Terror-Ermittlungen Scotland Yard jagt zwei Qaida-Männer

Großbritanniens Fahnder kommen den Drahtziehern der Londoner Anschläge näher. Noch suchen die Behörden nach zwei Verdächtigen. Doch für die britische Regierung steht jetzt offiziell fest, dass das Terrornetzwerk al-Qaida für die Bombenexplosionen verantwortlich ist.


Polizist mit Fahndungsplakat: "Haben Sie Verdächtige beobachtet?"
AFP

Polizist mit Fahndungsplakat: "Haben Sie Verdächtige beobachtet?"

London - In einer von Downing Street im Internet veröffentlichten Liste tauchen die Bombenattentate als 31. Qaida-Aktion seit dem ersten Anschlag auf das World Trade Center im Jahr 1993 auf. Damit schreibt die britische Regierung die Anschläge von London erstmals offiziell der Qaida zu. Bisher hatte der britische Premierminister Tony Blair lediglich gesagt, die Attentäter handelten im Namen des Islam. Auch Scotland Yard hatte nur davon gesprochen, dass die Anschläge "alle Charakteristika der Qaida" trügen. Bisher haben sich die "Organisation der al-Qaida Dschihad in Europa" und die "Brigaden Abu Hafs el Masri" zu den Anschlägen bekannt.

Gestern Abend hatten Polizeibeamte ein Haus in Aylesbury, 64 Kilometer nordwestlich von London, durchsucht. Dort sei jedoch niemand festgenommen worden, berichtete der Fernsehsender BBC. Auch sei kein Sprengstoff sichergestellt worden.

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London: Wer waren die Attentäter?

Die Durchsuchung hänge jedoch mit den Anschlägen von London zusammen, sagte eine Polizeisprecherin. Die kriminaltechnische Prüfung dauere noch an. Mit Ergebnissen sei erst später zu rechnen. Am Dienstag hatte die Polizei bei der Durchsuchung mehrerer Häuser in Leeds einen 29-jährigen Verdächtigen festgenommen. Außerdem wurde am Bahnhof von Luton ein Auto durchsucht.

Vier Attentäter identifiziert

Die Polizei hat nach Presseberichten alle vier Briten pakistanischer Abstammung identifiziert, die die Anschläge ausgeführt haben sollen und dabei getötet wurden. Es handelt sich dabei um den 30-jährigen Familienvater Mohammed Sadique Khan, den 19 Jahre alten Shehzad Tanweer und den gleich alten Hasib Hussein. Wie die "Times" unter Berufung auf inoffizielle Quellen meldete, heißt der vierte Mann Ejaz Fiaz. Entgegen ersten Berichten sollen zwei von ihnen bereits wegen geringer Vergehen wie Ladendiebstahl mit dem Gesetz in Konflikt geraten sein und Verwarnungen erhalten haben. Wie die "Times" berichtet, sei einer von ihnen bei einer Anti-Terror-Operation im vergangenen Jahr beobachtet, aber nicht verhaftet worden.

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Heimat der Terroristen: Ein Leben im britischen Durchschnitt

Auch der Drahtzieher der Anschläge soll den Ermittlern inzwischen bekannt sein. Es handelt sich dabei um einen Briten pakistanischer Herkunft. Die Sicherheitsbehörden gingen davon aus, dass der Verdächtige Verbindungen zu Vertrauten von Osama Bin Laden in den USA habe, schreibt "The Times". Er sei etwa Mitte 30 und im vergangenen Monat in einem britischen Hafen angekommen. Er habe das Land jedoch am Tag vor den Anschlägen wieder verlassen.

Jagd nach zwei weiteren Terror-Verdächtigen

Laut "Times" jagen die Fahnder zwei weitere mögliche Mitglieder der Terrorzelle. Einer der beiden sei am 7. Juli von Überwachungskameras der Station Luton in der Nähe der vier Attentäter aufgenommen worden. Es werde befürchtet, dass es sich bei ihm um einen fünften Selbstmordbomber handeln könnte, der sich noch im Großraum London aufhält. Die Ermittler versuchen der "Times" zufolge herauszufinden, ob der Mann in Luton lebt. Dort hatten die Attentäter ein geliehenes Auto abgestellt und waren in die Bahn in Richtung London gestiegen.

Außerdem wird nach einem ägyptisch-stämmigen Chemierat gefahndet. Der 33-jährige Mann soll eine Wohnung in Leeds angemietet haben, die Polizisten bei einer Razzia vorgestern durchsucht hatten. Dem Zeitungsbericht zufolge hat der Chemiker mittlerweile das Land verlassen. Seinen Nachbarn habe er gesagt, es gebe Probleme mit seinem Visum.

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