Reaktionen auf Tebartz-Auszeit "Narben bleiben zurück"

Franz-Peter Tebartz-van Elst bleibt im Amt, muss jedoch eine Auszeit nehmen - das hat Papst Franziskus entschieden. Während Bischöfe den Beschluss begrüßen, geht er manchen Gläubigen nicht weit genug.

Franz-Peter Tebartz-van Elst: Rückkehr ins Bistum nach Auszeit?
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Franz-Peter Tebartz-van Elst: Rückkehr ins Bistum nach Auszeit?

Von Gesa Mayr, und


Hamburg - Der Papst hat ein Machtwort gesprochen und dem umstrittenen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst eine Amtspause verordnet. Er wolle nun die Ergebnisse der bischöflichen Überprüfungskommission abwarten, heißt es in der Mitteilung des Heiligen Stuhls. So lange werde Tebartz-van Elst "eine Zeit außerhalb der Diözese" gewährt.

Wie lange diese Zeit dauert, wo der Bischof sie verbringen wird - alles ist noch ungewiss. Entsprechend gemischt fallen die Reaktionen von Kirchenvertretern aus. Viele Gläubige im Limburger Bistum halten es für unwahrscheinlich, dass eine Rückkehr gelingen kann: "Es ist ein Vertrauensverlust, der schwer zu beheben ist", sagte der Limburger Domdekan Günther Geis bei einer Pressekonferenz. "Das ist nicht einfach weggewischt."

In den vergangen Wochen hatte die Krise um Tebartz-van Elst das Bistum schwer erschüttert. "Es sind viele Wunden entstanden, viele Ungerechtigkeiten geschehen, das Bistum wurde an die Wand gefahren, Narben bleiben zurück", sagte Hubertus Janssen, ehemaliges Mitglied im Sprecherteam der Reformbewegung "Wir sind Kirche" im Bistum Limburg. Janssen ist einer der schärfsten Kritiker des Bischofs. "Ich persönlich kann es mir absolut nicht vorstellen, dass Tebartz-van Elst das verlorene Vertrauen jemals wieder zurückgewinnen kann."

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Tebartz-van Elst: Auszeit von den Amtsgeschäften

Wie groß der Unmut im Bistum geworden ist, hatte sich vor 14 Tagen auf dem Domplatz gezeigt: Gläubige prostierten gegen Tebartz-van Elst und forderten seine Ablösung. Joachim Schäfer, Wetzlarer Pastoralreferent und Organisator der Demo, hatte auf ein härteres Urteil aus Rom gehofft. "Wir sind sprachlos und ratlos", sagte er nun SPIEGEL ONLINE. Man habe sich vom Papst einen "eindeutigen Schlussstrich" gewünscht.

Auch Tebartz-Kritiker Herbert Gerlowski geht die Entscheidung nicht weit genug. "Für mich war klar, dass der Vatikan entscheiden wird, dass Franz-Peter Tebartz-van Elst zurückkehren kann", sagte der Diakon aus dem Taunus. Er geht von einem Comeback aus sobald sich der Aufschrei gelegt hat. "Weihnachten ist ja traditionell eine gute Zeit, einen Neuanfang zu wagen."

"Der Bischof wird aus der Schusslinie genommen"

Die auf mindestens 31 Millionen Euro gestiegenen Kosten für die Bischofsresidenz und ein drohender Strafbefehl wegen eidesstattlicher Falschaussage hatten die Situation im Bistum für viele Gläubige unerträglich gemacht. Die Vertrauenskrise schwelt seit Monaten. Bereits im August forderten Frankfurter Katholiken Tebartz-van Elst in einem offenen Brief zu einem Kurswechsel auf und gaben dem Unmut im Bistum eine öffentliche Stimme. Rund 4500 Menschen unterzeichneten den Brief.

Der Abzug des Bischofs wird nun positiv aufgenommen. "Er wird komplett aus der Schusslinie genommen und hat erst mal Pause", sagte Matthias Thiel, stellvertretender Vorsitzender der Stadtversammlung der Frankfurter Katholiken. "Wir müssen nun die Zeit im Bistum nutzen, um uns wieder aufzustellen."

Eine Rückkehr des Geistlichen hält Thiel für "nicht ausgeschlossen". Man müsse den Bericht der Untersuchungskommission abwarten und die Entscheidung über einen möglichen Strafbefehl in Hamburg. Der droht ihm wegen einer falschen eidesstattlichen Erklärung. Eine Zusammenarbeit mit Tebartz-van Elst sei auch in Zukunft möglich, so Thiel. "Als Christen ist es unsere ureigene Pflicht, ihm die Hand zu reichen."

In Limburg werden sie nun ebenso wie in Rom den Bericht der bischöflichen Untersuchungskommission abwarten. Ein kluger Schachzug, findet der Kirchenrechtler Thomas Schüller: "Hätte der Papst den Bischof direkt zum Amtsverzicht gezwungen oder des Amtes enthoben, wäre das einer Vorverurteilung gleichgekommen." Die vorübergehende Suspendierung des Bischofs nennt Schüller "systemkonform" und kommentiert scharfzüngig: "Der Papst hat die Zügel in die Hand genommen. De facto ist er jetzt Bischof von Limburg."

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, reagierte erleichtert auf die Entscheidung im Vatikan. Es werde "ein Raum eröffnet, um in dieser Situation zur inneren Ruhe zurückzufinden und eine neue Gesprächsbasis zu schaffen."

Die Entscheidung des Papstes sei zwar klug, kommentierte auch der Osnabrücker Erzbischof Franz-Josef Bode. "Ich halte eine Rückkehr des Limburger Bischofs jedoch nach wie vor für sehr schwierig." So gebe es zwar ausreichend Zeit, die Vorwürfe zu Genüge zu prüfen. Im Bistum Limburg herrsche jedoch eine "grundlegende Vertrauenskrise".



insgesamt 25 Beiträge
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Whitejack 23.10.2013
1.
Bei allem Respekt für die Kritiker - aber wenn der Papst den Bischof auf öffentlichen Druck hin entlassen müsste, bevor ein Ergebnis der Untersuchungskommission vorliegt, dann kann man die Ursachen- und Strafverfolgung auch gleich in die Hände von BILD, SPON & Co. legen. Bis dahin ist TvE erst einmal aus dem Rennen. Er tut sich mit seinen hektischen Aktionen ja auch keinen Gefallen. Das strafrechtliche Verfahren steht auch noch aus. Zudem hat er jetzt Zeit, sich zu überlegen, ob er vielleicht freiwillig geht, um es allen Beteiligten einfacher zu machen. Der Protest aus Limburg ist ja nun auch nicht aus Spaß entstanden. In meinen Augen erst einmal die richtige Entscheidung vom Papst. Für alles Weitere braucht man Geduld, das wird nicht heute oder morgen entschieden.
Bernhard.R 23.10.2013
2. Papst gewährt bezahlten Sonderurlaub ?
Statt den Protzbischof als Pfarrer nach Afrika zu schicken. Wie nobel! Das erzieht zur Sparsamkeit.
Antoninus 23.10.2013
3. Priesterlich-bischöflich - Wohin führt ein solcher Weg?
Ein priesterlicher Lebenswech, pardon: -weg: Das elitäre Auserlesenheitsprinzip, das Sukzessionsverfahren, die Weihe als Sakrament auf Lebenszeit und himmlische Erfüllung aufgrund von Vorherbestimmung, das priesterliche und (noch würde- und weihevoller) das bischöfliche Amtsverständnis als Einheit von Person und Funktion - sie gebären, im Extremfall, Charakterverformungen und ein adelig-monarchisches Gehabe ... mit Prunk und Verschwendung; Jahre lang einzuüben ohne Kontrolle und freundschaftliche Einwirkung. Das Kirchenvolk, "der große Lümmel" (s. Heine im "Deutschland. Ein Wintermärchen"), huldigt gerne solchen Showkünstlern. Man kann sich so wohlig-emotional "verstanden" fühlen, ohne dass es eigene Verantwortung kostet - Der Himmel hat es so gewollt.* In Limburg kam dazu, dass der Vorgängner von Fürstbischof TvE, ein würdiger, armer, mildtätiger Bischof war, ein alter Gaesdoncker, dessen Wahl- und Wahrspruch er durchhielt: "Evangelizare pauperibus!". Deutsch: "Den Armen die Frohbotschaft verkünden". Nachzulesen: http://de.wikipedia.org/w...
tommit 23.10.2013
4. Das werden wir uns zum Vorbild nehmen
für alle Fälle in der die Kirche bei Laien eine Entlassung wegen kleinlicher Regelreiterei ausspricht... Man wird sich erinnern meine Herren.. Für einen Laien reicht bei der Mutter Kirche manchmal schon 2 Euro vernuterter Schaden um Leute rauszuwerfen... Bei 31 Millionen und schlechtem Führungsstil muss man dann Barmherzig sein.. Verdammt jetzt hängt sogar die Brmherzigkeit der KK an der Geldmenge
to5824bo 23.10.2013
5. Herunterschalten
Kirchenrechtler Thomas Schüller: "Hätte der Papst den Bischof direkt zum Amtsverzicht gezwungen oder des Amtes enthoben, wäre das einer Vorverurteilung gleichgekommen." Der Mann hat vollkommen recht: Es ist ein "kluger Schachzug" im Sinne aller Beteiligten. Die Kommission kann nun ihre Arbeit tun, die Justizbehörden ebenfalls, und der Arbeit im Bistum wird es ebenfalls nutzen, wenn etwas Ruhe einkehrt. Mit Sedisvakanzen kann man umgehen. Nicht zuletzt Herrn TvE ist - unabhängig von dem, was er getan und gelassen hat - zu gönnen, dass er zur Ruhe kommt. Ich möchte nicht wissen, was er die letzten Wochen durchgemacht hat. Das gönne ich keinem Menschen - egal, welche Fehler er gemacht hat oder nicht. Bleibt zu hoffen, dass nun auch die Medien das tun, was ihr Recht und ihre Pflicht ist: Sorgfältig darauf achten, wie sich die Dinge entwickeln. Aber ansonsten jetzt bitte auch mal ein paar Gänge herunterschalten.
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