Terror-Ermittlungen Bisher führt keine Spur nach Deutschland

Bei den Ermittlungen nach den vereitelten Flugzeug-Anschlägen von London gibt es bislang keine Hinweise auf eine Verbindung nach Deutschland. Das sagte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble in einem Interview.


Hamburg - Allerdings könnten Kontakte der mutmaßlichen Attentäter nach Deutschland nicht ausgeschlossen werden. Dies werde derzeit überprüft, sagte der CDU-Minister in einem Interview des ZDF . Bisher sei die Gefahr durch Flüssigsprengstoff nicht als so hoch eingeschätzt worden. Das Problem sei, dass bereits eine sehr kleine Menge davon genüge, um ein Flugzeug zum Absturz zu bringen.

Die europäischen Staaten bemühten sich nun um einheitliche Sicherheitsvorschriften für den Flugverkehr. Es mache keinen Sinn, je nach Flughafen und Fluggesellschaft unterschiedliche Vorkehrungen zu haben, so Schäuble. "Das muss man ein Stück weit vereinheitlichen, und daran arbeiten wir gerade."

Zugleich erklärte der Minister, der Fall in London beweise, dass die Anschlagswarnungen der Vergangenheit und die erhöhten Sicherheitsvorkehrungen realistisch gewesen seien. "Wir haben immer davor gewarnt. Und jetzt zeigt sich eben erneut, dass es nicht irgendwelche Hirngespinste sind, sondern dass es eine reale Bedrohung ist, die wir gar nicht ernst genug nehmen können."

Die britischen Behörden hatten zuvor persönliche Daten von 19 der 24 festgenommenen Verdächtigen veröffentlicht. Sie sind 17 bis 35 Jahre alt und tragen Namen aus der moslemischen Welt. Die Bank von England sperrte ihre Konten. Nach bisherigen Erkenntnissen planten sie Attentate mit Flüssigsprengstoff, den sie im Handgepäck über den Londoner Großflughafen Heathrow in bis zu zehn Flugzeuge schmuggeln wollten. Wäre den Attentätern nicht das Handwerk gelegt worden, hätten sie nach Ansicht der US-Regierung eine Katastrophe vom Ausmaß des 11. Septembers 2001 ausgelöst.

Hinter den vereitelten Anschlägen auf bis zu zehn transatlantische Flüge steht nach Erkenntnissen der pakistanischen Regierung die Extremisten-Organisation Al-Kaida. Nach den Anschlägen vom 11. September hatte sich herausgestellt, dass etliche der Attentäter in Deutschland studiert hatten.

bri/Reuters



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