Terror in Casablanca Selbstmordattentäter töten 40 Menschen

Bei mehreren Terror-Anschlägen sind im marokkanischen Casablanca mindestens 40 Menschen getötet worden. Es sollen auch Ausländer unter den Toten sein. Die zeitgleich ausgeführten Selbstmordattacken tragen die Handschrift von al-Qaida.

Casablanca - Bei den insgesamt fünf Selbstmordanschlägen wurden vor allem Marokkaner und Spanier getötet. Aus offiziellen Quellen in Casablanca verlautete jedoch am Samstagmittag, dass auch andere Ausländer unter den Toten seien. Details konnte er jedoch noch nicht nennen. Vom Auswärtigen Amt (AA) in Berlin war zu hören, dass vermutlich keine Deutschen unter den Opfern seien.

Mittlerweile sollen nach einem Bericht des US-Senders CNN vom Mittag auch drei Männer von der Polizei im Zusammenhang mit den Anschlägen festgenommen worden sein. Laut dem Bericht soll es sich bei einem der Männer vermutlich um einen verletzten Attentäter handeln. Weitere Details wurden bisher nicht bekannt.

Bei der Explosion im Restaurant des spanischen Kulturhauses "Casa España" seien möglicherweise 12 bis 14 seiner Landsleute ums Leben gekommen, sagte der Vorsitzende der privaten Einrichtung, Rafael Bermúdez. Zum Zeitpunkt der Attentate hätten sich bis zu 150 Menschen in dem Restaurant im Kulturzentrum befunden. Die Zahl der Toten stieg im Laufe des Vormittags weiter an. Ein Sprecher der marokkanischen Regierung bestätigte, dass es mindestens 40 Toten gebe. Noch aber ist dies nur ein vorläufige Zahl, sagte er.

Insgesamt richteten sich die Anschläge am Freitagabend gegen fünf Ziele. Neben der "Casa España" wurden ein jüdisches Gemeindezentrum und ein jüdischer Friedhof, das Luxushotel "Safir" und das belgische Konsulat angegriffen. Überall dort zündeten die Terroristen Autobomben, wie der marokkanische Innenminister Sahel mitteilte. "Das war das Werk von Kamikazes", sagte er. Die Lage sei aber unter Kontrolle. "Marokko wird sich nicht einschüchtern oder destabilisieren lassen von jenen, die unsere demokratischen Werte angreifen wollen."

Der Minister machte den "internationalen Terrorismus" für die Attentate verantwortlich. Sie trügen die gleiche Handschrift wie die Anschläge vier Tage zuvor in der saudischen Hauptstadt Riad, die dem Terror-Netzwerk al-Qaida zugeschrieben wurden. Dort starben 34 Menschen. Die USA und Großbritannien hatten in den vergangenen Tagen wegen der Terrorgefahr besonders vor Reisen nach Kenia und Malaysia gewarnt. Es gab zudem Hinweise auf geplante Anschläge in der Stadt Dschiddah im Süden Saudi-Arabiens.

International sorgte die Anschlagsserie für Bestürzung. Mit Entsetzen und "tiefer Betroffenheit" reagierte die Bundesregierung auf die Anschläge in Casablanca in Marokko. "Die Verbrecher und ihre Hintermänner müssen ermittelt und vor Gericht gestellt werden", erklärte Bundesaußenminister Joschka Fischer. Der Terrorakt rufe ins Bewusstsein, "dass die Staatengemeinschaft im Kampf gegen den internationalen Terrorismus in ihren Anstrengungen nicht nachlassen darf". Die Bundesregierung verurteile den "menschenverachtenden Terrorakt" auf das Schärfste.

Israel hat Marokko nach den blutigen Anschlägen in der Wirtschaftsmetropole Casablanca sein Beileid bekundet. Der israelische Außenminister Silwan Schalom erklärte in einer Beileidsbotschaft, Israel teil die Trauer der marokkanischen Regierung und der Angehörigen der Opfer. "Der Terror ist weltumfassend und gegen uns alle gerichtet, deshalb ist ein globaler Kampf gegen ihn notwendig», schrieb der der Politiker.Schalom drückte die Überzeugung aus, dass Marokko alles tue, um die Juden in seinen Grenzen zu schützen.

Aus den USA war zu hören, dass solche Anschläge nur von al-Qaida verübt werden könnten. Abstimmung, die effiziente Logistik und die Ziele der Selbstmordbomber wiesen auf Osama Bin Ladens Männer hin, sagten verschiedene Geheimdienstler US-Nachrichtenagenturen. Die Anschläge der letzten Tage in Saudi-Arabien und nun in Casablanca zeigten, dass al-Qaida trotz internationaler Bemühungen immer noch voll funktionsfähig sei, so der Terror-Fahnder. Die Ermittlker wollen mittlerweile auch konkrete Hinweise haben, dass al-Qaida definitiv hinter der Anschlägen in Saudi-Arabien steckt.

Marokko ist seit Jahren ein fester Verbündeter der USA. Die Regierung bedauerte jedoch, dass der Irak-Konflikt nicht friedlich gelöst wurde. In der marokkanischen Bevölkerung gab es heftigen Widerstand gegen den US-geführten Golfkrieg. An einer Demonstration in Rabat hatten vor Kriegsbeginn 200.000 Menschen teilgenommen. König Mohammed VI. hatte daher gewarnt, der Krieg könne den islamischen Fundamentalismus im Land schüren. Im April waren wegen der Sorge vor muslimischen Fundamentalisten Kommunalwahlen verschoben worden.

Im vergangenen Jahr wurden in Casablanca drei saudiarabische Staatsbürger festgenommen, weil sie einen al-Qaida-Anschlag auf amerikanische und britische Kriegsschiffe in der Straße von Gibraltar organisiert hatten. Sie wurden zu zehnjährigen Haftstrafen verurteilt.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.