen wie eine Blaupause für das Filmende wirkt. Damals überfielen mehrere Jugendliche einen Rentner in dessen Haus, hielten ihn auf einem Stuhl fest und raubten ihn aus. Als die Einbrecher wegen einer Alarmanlage flüchteten, griff der Rentner, ein passionierter Jäger, zur Pistole.

Mit einem Schuss in den Rücken tötete er einen 16-Jährigen, der sich bereits durch die Terrassentür gezwängt hatte. Notwehr, entschieden zunächst die Ermittler, und stellten das Verfahren ein. Die Familie des Getöteten, Flüchtlinge aus dem Kosovo, erzwangen einen Prozess. An dessen Ende wurde der Rentner wegen Totschlags verurteilt.

Grundsätzlich gilt: Wer angegriffen wird, darf sich wehren, eine Schusswaffe ist dabei nicht ausgeschlossen. Der Rentner aber, so die Richter damals, habe die Grenzen der Notwehr überschritten. Er habe keinen Warnschuss abgegeben und nicht auf weniger sensible Körperregionen gezielt. Der tödliche Schuss sei nicht erforderlich gewesen, um den Angriff abzuwehren.

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