Terror-Fahndung Al-Qaida-Kommandant angeblich gefasst

Den iranischen Behörden ist offenbar einer der ranghöchsten al-Qaida-Terroristen ins Netz gegangen. Abu Mussab al-Sarkawi, ein enger Vertrauter von Osama Bin Laden und angeblich die Nummer eins der al-Qaida im Irak, hat sein Versteck einem Zeitungsbericht zufolge durch Telefonate mit seiner Frau verraten.


Abu Musab al-Sarkawi: Angeblich im Iran festgenommen
AP

Abu Musab al-Sarkawi: Angeblich im Iran festgenommen

Kairo - Die in London erscheinende arabische Zeitung "al-Sharq al-Awsat" berichtet unter Berufung auf britische Sicherheitskreise, dass al-Sarkawi seinen Aufenthaltsort durch eigene Unvorsicht preisgab: Telefonate zwischen ihm und seiner Ehefrau in Jordanien hätten dem iranischen Geheimdienst den entscheidenden Hinweis gegeben.

US-Außenminister Colin Powell hatte Anfang Februar die Aktivitäten des mittlerweile weltbekannten Terroristen als einen der Gründe für einen Krieg gegen den Irak aufgezählt: Al-Sarkawi habe im Nordirak ein Trainingslager für Terroristen aufgebaut und halte sich in Bagdad auf.

Der Irak, so Powell, beherberge ein Terrornetzwerk, das von al-Sarkawi geleitet werde. Der enge Vertraute von Osama Bin Laden habe aus dem Irak heraus etwa die Ermordung des US-Diplomaten Foley im vergangenen Oktober in Jordanien dirigiert, so die Vorwürfe, die Powell während der Beweis-Vorlage gegen den Irak am 5. Februar im Weltsicherheitsrat erhob.

Al-Sarkawi als Top-Terrorist auf einem Dia, das US-Außenminister Colin Powell am 5.Februar dem Uno-Sicherheitsrat als Beweis für die Terror-Verbindungen des Irak vorlegte
AFP

Al-Sarkawi als Top-Terrorist auf einem Dia, das US-Außenminister Colin Powell am 5.Februar dem Uno-Sicherheitsrat als Beweis für die Terror-Verbindungen des Irak vorlegte

Dem Bundeskriminalamt gilt al-Sarkawi als Anführer der Terrorgruppe al-Tawhid, die sich mit der Islamistengruppe Ansar-e Islam verbündet haben soll. Sie operiere im nordirakischen Kurdengebiet und werde von Iran unterstützt. In Deutschland ermittelt Generalbundesanwalt Kay Nehm gegen al-Sarkawi wegen Rädelsführerschaft in der Terrororganisation. Al-Sarkawi habe ein Trainingscamp im Westen Afghanistans geleitet, bevor er sich während des Anti-Terror-Feldzuges der USA und ihrer Verbündeten nach Iran abgesetzt habe.

Das iranische Außenministerium hatte vergangene Woche die Festnahme von Hunderten mutmaßlicher Mitglieder des Terrornetzwerks al-Qaida von Bin Laden bestätigt. Teheran erklärte jedoch, es befänden sich keine Führungsmitglieder der Organisation unter den Festgenommenen, deren Identität den iranischen Behörden zum Teil noch unbekannt sei.

"Al-Sharq al-Awsat" hatte am Freitag berichtet, unter den Festgenommenen befinde sich auch der al-Qaida-Sprecher Suleiman Abu Gheith, der aus Kuwait stammt und auf einem nach den Anschlägen vom 11. September 2001 veröffentlichten Videoband neben Bin Laden zu sehen war.



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