Terror-Aufzeichnungen Teil II "Hey, geh raus da!"

Was geschah an Bord des Fluges 93, der bei Pittsburgh abgestürzt war? Offenbar war es zu einem Kampf zwischen Passagieren und Entführern gekommen. Die Aufzeichnung der Kommunikation zwischen den entführten Flugzeugen und den Kontrollstellen am Boden sind der "New York Times" zugegangen.


F-16-Kampfflugzeuge jagten zuerst nach New York, dann zum Pentagon und sollten dann das Weiße Haus schützen
DPA

F-16-Kampfflugzeuge jagten zuerst nach New York, dann zum Pentagon und sollten dann das Weiße Haus schützen

New York - Nachdem Kapitän Jason Dahl und sein erster Offizier Leroy Homer gewarnt worden waren, niemanden ins Cockpit zu lassen, setzten sie ihren Flug in Richtung Westen fort. Was geschah dann? Seit dem 11. September gab es immer wieder Meldungen, an Bord des Fluges 93 sei es zu einem Kampf zwischen Entführern und Passagieren gekommen.

Nach Informationen aus Kreisen der Flugüberwachung habe das FBI die Aufzeichnungen der Unterhaltung zwischen Bodenstellen mit dem Flugzeug beschlagnahmt. Die Niederschrift der Aufzeichnungen sei nicht einsehbar. Dennoch gab es Informanten. Eine Person, die das Band mitgehört hatte, sprach von "lauten Geräuschen wie bei einem Kampf", die zu hören waren, vieles undeutlich, doch durchmischt mit Sätzen wie: "Hey, geh raus da!" Auf der Wellenlänge sei eine ausländische Sprache zu hören gewesen, Fluglotsen vermuteten, es sei arabisch gewesen.

Flug 93 stürzte um 10.10 Uhr auf ein Feld im Westen Pennsylvanias. Als F-16-Jets aufkreuzten, war es bereits zu spät. Wären die Passagiermaschine noch am Himmel gewesen, hätten die Piloten entscheiden müssen, ob sie die Maschine mit den 38 Passagieren und sieben Besatzungsmitgliedern an Bord abschießen würden oder nicht.

Den Piloten der Kampfjets wurde später verboten, Interviews über den Einsatz zu geben. Dennoch drangen Einzelheiten ihres Einsatzes an die Öffentlichkeit. Sechs Minuten nachdem die Einheit auf dem Luftwaffenstützpunkt Lengley in Hampton, Virginia alarmiert worden war, waren drei F-16-Jäger startklar. Zunächst flogen sie - jedes Flugzeug mit sechs Raketen an Bord - mit Höchstgeschwindigkeit in Richtung New York, dann aber wurden sie nach Washington dirigiert und flogen in Formation in Richtung Reagan-National-Airport.

Über ihre Kopfhörer bekamen die Piloten mit, dass alle zivilen Flugzeuge zur Landung aufgefordert wurden. Der Ernst der Lage wurde ihnen vollends klar, als sie auf ihrem Transponder einen Code empfingen, der auf eine kriegsähnliche Situation hinwies. Dann kam die Frage: "Können sie bestätigen, dass das Pentagon brennt?" Der Pilot der ersten F-16-Maschine schaute aus seinem Cockpit hinab und bestätigte: "Das Pentagon brennt."

Dann erhielten die Piloten Anweisungen von Geheimdienstleuten, die sich in den Funkverkehr eingeschaltet hatten. Sie erteilten ihnen den Auftrag das Weiße Haus zu beschützen - um jeden Preis.



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