Terror Wieder eine Briefbombe an die EU

Die unheimliche Serie reißt nicht ab: Auch bei der europäischen Behörde Eurojust in Den Haag ist am Dienstag eine Briefbombe eingegangen, die aber keinen Schaden anrichtete. Hinter dem missglückten Anschlag auf EZB-Chef Trichet in Frankfurt stecken vermutlich italienische Anarchisten.

Den Haag/Bologna/Frankfurt am Main - Über den missglückten Anschlag auf Eurojust berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf italienische Justizkreise. Der Sprengsatz sei nicht explodiert. Eurojust ist eine Einrichtung der EU zur grenzüberschreitenden Verbrechensbekämpfung. Am Montagnachmittag war in der europäischen Polizeizentrale Europol in Den Haag ein Bombenpäckchen rechtzeitig entdeckt und unschädlich gemacht worden. Es war an den Chef Jürgen Storbeck adressiert und kam ebenfalls aus Bologna.

Ein Sprecher der EU-Kommission sagte in Brüssel, man habe verstärkt die EU-Gebäude abgesichert und untersuche vor allem den Posteingang noch genauer als bisher. Der Beschluss war nach seinen Worten bereits am Montag in einer Sondersitzung des Kommission gefasst worden.

Ein Sprecher von Generalbundesanwalt Kay Nehm teilte mit, es sei wegen des Anschlags auf Trichet ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannte Mitglieder einer ausländischen terroristischen Vereinigung eingeleitet worden. Ermittelt werde wegen versuchten Mordes. Nach der bisherigen Sachlage sei davon auszugehen, dass die Sendung von einer italienischen Vereinigung stamme, die dem anarchistischen Spektrum zuzurechnen sei. Auch das italienische Innenministerium vermutet "anarchistisch-aufständische" Gruppen hinter den Briefbomben.

Italienische Ermittler vermuten, dass die Briefbomben nicht töten, sondern Panik verbreiten sollten. Konkrete Verdächtige gebe es nicht, doch sei eine Liste mit den Namen von 250 Personen erstellt worden, die mit der anarchistischen Szene in Verbindung gebracht werden, berichteten italienische Medien. Diese Personen sollen auch über Kontakte nach Spanien und Griechenland verfügen.

Die Ermittlungen ergaben, dass die am Montag abgefangene Briefbombe tatsächlich hätte explodieren können. Die Sprengvorrichtung sei funktionsfähig gewesen, bestätigte die Bundesanwaltschaft. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Frankfurt handelt es sich bei dem Inhaltsstoff des Sprengsatzes möglicherweise um ein Unkrautvernichtungsmittel. Aus dem Brief an Trichet hätten nach dem Öffnen Drähte herausgeragt. Vorerst würden Experten des Wiesbadener Landeskriminalamts die verdächtige Sendung weiter untersuchen.

Der an den EZB-Präsidenten adressierte Brief war am Montagmittag am Hauptsitz der Europäischen Zentralbank in der Frankfurter Kaiserstraße aufgefallen. Abgeschickt worden sei die Sendung in Bologna. Dort war am Samstag auf den EU-Kommissionspräsidenten Romano Prodi ein Paketbombenanschlag verübt worden. Der Politiker hatte am Wochenende in seiner Wohnung ein an seine Frau adressiertes Paket geöffnet. Unmittelbar darauf war das darin enthaltene Buch mit einer Stichflamme explodiert, wie Prodi berichtete. Er habe es aber rechtzeitig weggeschleudert und sei unverletzt geblieben. Nur einige Möbelstücke und ein Teppich wurden beschädigt. Bereits vor Weihnachten waren in Müllcontainern nahe Prodis Wohnung zwei Bomben explodiert. Verletzt wurde niemand. Zu den Anschlägen bekannte sich damals eine Anarchisten-Gruppierung.

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