Terror-Festnahmen in Paris Deutscher soll neuen Anschlag mitgeplant haben

Der 36-jährige Duisburger Christian G., der vergangene Woche in Paris festgenommen wurde, soll nach neuen Erkenntnissen der französischen Ermittler einen geplanten Anschlag auf der Ferieninsel La Réunion mitorganisiert haben. Der als hochrangiges Al-Qaida-Mitglied geltende Deutsch-Pole wurde durch einen ebenfalls in Paris inhaftierten Komplizen aus Duisburg belastet.

Paris - Der am 3. Juni bei Paris festgenommene Christian G. habe engen Kontakt zu Osama Bin Laden gehabt, sagte Innenminister Nicolas Sarkozy am Mittwoch vor der französischen Nationalversammlung. Der 36-jährige, den der Minister als "Spezialisten für Informatik und Telekommunikation" des Terror-Netzes al-Qaida bezeichnete, habe sich mehrmals in Afghanistan aufgehalten. Bei seinem Verhör habe er zugegeben, dort an Terror-Lehrgängen teilgenommen zu haben.

Die Aussagen des französischen Politikers decken sich mit den Erkenntnissen deutscher Fahnder, die Christian G. schon seit mehr als einem Jahr im Visier haben. Auch hierzulande hatte er mehrmals eingestanden, in Afghanistan gewesen zu sein. Bin Laden selber wollte er bei seinen Vernehmungen jedoch nur am Rande von größeren Versammlungen getroffen haben. Angeblich habe der Terrorfürst von ihm Hilfe für eine seiner kranken Töchter erbeten.

Der zum Islam konvertierte Christian G. tritt in der deutschen Islamisten-Szene als "Abu Ibrahim" auf und gilt als Mitwisser des Anschlags auf eine Synagoge auf der tunesischen Ferienhalbinsel Djerba. Bei dem Attentat waren im April vergangenen Jahres 21 Menschen ums Leben gekommen, unter den Opfern waren auch 14 Urlauber aus Deutschland. Ins Visier der Ermittler geriet der Deutsche, weil der mutmaßliche Djerba-Attentäters Nizar Naouar kurz vor dem Anschlag bei ihm angerufen hatte.

Neu an den Aussagen des französischen Politikers war der Vorwurf, dass G. konkret an der Planung eines neuen und offenbar durch die Festnahme verhinderten Terror-Plots auf der Ferieninsel Le Réunion beteiligt gewesen sein soll. Ein 34-jähriger Marokkaner, der ebenfalls in der vergangenen Woche in Paris festgenommen worden war, hatte den Deutschen als Organisator und Geldgeber eines Attentats gegen eine touristische Anlage auf der Insel beschrieben. Christian G. hat bisher in Paris eine Beteiligung an dem neuen Anschlag bestritten. Karim M. war bei einem Zwischenstopp nach Le Réunion festgenommen worden. Er lebt seit rund 14 Jahren in Duisburg und gehört neben Christian G. zu einer Gruppe von Islamisten, welche von der Polizei intensiv beobachtet werden. Er soll in Frankreich auch gestanden haben, dass die Gruppe Anschläge auf US-Einrichtungen in Deutschland plane. Mittlerweile werden die Männer von deutschen Fahndern ganz offen als "Duisburger Zelle" bezeichnet. Neben den beiden in Paris Inhaftierten sollen ihr mindestens noch drei weitere Personen angehören, denen die Behörden bisher jedoch nichts nachweisen können. Sowohl gegen die beiden in Paris sitzenden Männer als gegen die weiteren mutmaßlichen Mitglieder der Zelle laufen bei der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe Verfahren.

Die Festnahem von Christian G. in Paris beendete eine lange und für die Fahnder mehr als frustrierende Ermittlungsgeschichte in Deutschland. Trotz vieler Hinweise und selbst eingestandenen Verbindungen zur Qaida konnten die Fahnder G. in Deutschland nie etwas nachweisen. Mehrere Versuche für einen Haftbefehl wurden vom Bundesgerichtshof abgelehnt.

Am Ende konnte sich Christian G. im Mai 2003 sogar mit seiner Familie nach Saudi-Arabien absetzen, wo er ebenfalls kurzfristig festgenommen wurde. Im Mai teilten die Behörden in Riad der deutschen Botschaft dann jedoch mit, G. sei wieder auf freiem Fuß. Kurz vor seiner Festnahme in Paris jedoch hatten die Saudis Christian G. aus ihrem Land ausgewiesen und in eine Maschine in Richtung Deutschland gesetzt.

Christian G. wird auch durch Aussagen des verhafteten al-Qaida-Kommandeurs Chalid Scheich Mohammed schwer belastet: G. habe nicht nur engste Verbindungen zur al-Qaida-Spitze um Osama Bin Laden gepflegt, sondern auch technische Hilfestellung für das Terrornetzwerk geleistet. Nach Angaben eines australischen Islamisten soll G. als Kurier zwischen Bin Laden und Scheich Mohammed fungiert haben.